© Drew Avery · CC BY 2.0 · Commons
Ritterstern
Giftig🐾Hippeastrum · (Hippeastrum vittatum)
Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Beschreibung
Der Ritterstern ist die klassische Winter-Amaryllis des Wohnzimmers: Aus einer dicken, im Sommer geernteten und getrockneten Zwiebel treibt zwischen Dezember und Februar ein kräftiger, hohler Schaft, an dessen Spitze sich zwei bis sechs große, sternförmig gespreizte Blüten öffnen — meist rot mit weißen Streifen. Seit dem späten 19. Jahrhundert ziehen niederländische und brasilianische Betriebe die Zwiebeln über zwei bis drei Jahre heran und liefern sie im Herbst nach Europa. Der deutsche Name spielt auf die sternförmige Blüte an und ist vermutlich eine Übertragung des lateinischen Hippeastrum, sinngemäß Reiterstern. Medizinisch wird die Pflanze nicht verwendet. Alle Teile, besonders die Zwiebel, enthalten Amaryllidaceae-Alkaloide — vor allem Lycorin — sowie nadelförmige Calciumoxalat-Kristalle. Bei Floristen und Zwiebelsortierern sind dadurch Hautentzündungen beschrieben; verschluckte Zwiebelteile lösen Übelkeit und Erbrechen aus. Für Haushalte mit Kindern und Haustieren ist die Pflanze deshalb nur außer Reichweite geeignet.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
Die klassische Vergiftung erfolgt — analog zur Narzisse — durch versehentliche Verwechslung der trockenen Zwiebel mit Speisezwiebel oder Schalotte, besonders nach Weihnachts-Geschenken, wenn die abgeblühten Zwiebeln in Küchen und Vorratsräume gelangen.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Lycorin und weitere Amaryllidaceae-Alkaloide hemmen die ribosomale Proteinbiosynthese und sind in vitro embryotoxisch sowie in Tierstudien teratogen. Jede orale oder hochdosierte topische Anwendung von Hippeastrum-Material in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Auch der Hautkontakt mit dem Pflanzensaft sollte in der Schwangerschaft konsequent durch Handschuhe vermieden werden, da systemische Resorption über sensibilisierte oder geschädigte Haut nicht ausgeschlossen werden kann.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Der Übergang der Amaryllidaceae-Alkaloide in die Muttermilch ist nicht ausreichend untersucht; angesichts der akuten Toxizität (Erbrechen, Krampfanfälle) für den Säugling ist jede innere Anwendung streng kontraindiziert. Bei reiner Zimmer- und Geschenkpflanzen-Nutzung besteht für stillende Mütter keine Gefährdung, sofern Hautkontakt mit dem Pflanzensaft konsequent vermieden wird.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder vergiften sich klassisch durch Anbeissen der grossen, attraktiven Zwiebel — als Weihnachts-Geschenkpflanze ist Hippeastrum vittatum in Wohnungen mit Kleinkindern besonders riskant. Schon ein Stück Zwiebelschuppe kann starke Brechattacken und Dehydratation auslösen. Die Pflanze sollte ausserhalb der Reichweite kletternder Kinder aufgestellt werden; nach dem Abblühen die Zwiebel im verschlossenen Behälter (klar als 'Ritterstern — giftig' beschriftet) lagern. Bei versehentlicher Aufnahme: Giftnotruf, kein selbstinduziertes Erbrechen, schnellstmögliche ärztliche Vorstellung. Keinerlei Eigenanwendung bei Kindern.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin, Pyridostigmin)
Der Ritterstern (Hippeastrum vittatum) ist die klassische 'Winter-Amaryllis' des mitteleuropäischen Wohnzimmers — als Weihnachts- und Adventsgeschenkpflanze hat sich die getriebene Zwiebel seit dem späten 19. Jahrhundert in der niederländischen und deutschen Floristik etabliert. Zwischen Dezember und Februar treibt eine grosse, getrocknete Zwiebel innerhalb von vier bis sechs Wochen einen blattlosen Blütenschaft mit zwei bis sechs trichterförmigen, rot-weiss gestreiften Blüten von 12 bis 18 Zentimetern Durchmesser. Wichtig zur Klarstellung: Im Volksmund wird die Pflanze fast immer 'Amaryllis' genannt, gehört botanisch jedoch zur Gattung Hippeastrum (ca. 80 südamerikanische Arten, Indoor-Treibkultur). Die echte botanische Gattung Amaryllis umfasst nur eine einzige Art, Amaryllis belladonna aus dem südafrikanischen Kapland, die im Spätsommer im Freien blüht. Beide Gattungen wurden im 19. Jahrhundert oft verwechselt; die taxonomische Trennung wurde erst 1987 durch die Internationale Vereinigung für Pflanzentaxonomie endgültig geklärt.
