© Jacob Sturm (Johann Georg Sturm, Deutschlands Flora in Abbildungen) · Public domain · Commons
Saat-Hohlzahn
VorsichtDowny hemp-nettle · (Galeopsis segetum)
Lippenblütler (Lamiaceae)
Beschreibung
Der Saat-Hohlzahn (Galeopsis segetum, auch Gelber Hohlzahn oder Ockergelber Hohlzahn genannt) ist eine einjährige, weich behaarte Pflanze aus der Familie der Lippenblütler, die Wuchshöhen von 10 bis 50 cm erreicht. Die blassgelben bis weißlichen Blüten sind 2,5 bis 3 cm lang und tragen häufig einen gelben Schlund mit gelegentlichen purpurnen Flecken. Trotz der oberflächlichen Ähnlichkeit mit der Brennnessel besitzt die Pflanze keine Brennhaare. Sie wächst als Ackerwildkraut bevorzugt auf nährstoffarmen, kalkmeidenden Sand-, Kies- und Schotterböden an Feld- und Wegrändern in West- und südlichem Mitteleuropa. Das getrocknete Kraut (Galeopsidis herba) war historisch eine kieselsäurereiche Husten- und Lungendroge.
Die Kommission E bewertete Galeopsidis herba positiv zur unterstützenden Anwendung bei leichten Katarrhen der Luftwege. Die schwache schleimlösende Wirkung wird den Saponinen zugeschrieben, die adstringierende und reizmildernde den Gerbstoffen und der Kieselsäure. Die klinische Evidenz ist insgesamt schwach.
Anleitung & Dosierung
Etwa 2 g (1 Teelöffel) getrocknetes Hohlzahnkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Mehrmals täglich eine frisch bereitete Tasse trinken (Tagesdosis circa 6 g).
- Trockenmenge
- 2–2 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Volksheilkundlich gilt der Tee aus dem oberirdischen Kraut wegen seines Saponin- und Kieselsäuregehalts als mild schleimlösend ('schleimerweichend'). Die Wirkung ist traditionell überliefert, nicht klinisch belegt.
Anleitung & Dosierung
Als Aufguss aus dem blühenden Kraut zubereiten; traditionell zur Erleichterung des Abhustens von zähem Schleim getrunken.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Wegen der adstringierenden Gerbstoffe wurde der Aufguss volkstümlich zum Gurgeln bei Reizungen im Mund- und Rachenraum genutzt. Reine Erfahrungsanwendung ohne klinischen Nachweis.
Anleitung & Dosierung
Einen stärkeren Aufguss (circa 3 g auf 150 ml Wasser, 10 Minuten ziehen, abgekühlt) als Gurgellösung verwenden. Nicht schlucken; nur gurgeln und ausspucken.
In der älteren Volksheilkunde wurde eine Abkochung bei Keuchhusten, Bronchitis und Tracheitis eingesetzt. Dies ist nur von historischer Bedeutung und nicht durch Studien gestützt.
Anleitung & Dosierung
Historisch als Abkochung des blühenden Krauts verwendet. Bei Keuchhusten bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache; heute durch sichere Behandlungen ersetzt.
- Trockenmenge
- 2–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 3 Wochen
Dem Hohlzahnkraut wurde traditionell eine schwach diuretische Wirkung zugeschrieben. Diese Anwendung ist rein erfahrungsheilkundlich und nicht belegt.
Anleitung & Dosierung
Aufguss aus dem Kraut; volkstümlich als mild harntreibendes Getränk. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
- Trockenmenge
- 2–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Äußerlich wurden frische, zerquetschte Blätter volkstümlich bei oberflächlichen Schwellungen und Hautreizungen aufgelegt. Diese Anwendung ist nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.
Anleitung & Dosierung
Frische, zerquetschte Blätter als Auflage auf die betroffene Hautstelle legen. Nicht auf offene Wunden anwenden. Wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Der Saat-Hohlzahn ist eine traditionelle Volksheilpflanze mit nur schwacher Wirksamkeit; bei anhaltendem Husten, Fieber oder Atemnot ist ärztliche Abklärung nötig. Innerhalb der Gattung Galeopsis gelten einige Arten als potenziell giftig (Lähmungserscheinungen werden berichtet), und das Drogenmaterial kann mit anderen Hohlzahn-Arten verfälscht sein. Nicht über mehrere Wochen ununterbrochen anwenden.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Keine Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft; wegen fehlender Untersuchungen vorsorglich meiden.
