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Ricinus communis
Giftig🐾Ricinus · (Ricinus communis)
Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Beschreibung
Grossflächige, handförmig gelappte Blätter und stachelige Fruchtkapseln mit bunt gemusterten, bohnenähnlichen Samen machen diese aus wärmeren Regionen stammende Pflanze der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) unverkennbar. Aus den geernteten Samen wird durch Kaltpressung reines Rizinusöl gewonnen, das reich an Ricinolsäure ist und traditionell sowohl innerlich als auch äusserlich genutzt wurde. WICHTIG: Die ganzen, unverarbeiteten Samen enthalten das hochgiftige Lektin Rizin und sind lebensgefährlich giftig — bereits wenige zerkaute Samen können für Menschen und Tiere tödlich sein. Kaltgepresstes, pharmazeutisches Rizinusöl gilt dagegen als rizinfrei, da das Toxin wasserlöslich im Presskuchen verbleibt. Samen und unzerkleinerte Pflanzenteile müssen unbedingt von Kindern und Haustieren ferngehalten werden; bei Verdacht auf Verzehr sofort den Giftnotruf kontaktieren.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Ganze Rizinussamen sind in der Schwangerschaft strikt verboten — Rizinvergiftung und schwerer Volumenverlust durch Durchfall gefährden Mutter und Kind. Auch reines Rizinusöl als Laxans ist in der Schwangerschaft nur unter ärztlicher Aufsicht (z. B. zur Geburtseinleitung am Termin durch Hebamme/Gynäkologe), nicht zur Selbstmedikation, da es uterine Kontraktionen auslösen kann.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Ganze Samen und Pflanzenmaterial in der Stillzeit strikt kontraindiziert. Kleine Mengen reines, pharmazeutisch geprüftes Rizinusöl gelten als laktationsverträglich, sollten aber wegen Durchfallrisiko beim Säugling nur ärztlich indiziert eingesetzt werden.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Rizinussamen sind die häufigste Ursache schwerer Pflanzenvergiftungen bei Kindern in der Mittelmeerregion — die bunt gemusterten, bohnenartigen Samen sind optisch attraktiv und schon 1–2 zerkaute Samen können tödlich sein. Bei Verdacht auf Samenverzehr: SOFORT Notruf und Giftnotruf. Rizinusöl als Laxans wird in der Pädiatrie wegen unangenehmer Wirkung und Krampfgefahr nicht mehr eingesetzt; sanftere Alternativen (Macrogol, Lactulose) sind Standard.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Andere Laxanzien (Bisacodyl, Sennoside, Macrogol)
Äusserliche Anwendung von Rizinusöl bei trockener Haut, Hautekzemen, Schuppenflechte und Schuppenbildung der Kopfhaut. Der historische Beiname Palma Christi ('Hand Christi') verweist auf die volksmedizinische Reputation, Wunden zu heilen und Beschwerden zu lindern. Modern: kosmetische Hautpflege, Augenbrauen- und Wimpernpflege; in der dermatologischen Volksmedizin auch bei Berufsekzemen.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische Anwendung von Rizinusöl-Packungen ('Castor Oil Packs') auf Bauch und Leber als naturheilkundliche Entgiftungs- und Entzündungsanwendung, populär gemacht durch den US-Heiler Edgar Cayce. Wissenschaftliche Evidenz fehlt; Anwendung gilt als allgemein hautverträglich. Auch Samenpulver wurde lokal auf Abszesse und Hautinfektionen aufgelegt.
Anleitung & Dosierung
Quellen: [3]
Volksmedizinische Einreibung mit Rizinusöl bei Gelenkschmerzen, Arthrose und rheumatischen Beschwerden. In der ayurvedischen Tradition wird Eranda-Öl warm massiert; Rizinolsäure wirkt mild reizend und durchblutungsfördernd auf die Haut. Antimikrobielle Begleitwirkung gegen Bakterien und Pilze ist plausibel, klinische Evidenz für die rheumatologische Indikation jedoch schwach.
