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Foto von Einjähriges Bingelkraut

© Jan Eckstein · CC BY-SA 3.0 · Commons

Einjähriges Bingelkraut

Vorsicht🐾

Mercurialis annua · (Mercurialis annua)

Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)

Beschreibung

Das Einjährige Bingelkraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung Bingelkräuter (Mercurialis), die keinen Milchsaft enthält, innerhalb der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).

  • RohKrautige TeileÄußerlichVolksmedizin

    Historische Färberei-Tradition (kräftig blauer Pflanzenfarbstoff): Mercurialis annua war über Jahrhunderte hinweg eine der wichtigsten europäischen Färbepflanzen für blau-violette und purpurne Töne — insbesondere in Frankreich (Languedoc, Provence) und auf der Iberischen Halbinsel. Aus dem ausgepressten Saft der frischen Pflanze entsteht durch enzymatische Oxidation aus dem farblosen Vorläufer Hermidin der Farbstoff Chrysohermidin und verwandte chinoide Pigmente. Diese wurden vor allem als 'tournesol en drapeaux' bzw. 'tournesol des teinturiers' (Färber-Tournesole) gehandelt: mit Mercurialis-Saft und Ammoniak (aus Urin) imprägnierte Leinenlappen, die zum Anfärben von Käserinden (Edam, Gouda), Zuckerhüten und billigen Stoffen verwendet wurden. Wegen seiner ausgeprägten Lichtempfindlichkeit eignet sich der Farbstoff jedoch nur für temporäre Markierungen und vergängliche Färbungen.

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  • TeeKrautige TeileInnerlichVolksmedizin

    Mittelalterliche Volksmedizin (heute OBSOLET, nur historische Dokumentation): Hildegard von Bingen erwähnt das Bingelkraut ('Bingilcrut') in ihrer 'Physica' (12. Jahrhundert) als mildes Abführmittel bei Verstopfung und 'Verschleimung des Bauches'. Bereits Dioskurides (1. Jh.) und Galen (2. Jh.) beschrieben Mercurialis als verdauungsanregend, wurmtreibend und 'die schlechten Säfte abführend'. Aufgüsse aus dem frischen oder getrockneten Kraut galten bis ins 18. Jahrhundert als sanftes Laxans. Wegen der heute bekannten Toxizität der Saponine und Methylamine (Brechreiz, Gastroenteritis) sowie fehlender moderner Wirksamkeitsdaten ist diese Anwendung HEUTE OBSOLET und wird ausschließlich aus medizinhistorischem Interesse dokumentiert — keine Eigenanwendung.

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  • RohBlattInnerlichVolksmedizin

    Notnahrung (RISKANT, nur historisch dokumentiert): In einigen mediterranen Regionen (Spanien, Süditalien, Griechenland) wurden junge Triebe von Mercurialis annua in Notzeiten ausgiebig gekocht — meist mehrfach in Wasser abgekocht und das Kochwasser jedes Mal verworfen, um Saponine und Methylamine auszuwaschen — und mit anderen Wildkräutern verzehrt. Diese Praxis ist gut belegt für Krisen- und Kriegsjahre des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Wegen der unzuverlässigen Entgiftung und der Verwechslungsgefahr mit dem giftigeren Ausdauernden Bingelkraut (Mercurialis perennis) ist Mercurialis annua KEINE empfehlenswerte Wildgemüsepflanze. Eine moderne kulinarische Verwendung wird ausdrücklich nicht empfohlen.

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  • UmschlagBlattÄußerlichVolksmedizin

    Historische äußerliche Anwendung (OBSOLET, nur Dokumentation): In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Volksheilkunde wurden zerstoßene frische Bingelkraut-Blätter als Umschlag auf Geschwüre, schlecht heilende Wunden und Hautausschläge ('Krätze', Ekzeme) gelegt. Lonicerus (Kräuterbuch 1557) und Matthiolus erwähnen außerdem die Anwendung als Brustumschlag bei Milchstau und als 'erweichendes Pflaster'. Eine pharmakologische Wirksamkeitsbasis für diese Anwendungen ist nicht belegt; die Saponin-haltige Pflanze kann auf empfindlicher Haut sogar Rötungen auslösen. Heutige Verwendung: ausschließlich medizinhistorisch — keine Anwendung empfehlenswert.

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  • RohGanze PflanzeÄußerlichVolksmedizin

    Ökologie und Garten-Indikator: Das Einjährige Bingelkraut ist ein typisches Stickstoff- und Hackfruchtunkraut auf lockeren, nährstoffreichen Böden (Gärten, Äcker, Weinberge, Schuttplätze). Es zeigt frischen, basisch bis neutral reagierenden, gut gedüngten Boden mit Mull- oder Mullmoder-Humusform an (Zeigerwert nach Ellenberg N=8, R=7). Für Hobbygärtner ist es ein nützlicher Indikator für gut versorgte Beete; gleichzeitig konkurriert es als Frühjahrskeimer kräftig mit Kulturgemüse. Mechanisches Jäten vor der Samenreife ist die übliche Kontrollmethode — die windbestäubte, zweihäusige Art produziert große Mengen an leicht keimfähigem Samen.

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Verbreitung in Europa

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