© Unknown author (The American Cyclopædia, 1891) · Public domain · Commons
Indischer Weihrauch
Indian frankincense · (Boswellia serrata)
Balsambaumgewächse (Burseraceae)
Beschreibung
Der Indische Weihrauch (Boswellia serrata), auch Salaibaum genannt, ist ein kleiner bis mittelgroßer, laubwerfender Baum aus der Familie der Balsambaumgewächse. Er wächst in den trockenen, felsigen Hügel- und Bergwäldern Indiens sowie im angrenzenden Pakistan. Wird die Rinde angeritzt, tritt ein aromatisches Gummiharz aus, das an der Luft zu bräunlich-gelben Körnern erhärtet - der Indische Weihrauch (Olibanum). Dieses Harz ist eng mit dem in der Antike hochgeschätzten Weihrauch verwandt, der als Räucherwerk in Tempeln und - über die biblische Erzählung von den Gaben der Weisen aus dem Morgenland - im christlichen Kulturkreis bekannt wurde. Medizinisch bedeutsam sind die im Harz enthaltenen Boswelliasäuren, pentazyklische Triterpensäuren; ihre Leitsubstanz 3-O-Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure (AKBA) hemmt das Enzym 5-Lipoxygenase und greift so in Entzündungsprozesse ein.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Für konzentrierte, standardisierte Weihrauch-Extrakte liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft vor; einzelne Hinweise auf mögliche Wirkungen auf die Gebärmutter machen eine sichere Beurteilung unmöglich. Von der Anwendung des Extrakts in der Schwangerschaft ist daher abzuraten.
Am besten untersuchte Anwendung: standardisierte Boswellia-serrata-Extrakte bei Arthrose (v. a. Kniearthrose) und entzündlichen Gelenkschmerzen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (Yu et al. 2020, 7 randomisierte Studien, 545 Patienten) fand für Weihrauch-Präparate gegenüber Kontrollen eine Verbesserung von Schmerz, Steifigkeit und Gelenkfunktion (u. a. WOMAC- und VAS-Werte). Wichtige Einschränkung: Die eingeschlossenen Studien waren überwiegend klein, von mittlerer bis niedriger methodischer Qualität, sehr heterogen (unterschiedliche Extrakte und Dosierungen) und teils vom Hersteller finanziert - die Evidenz ist daher vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert. Mechanistisch wird die entzündungshemmende Wirkung vor allem der Hemmung der 5-Lipoxygenase durch AKBA zugeschrieben.
Anleitung & Dosierung
Standardisierter Weihrauch-Trockenextrakt (aus dem Rindenharz gewonnen, auf einen definierten Gehalt an Boswelliasäuren bzw. AKBA eingestellt): üblicherweise etwa 300 mg zwei- bis dreimal täglich, meist zu den Mahlzeiten. Verwendet werden Fertigkapseln/-präparate - das rohe Harz ist kein geeigneter Ersatz. Die Wirkung baut sich langsam über mehrere Wochen auf; eine sinnvolle Beurteilung ist meist erst nach etwa vier Wochen möglich. Bei anhaltenden oder starken Gelenkbeschwerden ärztlichen Rat einholen; ersetzt keine ärztlich verordnete Arthrose-Therapie.
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 12 Wochen
⚠ Altersbeschränkung: ≥ 18 Jahre — Standardisierte Weihrauch-Extrakte wurden vorwiegend bei Erwachsenen untersucht; für Kinder und Jugendliche liegen keine ausreichenden Daten vor. Anwendung nur bei Erwachsenen bzw. nur nach ärztlicher Rücksprache.
Traditionelle (folkloristische) Anwendung: Der Indische Weihrauch gehört zu den klassischen Heilmitteln des Ayurveda und wird dort seit langer Zeit bei Gelenkentzündungen, Rheuma und Ischiasbeschwerden eingesetzt. Diese Anwendung beruht auf Erfahrungswissen und nicht auf kontrollierten Studien und ist daher als traditionell einzustufen.
Anleitung & Dosierung
In der ayurvedischen Heilkunde wird das Harz des Salaibaums (Sanskrit: 'Shallaki') seit Jahrhunderten traditionell bei rheumatischen und arthritischen Gelenkbeschwerden angewendet, meist als aufbereitetes Harzpulver oder in zusammengesetzten Rezepturen. Eine allgemeingültige moderne Dosierung lässt sich aus der traditionellen Anwendung nicht ableiten; für standardisierte Beschwerden sollte auf geprüfte Extrakte zurückgegriffen werden.
Standardisierte Weihrauch-Extrakte gelten in der Regel als gut verträglich. Gelegentlich treten Magen-Darm-Beschwerden auf (Übelkeit, Sodbrennen/Reflux, Völlegefühl, Durchfall), selten Hautausschläge oder allergische Reaktionen. Weihrauch ist KEIN Ersatz für eine ärztlich verordnete Arthrose- oder Rheumatherapie. Für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor - in diesen Gruppen sollte auf die Anwendung verzichtet werden. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind bislang nur unzureichend untersucht; theoretisch sind Effekte über Entzündungs-/Gerinnungswege sowie über das Cytochrom-P450-System (u. a. CYP3A4) möglich. Bei bestehender Medikation, chronischen Erkrankungen oder anhaltenden Gelenkbeschwerden vor der Anwendung ärztlich beraten lassen.
Für konzentrierte, standardisierte Weihrauch-Extrakte liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft vor; einzelne Hinweise auf mögliche Wirkungen auf die Gebärmutter machen eine sichere Beurteilung unmöglich. Von der Anwendung des Extrakts in der Schwangerschaft ist daher abzuraten.