Anleitung & Dosierung
Industrielle und technische Verwendung des Rizinusöls (kein medizinischer Gebrauch): hochwertiger Schmierstoff für Hochleistungsmotoren (Rotationsmotoren der WWI-Flugzeuge, klassische Rennwagen — 'Castrol R'), Komponente in Biodiesel, Ausgangsstoff für Sebacinsäure und Nylon-11, sulfoniertes 'Türkischrotöl' als historischer Detergens. Polyglycerol-Polyricinoleat (PGPR, E476) ist ein in Schokoladenherstellung zugelassener Emulgator.
Anleitung & Dosierung
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Rizinusöl (Oleum ricini), durch Kaltpressung aus den Samen gewonnen, ist seit dem altägyptischen Papyrus Ebers (ca. 1550 v. Chr.) als Abführmittel dokumentiert und gilt heute als das am längsten ununterbrochen verwendete Laxans der Menschheitsgeschichte. Wirkmechanismus: Im Dünndarm wird Rizinolsäure aus den Triglyceriden freigesetzt; sie reizt die Darmschleimhaut und steigert die Peristaltik. Wirkungseintritt nach 2–6 Stunden. Wichtig: Das gepresste Öl ist FREI von Rizin — das wasserlösliche Lectin verbleibt im Presskuchen; zusätzlich wird das Öl auf über 80 °C erhitzt, was Rizin denaturiert.
Anleitung & Dosierung
Historische volksgeburtshilfliche Verwendung von Rizinusöl zur Geburtseinleitung am Termin — der sogenannte 'Wehencocktail' aus Rizinusöl, Aprikosensaft, Sekt oder warmem Bad ist in deutsch-sprachigen Hebammenkreisen bis heute gelegentlich gebräuchlich. Wirkmechanismus pharmakologisch nicht eindeutig geklärt; ein Cochrane-Review-Update 2024 kommt zum Schluss, dass keine hochwertige Evidenz für Zervixreifung oder Geburtsinduktion existiert, dass aber regelmässig Übelkeit und Durchfall auftreten. Anwendung nur unter geburtshilflicher Aufsicht.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische Verwendung von Rizinus-Blattabsuden bei Husten und Atemwegsbeschwerden in Indien und Westafrika. Blätter gelten als nur mild toxisch (der Hauptgiftstoff Rizin ist in den Samen lokalisiert), dennoch ist die Anwendung wegen unklarem Wirkstoffprofil heute nicht empfohlen. In der ayurvedischen Medizin ('Eranda') traditioneller Bestandteil polyherbaler Rezepturen.
Anleitung & Dosierung
SAMEN EXTREM GIFTIG (Rizin) — ÖL UNBEDENKLICH bei pharmazeutischer Qualität. Wichtige Trennung: (1) Ganze Samen enthalten das hochpotente Toxin Rizin (1–5 % des Samenproteins), ein Typ-2-Ribosom-inaktivierendes Lectin. Bereits 4–8 zerkaute Samen können einen Erwachsenen töten; orale LD ca. 1 mg/kg, bei Injektion oder Inhalation tausendfach toxischer (LD50 i.p. Maus ca. 22 μg/kg). Vergiftungssymptome: Brennen in Mund und Rachen, Bauchschmerzen, blutige Diarrhoe, Erbrechen, Multiorganversagen mit Latenz von 2–36 Stunden, Tod 3–5 Tage. Kein spezifisches Antidot — nur supportive Therapie. (2) Kaltgepresstes Rizinusöl ist FREI von Rizin (wasserlöslich, bleibt im Presskuchen; zusätzlich wird Öl auf >80 °C erhitzt zur Denaturierung) und ist als OTC-Laxans weltweit zugelassen. Rizin ist gemäss Chemiewaffenkonvention 1997 und Biowaffenkonvention 1972 als Schedule-1-Substanz gelistet — historisch bekannt durch das Markov-Attentat 1978 in London (mit Rizin-Pellet ermordet via präparierten Regenschirm). Kinder und Haustiere fernhalten von Samen und unzerkleinerter Pflanze. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig.
Ganze Rizinussamen sind in der Schwangerschaft strikt verboten — Rizinvergiftung und schwerer Volumenverlust durch Durchfall gefährden Mutter und Kind. Auch reines Rizinusöl als Laxans ist in der Schwangerschaft nur unter ärztlicher Aufsicht (z. B. zur Geburtseinleitung am Termin durch Hebamme/Gynäkologe), nicht zur Selbstmedikation, da es uterine Kontraktionen auslösen kann.
