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Mistel
Giftig🐾Viscum album · (Viscum album)
Sandelholzgewächse (Santalaceae)
Beschreibung
Als immergrüner, kugelförmiger Halbschmarotzer sitzt die Mistel hoch in den Kronen von Apfelbäumen, Pappeln oder Kiefern und wird traditionell im Winter zwischen Oktober und Dezember geerntet. Sie enthält zytotoxische Mistellektine (ML I–III) und Viscotoxine sowie Lignane, Flavonoide und Triterpene. Volksheilkundlich wurden Kraut-Zubereitungen traditionell bei leichtem Bluthochdruck und Kreislaufbeschwerden eingesetzt; in der klinischen Forschung werden standardisierte Mistelextrakte als ergänzende Therapie in der Onkologie untersucht, etwa im Zusammenhang mit tumorbedingter Erschöpfung und Lebensqualität — stets als ärztlich verordnete, parenteral verabreichte Fertigpräparate, niemals als Selbstmedikation mit Tee oder Tinktur. Die Pflanze gilt als giftig: Beeren und Kraut können bei Verschlucken Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Pupillenerweiterung und Kreislaufstörungen auslösen, bei Kindern sind schwerere Vergiftungen möglich. Mistel ist zudem giftig für Haustiere; bei Vergiftungsverdacht sofort den Giftnotruf kontaktieren.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
In Schwangerschaft kontraindiziert. Mistellektine sind hochwirksame Proteine; zudem werden uteruskontrahierende Effekte beschrieben. Auch parenterale Mistelpräparate sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
In der Stillzeit kontraindiziert. Keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Mutter und Kind; potenzieller Übertritt aktiver Proteine.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Bei Kindern kontraindiziert. Schon wenige Beeren können Vergiftungserscheinungen auslösen. Pflanzen in Reichweite von Kindern entfernen; Beeren bei Adventskranz/Weihnachtsdeko sicher entsorgen.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Immunsuppressiva / Immunosuppressants
Volksmedizinische Anwendung: kalte Auflage mit Mistelkraut-Abkochung bei nässenden Hautausschlägen und Ekzemen. Quellenlage schwach, traditioneller Hausgebrauch — bei großflächigen oder unklaren Hautveränderungen ärztliche Abklärung.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinisch genutzter Badezusatz aus Mistelkraut zur Entspannung und bei nervöser Anspannung. Tradition vor allem in der Schweizer und süddeutschen Hausmedizin (u. a. Künzle); klinische Evidenz fehlt.
Anleitung & Dosierung
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Historischer Kaltansatz aus Mistelkraut (Stängel und Blätter) bei leichter Hypertonie und Kreislaufbeschwerden. Wichtig: ausschließlich Kaltauszug (8-12 h) — die zytotoxischen Lektine sind hitzelabil und werden im heißen Aufguss zwar inaktiviert, gleichzeitig aber gehen volksmedizinisch geschätzte Wirkstoffe verloren. Diese Anwendung ist heute nur noch dokumentarisch relevant; eine therapeutische Selbstanwendung wird wegen der toxikologischen Risiken nicht empfohlen.
Anleitung & Dosierung
2,5-3,5 g getrocknetes Mistelkraut mit 150 ml kaltem Wasser ansetzen, 8-12 Stunden ziehen lassen, abseihen. Nur unter ärztlicher Begleitung anwenden — Selbstmedikation nicht empfohlen.
- Trockenmenge
- 2.5–3.5 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Historische niedrig dosierte alkoholische Tinktur aus Mistelkraut bei Kreislaufschwäche. Wegen des Gehalts an zytotoxischen Lektinen und Viscotoxinen ist eine Eigenherstellung und Selbstanwendung heute nicht mehr empfohlen — der therapeutische Spielraum ist eng und nur für die ärztliche Verordnung geeignet.
Anleitung & Dosierung
1:5 in 40-50%igem Ethanol, 1-2 ml pro Einnahme, maximal 2 x täglich. Nur unter ärztlicher Aufsicht — Selbstherstellung nicht empfohlen.
- Flüssigkeit
- 1–2 ml
- Anwendungen/Tag
- 2×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Hinweis: Diese Anwendung erfolgt NICHT als selbst hergestellte Tinktur, sondern als standardisiertes parenterales (subkutan zu injizierendes) Fertigarzneimittel — Iscador®, Helixor®, abnobaVISCUM®. Eingesetzt in der anthroposophischen und integrativen Onkologie als Begleittherapie zu konventionellen Krebstherapien (Operation, Chemo-, Strahlentherapie). Studien zeigen Verbesserungen von Lebensqualität, Schlaf und tumorassoziierter Fatigue; ein gesicherter lebensverlängernder Effekt ist umstritten. Die ESMO-Leitlinie zur komplementären Onkologie listet Mistel als Option zur Lebensqualitätsverbesserung. Anwendung ausschließlich durch erfahrene Ärzte.
GIFTIG. Mistelbeeren und -kraut enthalten zytotoxische Lektine (ML I-III) und Viscotoxine. Das Verschlucken von Beeren kann Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Pupillenerweiterung und Kreislaufstörungen auslösen; bei größeren Mengen sind schwerere Vergiftungen möglich, besonders bei Kindern. Keine Selbstmedikation mit Tee oder Tinktur. Therapeutische Mistelpräparate (Iscador®, Helixor®, abnobaVISCUM®) ausschließlich ärztlich verordnet und parenteral angewendet. Bei Vergiftungsverdacht sofort Giftnotruf kontaktieren.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
In Schwangerschaft kontraindiziert. Mistellektine sind hochwirksame Proteine; zudem werden uteruskontrahierende Effekte beschrieben. Auch parenterale Mistelpräparate sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.