Industrielle Schnittblumenproduktion: Niederländische und brasilianische Spezialbetriebe ziehen Hippeastrum-Zwiebeln über zwei bis drei Jahre in Freiland- oder Tunnelkultur, ernten und trocknen sie im Sommer und liefern getrocknete Zwiebeln (Kaliber 26 bis 36 Zentimeter Umfang) im Herbst in den europäischen Handel. Parallel werden geschnittene Blütenschäfte mit Knospen in der Vorweihnachts- und Hochzeitssaison gehandelt; sie sind mit zwei bis drei Wochen Vasenstandzeit eine der haltbarsten Schnittblumen. Wichtige Zuchtbetriebe sitzen in den Niederlanden (Hillegom, Lisse) und in den brasilianischen Staaten São Paulo und Rio Grande do Sul. Wegen der erheblichen Sammlerwerte sind seltene Hippeastrum-Wildarten in Brasilien gefährdet und werden über CITES Anhang II reguliert (Schutzstatus für Wildherkünfte, nicht für die kultivierte Geschenkpflanze H. vittatum).
Namensgebung und Symbolik: Der deutsche Trivialname 'Ritterstern' bezieht sich auf die sternförmig spreizende Blütenform und das ritterlich-rote, weiss durchstreifte Tepalenmuster — vermutlich eine Übersetzung der lateinischen Gattungsbezeichnung Hippeastrum ('Reiterstern', von griechisch hippeus = Reiter und astron = Stern), eingeführt von dem englischen Pflanzenliebhaber William Herbert 1837. Der Trivialname 'Amaryllis' geht auf die gleichnamige Hirtin Amaryllis aus den Eklogen Vergils (Hirtengedichte, 1. Jhdt. v. Chr.) zurück und wurde von Linné 1753 zunächst für die gesamte Gruppe vergeben, später aber auf die südafrikanische Amaryllis belladonna eingeschränkt. Die rein kulturelle und sprachgeschichtliche Bedeutung — Verwendung als Geschenk- und Weihnachtssymbol, Hochzeitsblume, Symbol der Standhaftigkeit in der viktorianischen Blumensprache — überwiegt jeden medizinischen Bezug bei weitem.
Süd-amerikanische Ethnobotanik: Indigene Andenvölker (Quechua, Aymara) sowie Stämme im brasilianischen Amazonas-Hochland nutzten verschiedene Hippeastrum-Verwandte historisch als Bestandteil pflanzlicher Pfeil- und Speergifte. Die Zwiebeln wurden zerstossen, fermentiert und auf Pfeilspitzen aufgetragen — die enthaltenen Amaryllidaceae-Alkaloide (vor allem Lycorin) wirken zentral lähmend und unterstützen den Jagderfolg auf Kleinwild. Es gibt KEINE belegte indigene Heilanwendung von Hippeastrum-Zwiebeln — der ethnobotanische Bezug ist rein toxikologisch-jagdtechnisch. Dieser Eintrag ist rein dokumentarisch; aufgrund der akuten Toxizität (siehe Sicherheitshinweise) und der Gefahr für moderne Anwender wird ausdrücklich vor jeder Imitation gewarnt. Die kulturelle Bedeutung ist mit dem Erlöschen traditioneller Jagdpraktiken weitgehend verloren gegangen.