Keine Daten zur Sicherheit in der Stillzeit; vorsorglich meiden.
Bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache; historische Keuchhusten-Anwendung ist durch sichere moderne Behandlungen ersetzt.
Kontraindikationen
- Bekannte Allergie oder Überempfindlichkeit gegenüber Lippenblütlern (Lamiaceae).
- Anhaltende, fieberhafte oder atemnötige Atemwegsbeschwerden ohne ärztliche Abklärung.
Erntet wird: blühendes Kraut
- Tageszeit:
- Vormittags nach dem Abtrocknen des Taus, an einem trockenen Tag.
- Trocknung:
- Das blühende Kraut locker ausgebreitet oder in kleinen Bündeln an einem luftigen, schattigen Ort bei höchstens 40 °C trocknen.
- Lagerung:
- 12 Monate — Trocken, lichtgeschützt und luftdicht in Papier- oder Glasbehältern aufbewahren.
- Kieselsäure (Silicic acid / silica)MineralstoffAnteil: 0.7-0.9%Krautige Teile
Kieselsäure (davon circa 0,1-0,2% löslich) gilt als bindegewebsstärkend und bestimmt den traditionellen Ruf des Krauts als Lungen- und Hustendroge.
- Gerbstoffe (Tannins)GerbstoffAnteil: 5-10%Krautige Teile
Adstringierend und antientzündlich; begründen den Einsatz als Gurgelmittel und reizmildernden Hustentee.
- Harpagid (Harpagide)GlykosidKrautige Teile
Iridoidglykosid, in der Gattung Galeopsis verbreitet; antimikrobiell und antientzündlich, gilt als Abbauprodukt des Harpagosids der Teufelskralle.
- 8-O-Acetylharpagid (8-O-acetylharpagide)GlykosidKrautige Teile
Acetyliertes Iridoidglykosid; die Acetylierung ist das charakteristische Iridoid-Merkmal der Gattung Galeopsis.
- Galiridosid (Galiridoside)GlykosidKrautige Teile
Iridoidglykosid, das aus Galeopsis-Arten beschrieben ist; trägt zum bitteren, antientzündlichen Profil bei.
- Antirrhinosid (Antirrhinoside)GlykosidKrautige Teile
Weiteres Iridoidglykosid der Gattung; wirkt mit den übrigen Iridoiden adstringierend und antimikrobiell.
- Saponine (neutrale und saure)SaponinKrautige Teile
Neutrale und saure Saponine; vermitteln die schwache schleimlösende (expektorierende) Wirkung des Tees.
- Glykosidischer BitterstoffBitterstoffKrautige Teile
Ein glykosidischer Bitterstoff sowie Spuren ätherischen Öls runden das Drogenprofil ab.
- [4]MonographieGaleopsis segetum – Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen (Spektrum)(abgerufen: 2026-06-08)
- [5]MonographieGaleopsidis herba (Hohlzahnkraut) – Kommission-E-Monographie (Bundesanzeiger Nr. 76, 1987)(abgerufen: 2026-06-08)
- [6]MonographieHohlzahn – bei leichten Atemwegskatarrhen (PTAheute)(abgerufen: 2026-06-08)
- [7]MonographieGaleopsis segetum (Downy Hemp Nettle) – Plants For A Future(abgerufen: 2026-06-08)
- [8]MonographieGaleopsis segetum (Downy Hemp Nettle) – Natural Medicinal Herbs(abgerufen: 2026-06-08)
- [9]BuchGaleopsis ochroleuca (Ockergelber Hohlzahn) – Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel (Henriette's Herbal)(abgerufen: 2026-06-08)
- [1]WikipediaSaat-Hohlzahn – Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-06-08)
- [2]WikipediaGaleopsis segetum – Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-06-08)
- [10]CommonsFile:Galeopsis segetum Sturm34.jpg – Wikimedia Commons(abgerufen: 2026-06-08)
- [3]WikidataGaleopsis segetum (Q159356) – Wikidata(abgerufen: 2026-06-08)
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