© H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Commons
Andorn
VorsichtWhite Horehound · (Marrubium vulgare)
Lippenblütler (Lamiaceae)
Beschreibung
Der Gewöhnliche Andorn ist eine wollig behaarte, ausdauernde Staude mit graugrünen, runzeligen Blättern und kleinen weißen Lippenblüten, die in dichten Scheinquirlen um den vierkantigen Stängel sitzen. Er wächst auf trockenen Ruderalflächen und an Wegrändern und war in Deutschland Arzneipflanze des Jahres 2018. Geerntet wird das blühende Kraut. Sein ausgeprägt bitterer Geschmack stammt vom Diterpenlacton Marrubiin, dazu kommen Phenylpropanoide wie Acteosid sowie Flavonoide. Die EMA führt Andornkraut als traditionelles Mittel bei Erkältungshusten, die Kommission E bewertet es zusätzlich bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden positiv — die Bitterstoffe regen Speichel, Magensaft und Gallenfluss an. Wichtig zu wissen: Andorn ist eine wirksame Arzneipflanze und keine harmlose Tasse Kräutertee; in hohen Dosen wirkt Marrubiin auf den Herzrhythmus.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Andorn ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Marrubiin wirkt uterustonisierend und wurde historisch als Abortivum eingesetzt. Selbst geringe Mengen (Tee, Tinktur) meiden. Nur kulinarische Spuredosen in aromatischen Würzanwendungen sind historisch unproblematisch — therapeutische Anwendung streng verboten.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Andorn ist in der Stillzeit kontraindiziert. Marrubiin und bittere Phenylpropanoide gehen in die Muttermilch über und können beim Säugling Koliken, Verdauungsunruhe oder Durchfall verursachen. Therapeutische Dosen meiden. Kulinarische Mengen (frische Blätter als Würze) sind in der Stillzeit ebenfalls vorsichtshalber zu meiden.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Laut EMA-Monographie nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren geeignet — keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten. Herzrhythmuspotenzial von Marrubiin macht selbst niedrige Dosen bei Kindern riskant. Ausnahme: kulinarische Spurdosen in Andorn-Bonbons (traditionell angelsächsisch) in haushaltsüblichen Mengen.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Antiarrhythmika (Amiodaron, Sotalol, Flecainid, Klasse-I- und III-Antiarrhythmika)
Traditioneller Andornkräutertee als Expektorans bei Erkältungshusten und Reizhusten sowie als Bittermittel bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden — Hauptindikation der EMA-Monographie.
Anleitung & Dosierung
AUFGUSS (EMA Traditional Use): 1,5–2,5 g getrocknetes, zerkleinertes Andornkraut (Herba Marrubii) mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Tagesdosis 4,5–7,5 g Droge (3 Einzelgaben). Warm, mäßig gesüßt mit Honig trinken. Indikation (EMA Traditional Use): Linderung von Husten bei Erkältungen und Reizhusten, Schleimlösung (Expektorans) sowie Unterstützung bei dyspeptischen Beschwerden und vorübergehendem Appetitmangel. Wirkungsweise: Marrubiin (Bitterlacton) stimuliert reflektorisch die Bronchialsekretbildung (sekretomotorisch) und reizt die Magenschleimhaut zur Gallensäuresekretion (choleretisch). Anwendungsdauer ohne ärztlichen Rat max. 4 Wochen. Bei Husten mit Fieber, eitrigem Auswurf, Atemnot oder anhaltenden Beschwerden über 1 Woche Arzt aufsuchen.
- Trockenmenge
- 1.5–2.5 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Laut EMA nur für Erwachsene und Jugendliche ab 18 Jahren — keine ausreichenden Daten für Kinder unter 18.
Alkoholische Andorntinktur als Alternative zum Tee — praktisch vor Mahlzeiten als Bittermittel und Expektorans bei Erkältungshusten.
Anleitung & Dosierung
TINKTUR (Droge-Auszug-Verhältnis 1:5, Auszugsmittel Ethanol 25–45 %): 1–2 ml (~20–40 Tropfen) in etwas Wasser verdünnt 3× täglich, vorzugsweise vor den Mahlzeiten (für die bittervermittelte Wirkung auf Galle und Verdauung). Tagesdosis entspricht ca. 4,5–7,5 g Droge. Traditionelle Anwendung wie Tee — Expektorans und Bittermittel. Ethanolgehalt beachten: nicht geeignet bei Alkoholabhängigkeit, schwerer Lebererkrankung, Epilepsie. Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit.