Toxizitäts-Warnhinweis — keine Heilanwendung: Der frische Pflanzensaft enthält Amaryllidaceae-Alkaloide und Calciumoxalat-Raphiden, die bei wiederholtem Hautkontakt (typischerweise bei Floristen, Gärtnern und Zwiebel-Sortierern in den Niederlanden) eine irritative bis allergische Kontaktdermatitis auslösen — die sogenannte 'Amaryllis-Dermatitis' oder 'Hippeastrum-Hand'. Symptome: Rötung, Juckreiz, kleine Bläschen an Händen und Unterarmen innerhalb von Stunden bis Tagen nach Exposition; bei sensibilisierten Personen auch akute Quaddel-Reaktionen. Vorbeugung: Nitril- oder Lederhandschuhe beim Umtopfen, Schneiden und beim Entfernen verblühter Blütenschäfte. Dies ist explizit eine ethnobotanische bzw. arbeitsmedizinische Warnung, keine therapeutische Indikation.
⚠ Nur äußerlich anwenden
GIFTIG — ALLE PFLANZENTEILE, BESONDERS DIE ZWIEBEL. Hippeastrum vittatum enthält die typischen Amaryllidaceae-Alkaloide (Lycorin als Hauptkomponente, dazu Hippeastrin, Vittatin, Tazettin, in Spuren Pancratistatin und Galantamin) sowie Calciumoxalat-Raphiden. Die klassische Vergiftung erfolgt — analog zur Narzisse — durch versehentliche Verwechslung der trockenen Zwiebel mit Speisezwiebel oder Schalotte, besonders nach Weihnachts-Geschenken, wenn die abgeblühten Zwiebeln in Küchen und Vorratsräume gelangen. Symptome (oral): innerhalb 15 bis 90 Minuten Übelkeit, starkes Erbrechen, Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, Speichelfluss, Schwitzen, Schwindel, Kreislaufstörungen; bei grösseren Mengen Tremor, Krampfanfälle, Tachykardie, in schweren Fällen Atemlähmung. Dermal: Floristen-Ekzem, Kontaktdermatitis durch wiederholten Saftkontakt. Haustiere — besonders Katzen — sind sehr empfindlich; eine einzige zerkaute Zwiebelschuppe kann bei der Katze Erbrechen, Tremor und epileptiforme Krampfanfälle auslösen (häufige Notfallvorstellung bei Tierärzten zwischen Dezember und Februar). Bei Verdacht auf orale Vergiftung: Giftnotruf (Deutschland: regionale Giftinformationszentralen, Österreich: VIZ, Schweiz: Tox Info Suisse), reichlich Wasser, KEIN Salzwasser zur Brechauslösung. Kinder und Haustiere unverzüglich ärztlich bzw. tierärztlich vorstellen. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig. Die ASPCA stuft die ganze Gattung so ein.
Lycorin und weitere Amaryllidaceae-Alkaloide hemmen die ribosomale Proteinbiosynthese und sind in vitro embryotoxisch sowie in Tierstudien teratogen. Jede orale oder hochdosierte topische Anwendung von Hippeastrum-Material in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Auch der Hautkontakt mit dem Pflanzensaft sollte in der Schwangerschaft konsequent durch Handschuhe vermieden werden, da systemische Resorption über sensibilisierte oder geschädigte Haut nicht ausgeschlossen werden kann.
Der Übergang der Amaryllidaceae-Alkaloide in die Muttermilch ist nicht ausreichend untersucht; angesichts der akuten Toxizität (Erbrechen, Krampfanfälle) für den Säugling ist jede innere Anwendung streng kontraindiziert. Bei reiner Zimmer- und Geschenkpflanzen-Nutzung besteht für stillende Mütter keine Gefährdung, sofern Hautkontakt mit dem Pflanzensaft konsequent vermieden wird.
Kinder vergiften sich klassisch durch Anbeissen der grossen, attraktiven Zwiebel — als Weihnachts-Geschenkpflanze ist Hippeastrum vittatum in Wohnungen mit Kleinkindern besonders riskant. Schon ein Stück Zwiebelschuppe kann starke Brechattacken und Dehydratation auslösen. Die Pflanze sollte ausserhalb der Reichweite kletternder Kinder aufgestellt werden; nach dem Abblühen die Zwiebel im verschlossenen Behälter (klar als 'Ritterstern — giftig' beschriftet) lagern. Bei versehentlicher Aufnahme: Giftnotruf, kein selbstinduziertes Erbrechen, schnellstmögliche ärztliche Vorstellung. Keinerlei Eigenanwendung bei Kindern.