In der Stillzeit kontraindiziert. Keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Mutter und Kind; potenzieller Übertritt aktiver Proteine.
Bei Kindern kontraindiziert. Schon wenige Beeren können Vergiftungserscheinungen auslösen. Pflanzen in Reichweite von Kindern entfernen; Beeren bei Adventskranz/Weihnachtsdeko sicher entsorgen.
Wechselwirkungen
Antikoagulanzien / Anticoagulants
Mistelinhaltsstoffe können die Blutgerinnung beeinflussen; in Kombination mit Vitamin-K-Antagonisten, DOAKs oder Thrombozytenaggregationshemmern ist ein erhöhtes Blutungsrisiko möglich.
Immunsuppressiva / Immunosuppressants
Mistellektine wirken immunmodulierend (T-Zell- und Zytokin-Stimulation) und können die Wirkung von Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin, Tacrolimus, Biologika) abschwächen.
MAO-Hemmer / MAO inhibitors
Tyramin- und biogene Amin-Spuren werden in Mistel beschrieben; theoretisches Risiko hypertensiver Krisen bei gleichzeitiger MAO-Hemmer-Therapie.
Antihypertensiva / Antihypertensives
Mistelpräparate können den Blutdruck senken; in Kombination mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln ist eine synergistische Wirkung mit Hypotonie-Gefahr möglich — Blutdruck engmaschig kontrollieren.
Kontraindikationen
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Misteleiweiße
- Akute, fieberhafte und entzündliche Erkrankungen (für parenterale Mistelpräparate)
- Hochaktive Autoimmunerkrankungen unter Immunsuppression
- Primäre und sekundäre Hyperthyreose mit Tachykardie (für parenterale Anwendung)
Erntet wird: Kraut (im Winter geerntet)
- Tageszeit:
- Tagsüber bei trockener Witterung; traditionell Wintermonate, da die Mistel als Halbparasit ganzjährig grün ist und im Winter durch das fehlende Laub des Wirtsbaums gut sichtbar wird.
- Trocknung:
- Stängel und Blätter klein schneiden, locker auf Tüchern oder Horden ausbreiten und an einem schattigen, luftigen Ort bei höchstens 35 °C trocknen. Hitze über 40 °C vermeiden, um Lektine und Aromen nicht weiter zu verändern.
- Lagerung:
- 12 Monate — In gut verschlossenen Glas- oder Blechgefäßen, dunkel, kühl und trocken lagern; getrennt von Lebensmitteln und außerhalb der Reichweite von Kindern.
- Tageszeit:
- Tagsüber bei trockenem Wetter. Beeren NICHT für Tee oder Verzehr — ausschließlich zur Vermehrung: klebriger Samen wird im Spätwinter auf die Rinde junger Wirtsbaumäste gestrichen.
- Trocknung:
- Beeren werden frisch zur Vermehrung verwendet und nicht getrocknet.
- Lagerung:
- Beeren nicht lagern. Reste sofort sicher entsorgen — giftig für Mensch und Haustier.
- Mistellektine (ML I, ML II, ML III)SonstigeAnteil: 0.05-0.1%Krautige Teile
Ribosomen-inaktivierende Proteine (Typ-II-RIPs), Hauptwirkstoffe der parenteralen Onkologie-Therapie; zytotoxisch und immunmodulierend, hitzelabil.
- Viscotoxine (A1, A2, A3, B, 1-PS)SonstigeAnteil: 0.05-0.1%Krautige Teile
Kleine basische zytotoxische Polypeptide (ca. 5 kDa, Thionin-Familie); membranschädigend, neben den Lektinen für Toxizität und Wirkung mitverantwortlich.
- Lignane (Eleutherosid E, Syringaresinol)SonstigeKrautige Teile
Phenolische Lignane mit antioxidativen und milden gefäßaktiven Eigenschaften.
- Flavonoide (Quercetin- und Kämpferol-Glykoside)FlavonoidKrautige Teile
Antioxidative Polyphenole, tragen zur gefäßprotektiven Wirkung des Mistelkrauts bei.
- Triterpene (Oleanolsäure, Ursolsäure, Betulinsäure)SonstigeKrautige Teile
Pentazyklische Triterpensäuren mit entzündungshemmenden und in vitro zytotoxischen Eigenschaften.
- Phenylpropanoide und PhenolcarbonsäurenPhenolsäureKrautige Teile
Untergeordnete Begleitstoffe (u. a. Kaffeesäure-Derivate) mit antioxidativer Wirkung.
- Freie Aminosäuren und biogene AmineSonstigeKrautige Teile
Enthält u. a. γ-Aminobuttersäure (GABA), Cholin, Acetylcholin, Histamin und Tyramin in geringen Mengen — relevant für theoretische Wechselwirkungen.
- [1]MonographieKommission E Monographie: Visci albi herba (Mistelkraut), Bundesanzeiger Nr. 228 vom 05.12.1984(abgerufen: 2026-05-19)
- [2]MonographieWHO Monographs on Selected Medicinal Plants, Vol. 4: Herba Visci(abgerufen: 2026-05-19)
- [3]MonographieFachinformationen Iscador®, Helixor®, abnobaVISCUM® (Mistelextrakt-Fertigarzneimittel)(abgerufen: 2026-05-19)
- [4]MonographieESMO Clinical Practice Guideline: Use of Complementary Medicine in Cancer Care (mistletoe section)(abgerufen: 2026-05-19)
- [6]MonographieHeilkräuter-Lexikon: Mistel (Viscum album)(abgerufen: 2026-05-19)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Viscum album L.s.l.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [5]BuchGerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Bd. III, Viscum album, Leipzig 1938 (PD)(abgerufen: 2026-05-19)