- Flüssigkeit
- 1–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Nur für Erwachsene ab 18 Jahren wegen Ethanolgehalt und fehlender Kinderdaten.
Bitterstofftee aus Andornkraut zur Anregung der Verdauung, Gallenproduktion und Gallenfluss — Kommission-E-positiv-Bewertung für Appetitlosigkeit und Dyspepsie.
Anleitung & Dosierung
BITTERMITTEL-TEE (Kommission-E-Indikation): 2–4 g getrocknetes Andornkraut mit 250 ml kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Ungesüßt oder minimal gesüßt vor den Mahlzeiten trinken — Bitterstoffe wirken am stärksten, wenn sie die Geschmacksrezeptoren ungehindert erreichen. 3× täglich vor den Mahlzeiten. Tagesdosis 6–12 g Droge gemäß Kommission E. Indikation: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden, Gallen- und Leberstoffwechselanregung (Cholagogum, Choleretikum). Marrubiin und seine Abbauprodukte (Marrubiinsäure) stimulieren hepatisch die Gallensekretion messbar.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Volksheilkundliche Anwendung als Bitterbitter-Tonikum und alternativ-entschlackendes Mittel bei rheumatischen Beschwerden — ohne klinische Belege, nur historisch dokumentiert.
Anleitung & Dosierung
ANDORN-BITTERMITTEL-TINKTUR (Volksheilkunde): 1–1,5 ml (~20–30 Tropfen) Andorntinktur in Wasser 2× täglich. Volksheilkundlich wurde Andorn auch als blutreigendes (alteratives) Mittel zur Entschlackung und bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Klinische Belege fehlen für diese Indikation. NICHT mit herzwirksamen Medikamenten kombinieren (potenzielle Herzrhythmuswirkung von Marrubiin in hohen Dosen). Nur für Erwachsene.
- Flüssigkeit
- 1–1.5 ml
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 6 Wochen
Volksmedizinischer Andorn-Gurgeltee bei Halsschmerzen, Heiserkeit und Rachenentzündung — adstringierende Gerbstoffe wirken lokal beruhigend.
Anleitung & Dosierung
GURGELTEE: 2–3 g Andornkraut mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen, auf handwarm abkühlen. Mehrmals täglich (3–4×) damit 30–60 Sekunden gurgeln — nicht schlucken. Volksheilkundlich bei Halsschmerzen, Heiserkeit und Rachenentzündung. Adstringierende Gerbstoffe und antimikrobielle Lamiaceengerbstoffe wirken lokal beruhigend auf die Rachenschleimhaut. Begleitend zum Kräutertee einsetzbar.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Kulinarische Nutzung junger Andornblätter als intensiver Bitterwürzstoff in Digestifs, Kräuterlikören und traditionellen Andorn-Bonbons (angelsächsische Volksküche).
Anleitung & Dosierung
KULINARIK & LIKÖR: Junge, frische Andornblätter in sehr kleinen Mengen als aromatisch-bitterer Würzzusatz in Kräuteressig, Kräuterbutter oder herzhaften Speisen. Andorn ist Bestandteil traditioneller Kräuterliköre und Digestifs (z. B. historischer Marrubium-Bitters). Für Andorn-Bonbons (Horehound candy — traditionell angelsächsisch): frischen Pflanzenextrakt mit Zucker einkochen. Sehr intensiv bitter — sparsam verwenden. Kulinarische Dosen (wenige Gramm frisches Kraut täglich) gelten als unbedenklich.
Historisch-volksmedizinischer Andorntee bei fieberhaften Erkältungen als schweißtreibendes Mittel — in-vitro-Belege für Entzündungshemmung, klinische Daten fehlen.
Anleitung & Dosierung
FIEBERTEE (historisch-volksheilkundlich): 1,5–2 g Andornkraut mit 200 ml heißem Wasser übergießen, 8 Minuten ziehen lassen, abseihen, warm trinken. 3× täglich bei fieberhaften Erkältungen. Historisch wurde Andorn als schweißtreibendes (diaphoretisches) und fiebersenkendes (antipyretisches) Mittel eingesetzt. Klinische Belege für diese Wirkungen liegen nicht vor; mäßige Entzündungshemmung durch Phenylpropanoide und Flavonoide in-vitro dokumentiert. Bei Fieber über 39 °C, starker Beeinträchtigung oder Fieber über 3 Tage: Arzt aufsuchen.