Wechselwirkungen
Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin, Pyridostigmin)
Hippeastrum-Zwiebeln enthalten geringe Mengen Galantamin sowie weitere Amaryllidaceae-Alkaloide mit cholinerger Wirkkomponente. Eine versehentliche Aufnahme von Pflanzenmaterial zusätzlich zu therapeutisch eingenommenen Cholinesterase-Hemmern kann additive cholinerge Effekte (Bradykardie, Bronchospasmus, Krampfanfälle, cholinerge Krise) auslösen — klinisch relevant nur bei Pflanzenmaterial-Vergiftung, theoretisch aber zwingend zu beachten.
Anticholinergika (Atropin, Scopolamin, Trizyklische Antidepressiva, Antihistaminika erster Generation)
Anticholinergika antagonisieren die durch Lycorin und Galantamin verstärkte cholinerge Übertragung — bei akuter Vergiftung mit Hippeastrum-Material wird Atropin in der Notfallmedizin gezielt als Antidot eingesetzt (analog zur Therapie von Cholinesterase-Hemmer-Vergiftungen). Bei vorbestehender anticholinerger Dauermedikation kann die typische Vergiftungssymptomatik abgeschwächt und damit verschleiert werden.
Zytostatika und Proteinbiosynthese-Hemmer
Lycorin und Narciclasin hemmen die ribosomale Proteinbiosynthese; bei gleichzeitiger Aufnahme von Hippeastrum-Material und onkologisch eingesetzten Zytostatika (insbesondere Topoisomerase- und Proteinbiosynthese-Inhibitoren) ist theoretisch eine additive Knochenmark- und Gastrointestinal-Toxizität denkbar. Praktisch relevant nur bei akzidenteller Vergiftung; nicht therapeutisch nutzbar.
Kontraindikationen
- Jede Form der oralen Selbstanwendung von Hippeastrum-Material — keine sichere Hausdosierung möglich, keine etablierte Heilanwendung; EMA-HMPC führt Hippeastrum nicht.
- Bekannte Amaryllidaceae-Allergie (Narzisse, Schneeglöckchen, Hippeastrum) — Kreuzsensibilisierung ist klinisch dokumentiert; jeden Hautkontakt mit dem Saft konsequent vermeiden.
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren — siehe Hinweise oben; Lycorin ist embryotoxisch und systemisch akut toxisch.
- Haushalte mit Katzen, Hunden, Vögeln oder Kleinnagern — Hippeastrum-Zwiebeln sind ausgeprägt haustiertoxisch (Erbrechen, Tremor, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen); die Pflanze gegebenenfalls ausser Reichweite halten oder ganz darauf verzichten.
- Personen mit bestehendem Magen-Darm-Ulkus, Reflux oder chronischer Niereninsuffizienz sollten den Pflanzensaft besonders strikt meiden; bei Hautkontakt rasch mit lauwarmem Wasser und milder Seife abspülen.
Erntet wird: Zwiebel
- Tageszeit:
- Schnittblumen-Ernte in der Vorweihnachts- und Hochzeitssaison (Dezember bis Februar) in beheizten niederländischen Gewächshäusern; geschnitten wird in den frühen Morgenstunden, sobald sich die erste Knospe zu öffnen beginnt und die übrigen Knospen klar gefärbt sind. Schnittpunkt etwa fünf Zentimeter über der Zwiebel. SCHUTZHANDSCHUHE PFLICHT — Lycorin und Calciumoxalat-Raphiden im Schnittsaft lösen zuverlässig die sogenannte 'Hippeastrum-Hand' bzw. 'Amaryllis-Dermatitis' aus.
- Trocknung:
- Schnittblumen werden nicht getrocknet, sondern frisch in Wasser geliefert. Vasenstandzeit zwei bis drei Wochen bei Raumtemperatur und täglichem Wasserwechsel; hohle Stiele bei Bedarf mit Stützstäben oder Wattepfropfen stabilisieren. Schnittsaft NICHT mit anderen Schnittblumen in derselben Vase mischen — die Amaryllidaceae-Alkaloide sind phytotoxisch.
