© Walther Otto Müller, Köhler's Medizinal-Pflanzen (1887), plate 088 · Public domain · Commons
Lein
Flax · (Linum usitatissimum)
Leingewächse (Linaceae)
Beschreibung
Lein, auch Flachs genannt, gehört zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt und wurde jahrtausendelang zugleich für Faser und Samen angebaut. Der schlanke, aufrechte Stängel trägt schmale, lanzettliche Blätter und zarte, meist himmelblaue Blüten mit fünf Blütenblättern, die jeweils nur einen Tag halten. Aus ihnen entstehen kugelige Kapseln mit den glänzenden, flach-ovalen Samen in Braun oder Goldgelb. Arzneilich verwendet wird der reife, getrocknete Samen. Er ist reich an Schleimstoffen, an fettem Öl mit hohem Anteil an Alpha-Linolensäure und an Ballaststoffen. Ganz oder frisch geschrotet mit reichlich Flüssigkeit eingenommen, quillt er im Darm auf und bringt eine träge Verdauung in Gang — entscheidend ist dabei, genug dazu zu trinken. Als warmer Breiumschlag wurden Leinsamen früher auf entzündete Hautstellen und Furunkel gelegt.
Pflanzliches Quellmittel bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung — klinisch gut belegt.
Anleitung & Dosierung
QUELLMITTEL (Verstopfung): 10–15 g ganze oder angestoßene Samen je Einzeldosis, zwei- bis dreimal täglich, jeweils mit mindestens 150 ml Wasser, Milch oder Saft einnehmen und über den Tag reichlich trinken. Wirkungseintritt nach 12–24 Stunden, volle Wirkung manchmal erst nach 2–3 Tagen. WICHTIG: niemals ohne ausreichend Flüssigkeit einnehmen (Erstickungs- und Darmverschlussgefahr) und nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen. Mindestens ½ bis 1 Stunde Abstand zur Einnahme anderer Medikamente halten (der Schleim kann deren Aufnahme verzögern). Bessert sich die Verstopfung nicht binnen 3 Tagen, einen Arzt oder Apotheker fragen.
- Trockenmenge
- 10–15 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Mangels Daten nicht für Kinder unter 12 Jahren.
Quellen: [1]
Reizlinderndes Leinsamen-Gel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden (traditionell).
Anleitung & Dosierung
SCHLEIMZUBEREITUNG (leichte Magen-Darm-Beschwerden): 5–10 g ganze oder gebrochene Samen in 250 ml Wasser quellen lassen, bis zu dreimal täglich etwa eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen; die Quellung muss zum Zeitpunkt der Einnahme abgeschlossen sein. Reizlinderndes (demulzierendes) Hausmittel. Halten die Beschwerden länger als 1 Woche an, ärztlichen Rat einholen.
- Trockenmenge
- 5–10 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 12 Jahre — Mangels Daten nicht für Kinder unter 12 Jahren.
Quellen: [1]
WICHTIG: Leinsamen immer mit reichlich Flüssigkeit einnehmen — ohne ausreichend Wasser können die Samen aufquellen und Hals oder Speiseröhre verlegen (Erstickungsgefahr) bzw. einen Darmverschluss verursachen. Bei Brustschmerz, Erbrechen oder Schluck- bzw. Atembeschwerden nach der Einnahme sofort einen Arzt aufsuchen. NICHT anwenden bei Verengungen im Magen-Darm-Trakt, Speiseröhren- oder Magenerkrankungen, bestehendem Darmverschluss (Ileus), Darmlähmung oder Megakolon. Mindestens ½ bis 1 Stunde Abstand zu anderen Medikamenten halten. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren mangels ausreichender Daten nicht empfohlen; mögliche östrogenartige Wirkung — bei hormonabhängigen Tumoren keine Daueranwendung. Geschrotete Samen rasch verbrauchen (das Öl wird schnell ranzig).
Mögliche östrogenartige Wirkung; Sicherheit nicht belegt — in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
Keine ausreichenden Daten — in der Stillzeit nicht empfohlen.
Mangels Daten nicht für Kinder unter 12 Jahren.
Wechselwirkungen
Andere Arzneimittel (allgemein)
Als Quellmittel kann Leinsamen die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Medikamente verzögern — daher mindestens ½ bis 1 Stunde Abstand halten.
Peristaltikhemmende Mittel (z. B. Opioide, Loperamid)
Bei gleichzeitiger Anwendung steigt das Risiko eines Darmverschlusses — nur unter ärztlicher Aufsicht.
Kontraindikationen
- Bestehender Darmverschluss (Ileus), Darmlähmung, Megakolon oder Verengungen im Magen-Darm-Trakt.
- Erkrankungen der Speiseröhre oder des Magens, Schluckbeschwerden.
- Überempfindlichkeit gegen Leinsamen.
Erntet wird: Reifer Same
- Tageszeit:
- Bei trockener Witterung, wenn die Kapseln reif und braun sind.
- Trocknung:
- Reife Kapseln ernten, nachtrocknen, Samen ausdreschen und an einem luftigen, schattigen Ort vollständig trocknen lassen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Ganze Samen trocken, kühl und lichtgeschützt in luftdichten Behältern; geschrotete Samen rasch verbrauchen (Öl oxidiert).
- Schleimstoffe (Polysaccharide)SchleimstoffAnteil: 3–6 %Samen
Quellen mit Wasser zu einem Gel; tragen die abführende und reizlindernde Wirkung (laut EMA-Monographie).
- Fettes Öl mit Alpha-Linolensäure (ALA)Ätherisches ÖlAnteil: 30–45 %Samen
Fettes (nicht ätherisches) Öl, sehr reich an der Omega-3-Fettsäure ALA.
- Lignane (Secoisolariciresinol-Diglucosid, SDG)PhenolsäureSamen
Im Darm zu Enterodiol/Enterolacton umgewandelt; phytoöstrogene Eigenschaften.
- Cyanogene Glykoside (Linustatin, Linamarin)GlykosidSamen
Können Blausäure freisetzen; daher Maßhalten und Erhitzen empfohlen. In üblichen Mengen unbedenklich.
- BallaststoffePolysaccharidAnteil: 4–7 %Samen
Nahrungsfasern; zusammen mit dem Schleim ergeben die Samen knapp 25 % Quellstoffe.
- ProteinSonstigeAnteil: 20–25 %Samen
Hoher Eiweißgehalt des Samens.
- [1]MonographieEuropean Union herbal monograph on Linum usitatissimum L., semen (EMA/HMPC/377675/2014)(abgerufen: 2026-06-10)
- [3]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Linum usitatissimum L.: sehr stark giftig +++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [2]WikipediaSaat-Lein — Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-06-10)
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