- Trockenmenge
- 1.5–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
WICHTIG: Andorn (Marrubium vulgare) ist eine wirksame Arzneipflanze — keine harmlose Tasse Kräutertee. Marrubiin besitzt in hohen Dosen nachgewiesene antiarrhythmische und potenzielle herzrhythmusstörende Eigenschaften (Tiermodelle: proarrhythmisch bei Überdosierung). NIEMALS bei bestehenden Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder Einnahme herzwirksamer Medikamente ohne ärztliche Absprache anwenden. Andorn ist uterustonisierend — ABSOLUT KONTRAINDIZIERT in der Schwangerschaft (Abortivum in der Volkstradition). In der Stillzeit meiden: bittere Inhaltsstoffe gehen in die Muttermilch über und können beim Säugling Verdauungsprobleme verursachen. Nicht für Kinder unter 18 Jahren laut EMA (keine ausreichenden Sicherheitsdaten). Maximale Anwendungsdauer 4 Wochen ohne ärztlichen Rat. Persistierender Husten über 1 Woche, Husten mit Fieber, eitrigem Auswurf oder Atemnot müssen ärztlich abgeklärt werden.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Andorn ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Marrubiin wirkt uterustonisierend und wurde historisch als Abortivum eingesetzt. Selbst geringe Mengen (Tee, Tinktur) meiden. Nur kulinarische Spuredosen in aromatischen Würzanwendungen sind historisch unproblematisch — therapeutische Anwendung streng verboten.
Andorn ist in der Stillzeit kontraindiziert. Marrubiin und bittere Phenylpropanoide gehen in die Muttermilch über und können beim Säugling Koliken, Verdauungsunruhe oder Durchfall verursachen. Therapeutische Dosen meiden. Kulinarische Mengen (frische Blätter als Würze) sind in der Stillzeit ebenfalls vorsichtshalber zu meiden.
Laut EMA-Monographie nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren geeignet — keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten. Herzrhythmuspotenzial von Marrubiin macht selbst niedrige Dosen bei Kindern riskant. Ausnahme: kulinarische Spurdosen in Andorn-Bonbons (traditionell angelsächsisch) in haushaltsüblichen Mengen.
Wechselwirkungen
Antiarrhythmika (Amiodaron, Sotalol, Flecainid, Klasse-I- und III-Antiarrhythmika)
Marrubiin besitzt nachgewiesene antiarrhythmische Eigenschaften (Verlängerung der Aktionspotenzial-Dauer, Blockade von Natriumkanälen im Tiermodell). Additive oder antagonistische Wechselwirkungen mit Antiarrhythmika sind theoretisch möglich. Bei hohen Dosen proarrhythmisches Potenzial (Tiermodell). Kombination streng meiden oder nur unter kardiologischer Kontrolle mit EKG.
Antidiabetika (Insulin, Sulfonylharnstoffe, Metformin, GLP-1-Agonisten)
In-vitro- und Tierstudien zeigen potenzielle blutglucosesenkende Eigenschaften von Marrubium-Extrakten (Hemmung intestinaler Glucoseresorption und mögliche Insulinsensitivierung). Bei gleichzeitiger Einnahme blutglucosesenkender Medikamente additiv verstärkte Hypoglykämie-Gefahr möglich. Blutzucker häufiger kontrollieren.
Antihypertensiva (ACE-Hemmer, Betablocker, Calciumantagonisten, Diuretika)
Marrubium-Extrakte zeigen in Tierstudien mild blutdrucksenkende Wirkung (vasodilatorisch über Calciumkanalblockade). Additive Wirkung mit Antihypertensiva möglich — erhöhtes Risiko einer Hypotonie, besonders bei älteren Patienten. Blutdruck regelmäßig überwachen.
Gerinnungshemmer / Antikoagulantien (Warfarin, Phenprocoumon, NOAK)
Andorn enthält Flavonoide mit potenzieller antiplateletärer Aktivität (in-vitro). Theoretisch additiv blutungsfördernd bei Kombination mit Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregationshemmern. Klinische Relevanz nicht belegt, aber Vorsicht bei instabilem INR empfohlen.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft — uterustonisierende und historisch abortive Wirkung von Marrubiin.
- Stillzeit — Übertritt von Marrubiin und Bitterstoffen in die Muttermilch mit möglicher Säuglingswirkung.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (therapeutische Dosen) — laut EMA keine ausreichenden Sicherheitsdaten.
- Bekannte Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder Einnahme herzwirksamer Arzneimittel — Marrubiin kann antiarrhythmische und bei Überdosierung proarrhythmische Effekte haben.
- Überempfindlichkeit gegen Andorn oder andere Lippenblütler (Lamiaceae).