- Lagerung:
- Frische Blüten kühl (8 bis 12 Grad Celsius) und im Dunkeln transportieren; im Wohnraum bei normaler Zimmertemperatur halten die Blüten zwei bis drei Wochen. Ausser Reichweite von Kindern und Haustieren aufstellen.
- Tageszeit:
- Zwiebel-Ernte in spezialisierten Zuchtbetrieben (Niederlande, Brasilien) im Hochsommer und Frühherbst (Juli bis September), nachdem das Laub vollständig eingezogen ist. Die Zwiebeln werden vorsichtig aus der Erde gehoben, von Wurzeln und altem Schalengewebe befreit und nach Kalibern (26 bis 36 Zentimeter Umfang) sortiert. SCHUTZHANDSCHUHE PFLICHT — direkter Hautkontakt mit dem Zwiebelsaft löst zuverlässig Kontaktdermatitis aus, besonders bei wiederholter berufsbedingter Exposition. KEINE Heil-Ernte — die Zwiebel ist ausschliesslich für die Geschenkpflanzen- und Schnittblumen-Zucht bestimmt.
- Trocknung:
- Zwiebeln werden bei 17 bis 25 Grad Celsius unter kontrollierter Luftfeuchte (50 bis 70 Prozent) vier bis zwölf Wochen langsam ruhend gehalten und schliesslich für den Herbst-Versand in einzelne Netzbeutel verpackt. Eine erneute Anpflanzung in saubere Pflanzerde aktiviert die Treibphase. Lagerung getrennt von Speisezwiebeln, Knoblauch und Lebensmitteln — Verwechslungsrisiko mit klinisch dokumentierten Vergiftungen!
- Lagerung:
- Trocken, kühl (8 bis 17 Grad Celsius), dunkel, gut belüftet, ausser Reichweite von Kindern und Haustieren; Behälter klar als 'Ritterstern / Amaryllis — giftig' beschriften; KEINESFALLS in Küchenschränken oder zwischen Speisezwiebeln lagern.
- LycorineAlkaloidAnteil: 0.1-0.4 % in der Zwiebel (variabel nach Sorte und Erntezeit)use.plant_part.bulb
Leitalkaloid der gesamten Familie Amaryllidaceae und Hauptverantwortlicher für die akute Toxizität von Hippeastrum vittatum. Pyrrolophenanthridin-Skelett; hemmt die ribosomale Proteinbiosynthese (peptidyl transferase Aktivität) und löst dadurch starkes Erbrechen, krampfartige Bauchschmerzen, Tremor und Krampfanfälle aus. LD50 oral Maus circa 41 mg/kg. Lycorin ist auch der zentrale forensische Marker für die Identifikation einer Hippeastrum- oder Narzissenvergiftung in der klinischen Toxikologie.
- HippeastrineAlkaloidAnteil: Spuren bis 0.1 % in der Zwiebeluse.plant_part.bulb
Charakteristisches Begleitalkaloid der Gattung Hippeastrum (Namensgeber); strukturell verwandt mit Lycorin (Pyrrolophenanthridin-Typ). Hippeastrin trägt sekundär zur Brechwirkung und zu zentralnervösen Effekten bei. Wird in der pharmakologischen Forschung als chemotaxonomischer Marker für die Abgrenzung von Hippeastrum gegenüber Amaryllis, Narcissus und Galanthus genutzt.
- VittatineAlkaloidAnteil: Spuren bis 0.05 % in der Zwiebeluse.plant_part.bulb
Nach Hippeastrum vittatum benannter Spezialalkaloid des Crinin-Typs; in geringen Mengen in der Zwiebel nachweisbar. Strukturell handelt es sich um das Enantiomer von Crinin (aus Crinum). Vittatin zeigt in vitro mässige zytotoxische und antivirale Aktivität, hat aber keine praktische therapeutische Anwendung — Bedeutung primär als chemotaxonomischer Marker und in der Naturstoffchemie.