Ganze Samen und Pflanzenmaterial in der Stillzeit strikt kontraindiziert. Kleine Mengen reines, pharmazeutisch geprüftes Rizinusöl gelten als laktationsverträglich, sollten aber wegen Durchfallrisiko beim Säugling nur ärztlich indiziert eingesetzt werden.
Rizinussamen sind die häufigste Ursache schwerer Pflanzenvergiftungen bei Kindern in der Mittelmeerregion — die bunt gemusterten, bohnenartigen Samen sind optisch attraktiv und schon 1–2 zerkaute Samen können tödlich sein. Bei Verdacht auf Samenverzehr: SOFORT Notruf und Giftnotruf. Rizinusöl als Laxans wird in der Pädiatrie wegen unangenehmer Wirkung und Krampfgefahr nicht mehr eingesetzt; sanftere Alternativen (Macrogol, Lactulose) sind Standard.
Wechselwirkungen
Andere Laxanzien (Bisacodyl, Sennoside, Macrogol)
Additive laxierende Wirkung mit Risiko für schwere Diarrhoe, Volumenverlust und Hypokaliämie.
Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin)
Rizinusöl-induzierte Hypokaliämie erhöht die Empfindlichkeit der Herzmuskelzelle gegenüber Digitalis-Glykosiden — Risiko für Arrhythmien und AV-Block.
Kaliumverlust-Diuretika (Schleifendiuretika, Thiazide)
Additive Hypokaliämie durch Diuretikum plus Rizinusöl-Diarrhoe; klinisch relevant bei längerer Anwendung.
Lipidlösliche Medikamente (fettlösliche Vitamine A, D, E, K; orale Kontrazeptiva)
Rizinusöl kann die Resorption fettlöslicher Substanzen durch Beschleunigung der Darmpassage und Bildung von Öl-Emulsionen vermindern — Wirkverlust möglich.
Antikoagulanzien (Cumarine, Phenprocoumon, Warfarin)
Verminderte Vitamin-K-Resorption durch Rizinusöl-induzierte beschleunigte Darmpassage kann die antikoagulatorische Wirkung verstärken — INR-Schwankungen möglich.
Kontraindikationen
- Bekannte Allergie gegen Rizinusprotein (Rizin-allergische Reaktionen, anaphylaktischer Schock dokumentiert)
- Ileus, mechanischer Darmverschluss, akutes Abdomen (Verstärkung durch Rizinusöl als Laxans)
- Akute entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn-Schub, Colitis ulcerosa-Schub)
- Appendizitis-Verdacht und unklare Bauchschmerzen
- Schwere Dehydration und Elektrolytstörungen (Hypokaliämie durch Diarrhoe verschärft)
- Schwangerschaft (siehe oben) — ausser kontrollierte Geburtseinleitung am Termin
- Kinder unter 12 Jahren bei Laxans-Indikation (sanftere Alternativen vorhanden)
- Verzehr von WHOLE SAMEN ist absolut verboten — extreme Vergiftungsgefahr durch Rizin
Erntet wird: Samen
- Tageszeit:
- Bei trockenem Wetter, sobald die stacheligen Fruchtkapseln aufplatzen — Samen werden mit Knall ausgeschleudert (Fernverbreitung).
- Trocknung:
- Samen luftgetrocknet bei Raumtemperatur, NICHT mit blossen Händen anfassen; Schutzhandschuhe und Maske beim Mahlen oder Pressen tragen (Aerosol-Rizin extrem toxisch bei Inhalation). Für pharmazeutische Ölgewinnung folgt Kaltpressung und anschliessende Erhitzung über 80 °C zur Rizin-Denaturierung.
- Tageszeit:
- Vormittags nach Tautrocknung — junge, glänzende Blätter haben den höchsten Ricinin-Gehalt
- Trocknung:
- Blätter locker auslegen, bei 30–40 °C im Schatten trocknen. Blätter gelten als nur mild toxisch (kein Rizin in den Blättern, nur Ricinin und andere Alkaloide), doch Schutzhandschuhe sind empfohlen. Nicht mit Samenmaterial vermischen.