Es liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung in der Stillzeit vor. Ob und in welchem Umfang Boswelliasäuren in die Muttermilch übergehen, ist nicht geklärt; in der Stillzeit sollte auf die Anwendung verzichtet oder zuvor ärztlicher Rat eingeholt werden.
Standardisierte Weihrauch-Extrakte wurden fast ausschließlich bei Erwachsenen untersucht; für Kinder und Jugendliche fehlen ausreichende Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten. Eine Anwendung sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Wechselwirkungen
NSAR / entzündungshemmende Arzneimittel (NSAIDs / anti-inflammatory drugs)
Weihrauch-Extrakt wirkt selbst entzündungshemmend (u. a. über Hemmung der 5-Lipoxygenase); bei gleichzeitiger Einnahme von NSAR oder anderen entzündungshemmenden Mitteln sind additive Effekte theoretisch denkbar. Belastbare klinische Daten fehlen - Anwendung beobachten.
über CYP3A4 verstoffwechselte Arzneimittel (CYP3A4 substrates)
Boswelliasäuren können im Labor Cytochrom-P450-Enzyme (u. a. CYP3A4) beeinflussen; eine klinisch relevante Veränderung der Blutspiegel gleichzeitig eingenommener Medikamente ist theoretisch möglich, aber nicht gut belegt. Bei Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite vorsichtshalber ärztlich überwachen.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Weihrauch (Boswellia serrata) oder andere Balsambaumgewächse.
- Schwangerschaft - insbesondere für den konzentrierten, standardisierten Extrakt (unzureichende Sicherheitsdaten).
Erntet wird: Aromatisches Gummiharz (Olibanum), das nach dem Anritzen der Rinde in der Trockenzeit austritt
- Tageszeit:
- An trockenen Tagen der Trockenzeit, wenn das austretende Harz an der Luft rasch erhärtet.
- Trocknung:
- Die Rinde wird angeritzt; das austretende Gummiharz lässt man an der Luft zu bräunlich-gelben Körnern (Tränen) erhärten und sammelt es nach einigen Tagen ab. Nachhaltiges Anzapfen ist wichtig, da Übernutzung die Bestände gefährdet.
- Lagerung:
- 24 Monate — Trocken, kühl und dunkel in dicht schließenden Behältern aufbewahren; das getrocknete Harz ist gut haltbar, sollte aber vor Wärme und Feuchtigkeit geschützt werden.
- Boswelliasäuren (gesamt)SonstigeAnteil: ~15-30 % des HarzesRinde
Gruppe pentazyklischer Triterpensäuren im Rindenharz; als lipophile Harzsäuren gelten sie als die entzündungshemmenden Leitsubstanzen des Indischen Weihrauchs. (Triterpensäuren, hier mangels eigener Enum-Kategorie unter 'other' geführt.)
- 3-O-Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure (AKBA)SonstigeAnteil: ≥1 % (Qualitätskriterium)Rinde
Wirksamste einzelne Boswelliasäure und Haupt-Leitsubstanz: hemmt selektiv die 5-Lipoxygenase und dämpft so die Bildung entzündungsfördernder Leukotriene. Standardisierte Extrakte werden häufig auf ihren AKBA-Gehalt eingestellt. (Pentazyklische Triterpensäure - unter 'other' geführt.)
- β-BoswelliasäureSonstigeRinde
Mengenmäßig bedeutende Boswelliasäure des Harzes; trägt zum triterpensäurehaltigen Wirkstoffprofil bei. (Pentazyklische Triterpensäure - unter 'other' geführt.)
- Ätherisches Öl (u. a. α-Thujen, weitere Terpene)Ätherisches ÖlAnteil: ~5-9 %Rinde
Flüchtiger Anteil des Harzes, verantwortlich für den charakteristischen aromatischen Geruch beim Verräuchern; enthält Monoterpene wie α-Thujen sowie weitere Terpene.
- Gummi-PolysaccharidePolysaccharidAnteil: ~15-20 %Rinde
Wasserlöslicher Gummianteil des Gummiharzes (u. a. aus Galactose- und Arabinose-Einheiten), der dem Olibanum seine gummiartige Konsistenz verleiht.
- Sesquiterpene (Harzanteil)SesquiterpenRinde
Weitere Terpenverbindungen der Harzfraktion, die zum Aroma- und Wirkstoffprofil des Weihrauchs beitragen.
- [1]MonographieYu G, Xiang W, Zhang T, et al. - Effectiveness of Boswellia and Boswellia extract for osteoarthritis patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Complement Med Ther. 2020;20:225. PMID 32680575, DOI 10.1186/s12906-020-02985-6(abgerufen: 2026-07-02)
- [2]MonographiePubMed record: Effectiveness of Boswellia and Boswellia extract for osteoarthritis patients: a systematic review and meta-analysis (PMID 32680575)(abgerufen: 2026-07-02)
- [3]WikipediaWeihrauch - Wikipedia (Deutsch); behandelt Boswellia serrata (Indischer Weihrauch / Salaibaum), Olibanum und Boswelliasäuren(abgerufen: 2026-07-02)
- [4]WikipediaBoswellia serrata - Wikipedia (English)(abgerufen: 2026-07-02)
- [6]CommonsFrankincense - Boswellia serrata, historic botanical plate from The American Cyclopædia (1891), public domain - Wikimedia Commons(abgerufen: 2026-07-02)
- [5]WikidataBoswellia serrata (Q2367334) - Wikidata(abgerufen: 2026-07-02)
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