- Schwere Leber- oder Gallenerkrankungen (Gallenkoliken, Gallenwegsverschluss) — choleretische Wirkung kontraindiziert bei Gallenwegsobstruktion.
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- An einem trockenen, sonnigen Vormittag (9–11 Uhr), sobald der Morgentau vollständig abgetrocknet ist. Zu diesem Zeitpunkt sind ätherische Öle und Bitterstoffe (Marrubiin/Premarrubiin) am höchsten konzentriert — spätere Tagesernte ist nach Hitzemaximum suboptimal.
- Trocknung:
- Die oberen Triebspitzen mit blühenden Quirlen und jungen Blättern abschneiden (ca. die obere Hälfte der Pflanze — max. die obersten 20–30 cm), damit die Staude nachwächst. Blühende und vorblühende Triebe bevorzugen — im Vollblüte-Stadium ist der Marrubiin-Gehalt am höchsten. Kräuter in kleinen Bündeln locker zusammenbinden und kopfüber an einem schattigen, gut belüfteten Ort bei 25–35 °C aufhängen. Alternativ einlagig auf Trockensieben ausbreiten. Trockenzeit: 1–2 Wochen, bis die Blätter rascheln und trocken brechen. Zu hoch erhitzen (über 40 °C) vermeiden — Marrubiin ist relativ thermolabil. Vollständig getrocknetes Kraut (< 10 % Restfeuchte) von den Stielen streifen, grob zerkleinern und luftdicht in dunklen Behältern lagern.
- Lagerung:
- 12 Monate — Luftdicht in dunklen Glas- oder Blechdosen, kühl und trocken (max. 15–20 °C), geschützt vor Licht. Innerhalb 12 Monate aufbrauchen — Marrubiin-Gehalt nimmt danach deutlich ab. Bei brauner Verfärbung oder Verlust des bitteren Geruchs ist die Droge unbrauchbar.
- Tageszeit:
- Morgens (9–11 Uhr) nach Tauabtrocknung. Junge Blätter vor Vollblüte ernten — dann höchste Phenylpropanoid- und Schleimstoffgehalte bei noch mildem Bittergehalt. Optimal für kulinarische Nutzung (Würze, Bonbons) oder Frischpflanzen-Tinkturen.
- Trocknung:
- Gesunde junge Blätter (ohne beschädigte oder durch Insekten befressene) einzeln oder in lockerem Lagen auf Trockensieben im Schatten bei max. 35 °C trocknen. Gute Belüftung ist kritisch — Schimmelgefahr bei zu dicker Lage. Trockenzeit ca. 5–10 Tage. Getrocknet rascheln die Blätter und sind pergamentartig-spröde. Für Frischpflanzen-Tinktur die gerade geernteten Blätter sofort in Alkohol (45–65 %) einlegen (DER ca. 1:2 frisch, 1:5 getrocknet).
- Lagerung:
- 8 Monate — Luftdicht, dunkel, trocken und kühl. Junge Blätter verlieren ihr aromatisches Profil schneller als die Stängel — innerhalb 8 Monate aufbrauchen.
- MarrubiinBitterstoffAnteil: 0.3-1.0 %Krautige Teile
Leitsubstanz des Andorns — ein furanisches Diterpenbitterlacton (Labdan-Typ). Marrubiin selbst ist ein Artefakt: In der frischen Pflanze liegt das Vorläufermolekül Premarrubiin vor, das beim Trocknen und Extrahieren spontan zu Marrubiin cyclisiert. Hauptverantwortlich für Expektorans- (sekretomotorische Reflexstimulation) und Bittertonikum-Wirkung (Gallensäure- und Verdauungssekretionsstimulation). In-vitro antiarrhythmische und calciumantagonistische Aktivität. Standardisierungsziel für Qualitätskontrolle gemäß Ph.Eur. und EMA.
- PremarrubiinBitterstoffAnteil: 0.5-1.5 %Krautige Teile
Natürliche Vorstufe des Marrubiin in der frischen Pflanze. Furanlacton des Labdan-Diterpen-Typs. Wandelt sich beim Trocknen durch Säure-katalysierte Cyclisierung spontan zu Marrubiin um. Höherer Gehalt im frischen Kraut als im getrockneten. Mitverantwortlich für den intensiv bitteren Geschmack des frischen Krautes.