- TazettineAlkaloidAnteil: Spuren in der Zwiebel und im Blattuse.plant_part.bulb
Hämanthamin-Typ-Alkaloid, das auch in Narcissus tazetta und anderen Amaryllidaceen vorkommt. In Hippeastrum vittatum in geringer Konzentration. Tazettin zeigt in vitro schwache hypotensive und antitumorale Effekte; in der akuten Toxikologie ist seine Bedeutung gegenüber Lycorin gering. Wird in der phytochemischen Forschung als Marker für die Stammverwandtschaft der Tribus Narcisseae bzw. Hippeastreae diskutiert.
- PancratistatinAlkaloidAnteil: Spuren in der Zwiebeluse.plant_part.bulb
Isocarbostyril-Alkaloid mit ausgeprägter antiproliferativer Aktivität in vitro (Apoptose-Induktion in verschiedenen Tumorzelllinien); ursprünglich aus Pancratium littorale isoliert, in Spuren auch in Hippeastrum-Arten nachweisbar. Pancratistatin ist Gegenstand der präklinischen Krebs-Forschung, hat aber KEINE klinische Zulassung und keine therapeutische Anwendung am Menschen. Wegen der geringen Konzentration in H. vittatum trägt es kaum zur Akuttoxizität bei.
- GalantamineAlkaloidAnteil: Spuren (deutlich geringer als in Galanthus oder Narcissus 'Carlton')use.plant_part.bulb
Selektiver, kompetitiver Acetylcholinesterase-Hemmer und positiver allosterischer Modulator nikotinischer Acetylcholinrezeptoren; pharmazeutisch standardisiert (Reminyl®, Razadyne®) bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zugelassen. Hippeastrum ist KEINE relevante kommerzielle Quelle — die globale Galantamin-Versorgung kommt überwiegend aus Narcissus 'Carlton', Galanthus woronowii und zunehmend aus Totalsynthese. In Hippeastrum vittatum lediglich in Spuren; trägt aber zur cholinergen Komponente der Vergiftungssymptomatik bei.
- Calciumoxalat-RaphidenSonstigeAnteil: deutlich nachweisbar in Zwiebel und Saftuse.plant_part.bulb
Nadelförmige Calciumoxalat-Kristalle in spezialisierten Idioblasten der Zwiebelschuppen und des Blattgewebes; mechanisch reizend für Haut und Schleimhäute. Hauptverantwortlich für die mechanische Komponente der 'Amaryllis-Dermatitis' (Floristen-Ekzem) sowie für die akute orale Schleimhautreizung beim versehentlichen Verzehr. Wirken synergistisch mit den Amaryllidaceae-Alkaloiden.
- Carotinoide und AnthocyaneFlavonoidAnteil: nicht quantifiziert (Blüten)Blüte
Die typische rot-weisse Streifung der Blüten wird durch Anthocyane (Cyanidin- und Pelargonidin-Glykoside) in den roten Bereichen und durch das Fehlen von Pigmentablagerung in den weissen Streifen erzeugt; zusätzlich tragen Spuren von Carotinoiden zur Gesamtfärbung bei. Diese Verbindungen haben für die toxikologische und pharmakologische Bewertung der Pflanze keine Bedeutung — rein für die ornamentale Anziehungskraft der Geschenkpflanze relevant.
- [3]MonographieHippeastrum vittatum (L'Hér.) Herb. — Plants of the World Online (Kew)(abgerufen: 2026-05-27)
- [4]MonographieHippeastrum vittatum — Royal Horticultural Society Plant Finder(abgerufen: 2026-05-27)
- [5]MonographieAmaryllis (Hippeastrum spp.) — ASPCA Toxic and Non-Toxic Plants Database(abgerufen: 2026-05-27)
- [6]MonographieAmaryllidaceae alkaloids: chemistry and toxicology of Hippeastrum and related genera — review(abgerufen: 2026-05-27)
- [8]MonographieASPCA Animal Poison Control — Barbados Lily (Hippeastrum spp.)(abgerufen: 2026-08-10)
- [9]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Hippeastrum vittatum (L'Her.) Herb.: stark giftig ++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [1]WikipediaHippeastrum vittatum (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-27)
- [2]WikipediaRitterstern (Hippeastrum) — Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-05-27)
- [7]WikidataHippeastrum vittatum (Wikidata Q161244)(abgerufen: 2026-05-27)