- Ricin (Typ-2 RIP-Lectin)SonstigeAnteil: 1-5 % des Samenproteins
Hochpotentes Lectintoxin, ribosomeninaktivierendes Protein Typ 2; besteht aus zwei kovalent durch eine Disulfidbrücke verknüpften Ketten: A-Kette (267 AS, N-Glykosid-Hydrolase, blockiert die 60S-Untereinheit der Ribosomen) und B-Kette (262 AS, galaktosebindendes Lectin, ermöglicht Zelleintritt). Orale LD beim Menschen ca. 1 mg/kg; bei parenteraler Gabe etwa drei Grössenordnungen toxischer. Wasserlöslich — verbleibt im Presskuchen, NICHT im gepressten Öl. Listed als Schedule-1-Substanz unter CWC 1997 und BWC 1972.
- Ricinin (Pyridon-Alkaloid)AlkaloidAnteil: 0.3-0.8 %
Pyridon-Alkaloid mit Cyano-Substituent; in allen Pflanzenteilen nachweisbar, besonders in jungen Blättern und Samen. Pharmakologisch viel weniger giftig als Rizin; dient kriminaltechnisch als Biomarker für Rizinusexposition (Nachweis im Urin von Vergiftungsopfern).
- Ricinolsäure (Ricinoleic acid)SonstigeAnteil: 85-92 % des Rizinusöls
Ungewöhnliche hydroxylierte ungesättigte C18-Fettsäure ((9Z,12R)-12-Hydroxy-octadec-9-ensäure); dominierende Komponente des Rizinusöls (über 75 % als Triglycerid-Ester). Wirkmechanismus des Laxans: Spaltung im Dünndarm durch Lipasen → freie Säure → Reizung der Darmschleimhaut, EP3-Rezeptor-Aktivierung, Peristaltiksteigerung. Auch antimikrobielle Eigenschaften gegen Bakterien, Pilze und Viren.
- Ricinusagglutinin (RCA120)SonstigeAnteil: Spuren
Hämagglutinierendes Lectin im Samen, strukturell mit Rizin verwandt (etwa 60 % Sequenzidentität), jedoch deutlich weniger toxisch. Bindet wie Rizin an Galaktosereste und kann Erythrozyten agglutinieren; wichtig für die Laborchemie und histochemische Färbetechniken.
- Nudiflorin und Ricinidin (Begleitalkaloide)AlkaloidAnteil: Spuren
Weitere Pyridon-Alkaloide neben Ricinin; in geringen Mengen in Samen und Blättern nachgewiesen; pharmakologische Bedeutung gering.
- Ricinolein (Triglyceride der Ricinolsäure)SonstigeAnteil: über 75 % des fetten Öls
Triglyzeride mit Ricinolsäure als dominierender Fettsäure; bilden die Hauptkomponente des kaltgepressten Rizinusöls. Hohe Viskosität und ungewöhnlich gute Schmiereigenschaften — daher industriell als Hochleistungsschmierstoff genutzt.
- Phytinsäure / Phytat (Phosphorquelle)SonstigeAnteil: Hauptphosphorform im Samen (ca. 90 % des Samen-P)
Inositol-Hexaphosphat; Hauptspeicherform von Phosphor im Samen. Pharmakologisch unbedeutend, ernährungsphysiologisch ein Antinährstoff (bindet Mineralien).
- Flavonoide und PhenolsäurenFlavonoidAnteil: nicht quantifiziert
Begleitsubstanzen in Blättern und Samenschalen (Kaempferol- und Quercetin-Glykoside, Gallussäure-Derivate); antioxidativ wirksam, pharmakologisch im Vergleich zu Rizin und Ricinolsäure von untergeordneter Bedeutung.
- [4]MonographieASPCA Animal Poison Control — African Wonder Tree (Ricinus communis)(abgerufen: 2026-08-10)
- [5]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Ricinus communis L.: sehr stark giftig +++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [3]BuchPlants For A Future — Ricinus communis(abgerufen: 2026-05-26)
- [1]WikipediaRicinus communis — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [2]WikipediaCastor oil — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)