- Phenylpropanoide (Acteoside / Verbascoside, Forsythoside B)PhenolsäureAnteil: 0.5-2.5 %Krautige Teile
Phenylethanolglykoside, weit verbreitet in der Lamiaceae-Familie. Acteoside (= Verbascoside) ist die dominierende Fraktion — antioxidativ, entzündungshemmend (Hemmung von COX-1/COX-2 in vitro) und antimikrobiell. Tragen zu den immunologischen und antiviralen Eigenschaften des Andorns in der Volksmedizin bei.
- Flavonoide (Luteolin-7-glucosid, Apigenin, Quercetin, Rutin)FlavonoidAnteil: 0.5-1.5 %Krautige Teile
Flavone und Flavonolglykoside mit antioxidativer, mild spasmolytischer und entzündungshemmender Aktivität. Luteolin-Derivate tragen zur Bronchial-relaxierenden Wirkung bei (in vitro: Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur). Ergänzen die Expektorans-Wirkung des Marrubiin.
- Ätherisches Öl (Limonen, beta-Pinen, Camphen, Sabinen, cis-Sabinhydrat)Ätherisches ÖlAnteil: 0.05-0.3 %Krautige Teile
Monoterpenreicher Anteil des ätherischen Öls mit mild antiseptischen und expektorierenden Eigenschaften. Geringe Konzentration erklärt den aromatisch-würzigen, leicht kampherhaltigen Duft des Krautes. Hauptkomponenten variieren je nach Herkunft und Erntezeitpunkt stark. Zum Teil mitverantwortlich für die lokal beruhigende Wirkung auf die Atemwegschleimhaut.
- Gerbstoffe / Lamiaceengerbstoffe (Rosmarinsäure, Chlorogensäure)GerbstoffAnteil: 2.0-4.0 %Krautige Teile
Rosmarinsäure ist das quantitativ dominierende Phenylpropanoid neben den Phenylethanolglykosiden. Stark antioxidativ, antimikrobiell und entzündungshemmend. Adstringierende Wirkung auf Schleimhäute erklärt den Einsatz als Gurgelwasser. Chlorogensäure mit milder choleretischer Eigenwirkung ergänzt die Marrubiin-vermittelte Gallestimulation.
- Alkaloide (Betonicin, Stachydrin — Betaintyp)AlkaloidAnteil: 0.1-0.3 %Krautige Teile
Quarternäre Ammoniumalkaloide vom Betaintyp, charakteristisch für die Lamiaceae. Betonicin (= L-Betonicin) und das Stereoisomer Stachydrin. Pharmakologisch in diesen Konzentrationen beim Menschen wenig relevant. Betonicin zeigt in Tierstudien schwach uterusstimulierend Aktivität, was die traditionelle Kontraindikation in der Schwangerschaft biochemisch mitbegründet.
- Schleimstoffe / PolysaccharideSchleimstoffAnteil: 5.0-8.0 %Krautige Teile
Schleimstoffe und saure Polysaccharide aus Uronsäuren tragen zur schleimhautschützenden (demulzierenden) Eigenschaft des Andorntees bei. Reizmildernd auf die Bronchial- und Rachenschleimhaut — ergänzt die schleimlösende Wirkung des Marrubiin um eine direkte lokale Schutzwirkung. Erklären, warum Andorntee als Hustentee etwas weniger scharf als z. B. reiner Thymiantee wirkt.
- [1]MonographieEMA/HMPC/613545/2010 — European Union herbal monograph on Marrubium vulgare L., herba (Final, 2012)(abgerufen: 2026-05-21)
- [2]MonographieKommission E — Marrubii herba (Andornkraut), Monographie (positiv), BAnz Nr. 43 vom 02.03.1989(abgerufen: 2026-05-21)
- [3]MonographieESCOP Monographs — Marrubii herba (White Horehound Herb), 2nd edition 2003 with supplement(abgerufen: 2026-05-21)
- [4]MonographieWHO Monographs on Selected Medicinal Plants — Volume 3: Herba Marrubii(abgerufen: 2026-05-21)
- [7]MonographiePlants For A Future (PFAF) — Marrubium vulgare database entry(abgerufen: 2026-05-21)
- [5]BuchWichtl, M. (Hrsg.) — Teedrogen und Phytopharmaka, 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2009: Marrubii herba — Andornkraut(abgerufen: 2026-05-21)
- [6]BuchMadaus, Gerhard — Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band III: Marrubium vulgare — Andorn, 1938 (Public Domain)(abgerufen: 2026-05-21)
- [8]WikipediaGewöhnlicher Andorn (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-21)
- [9]WikipediaMarrubium vulgare — White Horehound (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-21)
Klassische Zitate
"Der Andorn ist eines der ältesten und bewährtesten Mittel bei Erkrankungen der Atmungswege."