Donum ∞ Dei
Foto von Gewürzvanille

© C T Johansson · CC BY-SA 3.0 · Commons

Gewürzvanille

Vanilla planifolia · (Vanilla planifolia)

Orchideengewächse (Orchidaceae)

Beschreibung

Grün gepflückt riecht diese Orchideenschote fast nach nichts: Erst ein monatelanger Fermentationsprozess – heisses Wasserbad, Schwitzen, langsames Trocknen, Reifen – spaltet das geruchlose Glucosid Glucovanillin enzymatisch auf und setzt das aromagebende Vanillin frei, das am Ende bis zu drei Prozent der getrockneten Schote ausmacht. Die Azteken nannten die Pflanze „tlilxochitl“, schwarze Blume, und mischten sie mit Kakao und Chili zu einem stärkenden Trank am Hof Montezumas; in der späteren europäischen Volksmedizin galt Vanille als wärmend, verdauungsfördernd und als beruhigendes Mittel bei nervöser Unruhe – ein warmer Aufguss aus etwas Vanillemark in Milch dient bis heute als Schlummertrunk. Isoliertes Vanillin zeigt in Laborstudien zudem antioxidative, antimikrobielle und wundheilungsfördernde Eigenschaften und wird experimentell als Zusatz in modernen Wundauflagen erprobt. Als Speisegewürz in haushaltsüblichen Mengen gilt Vanille als sehr sicheres Lebensmittel; lediglich isoliertes oder synthetisches Vanillin kann bei sensibilisierten Personen, etwa in der Verarbeitung, Kontaktdermatitis auslösen, während alkoholische Extrakte wegen ihres Ethanolgehalts nicht für Säuglinge geeignet sind.

  • GewürzFruchtInnerlichTraditionell

    Die fermentierten Vanilleschoten (Kapseln) sind weltweit eines der wichtigsten Aroma-Gewürze. Verwendung in Süßspeisen, Eis, Backwaren, Schokolade, Likören und Parfümerien. Die Schoten werden längs aufgeschlitzt, das Mark herausgeschabt oder die ganze Schote mitgekocht. Das charakteristische Aroma stammt vom Hauptaromaträger Vanillin (1,5–3 % im fermentierten Bean) zusammen mit über 200 weiteren flüchtigen Verbindungen wie p-Hydroxybenzaldehyd, Vanillinsäure, Anisalkohol und Guajakol. Bourbon-Vanille (Madagaskar, Réunion, Komoren) gilt als geschmackliche Referenz; Tahiti-Vanille (Vanilla tahitensis) hat ein blumigeres Profil. Traditionell auch zur Geschmacksverbesserung in Arzneizubereitungen (Sirupe, bittere Tropfen) eingesetzt.

    Quellen: [1] [2] [3] [4]

  • TinkturFruchtInnerlichTraditionell

    Vanille-Tinktur (Extractum Vanillae) ist eine alkoholische Auszugzubereitung aus fermentierten Schoten, traditionell als mildes Magenstärkungs- und Verdauungsmittel sowie als Geschmackskorrigens in galenischen Zubereitungen eingesetzt. In der mexikanischen und kreolischen Volksheilkunde wurde sie zudem als 'Nervinum' und beruhigendes Tonikum bei nervöser Unruhe und Erschöpfungszuständen verwendet. Moderne pharmakologische Studien an Tieren legen anxiolytische und antidepressiv-ähnliche Effekte des Vanillins nahe (über monoaminerge Signalwege), klinische Belege beim Menschen fehlen jedoch.

    Anleitung & Dosierung

    Traditionelle Zubereitung: 10–20 g fein zerkleinerte Vanilleschoten in 100 ml Ethanol 70 % ansetzen, 2–4 Wochen mazerieren, abseihen. 1–2 ml (ca. 20–40 Tropfen) ein- bis dreimal täglich, vorzugsweise nach den Mahlzeiten. Wegen des hohen Preises überwiegend in der Aromaküche, nicht als Hauptarzneimittel.

    Trockenmenge
    1020 g
    Anwendungen/Tag
    3×

    Quellen: [2] [3] [4]

  • Ätherisches ÖlFruchtÄußerlichVolksmedizin

    Echtes Vanille-'Essential-Oil' im engeren Sinn existiert kaum, da Vanillin sich nicht wasserdampfflüchtig destillieren lässt. Im Handel sind stattdessen Vanille-Absolue (Lösungsmittel-Extrakt) und Vanille-Oleoresin als parfümistische und kosmetische Rohstoffe verbreitet. Volksmedizinisch und aromatherapeutisch wird Vanille-Duft eine entspannende, stimmungsaufhellende Wirkung zugeschrieben; experimentelle Studien zeigten eine Dämpfung der Schreckreaktion bei Vanille-Geruch. Topisch in Hautpflegeprodukten als Duftträger sowie wegen leicht antimikrobieller Eigenschaften des Vanillins zugesetzt.

    Quellen: [2] [4] [5]

  • RohFruchtÄußerlichKlinische Studie

    Vanillin, der Hauptaromastoff der fermentierten Schote, zeigt in in-vitro- und Tierstudien ausgeprägte antioxidative und wundheilungsfördernde Eigenschaften: Es schützt Keratinozyten vor oxidativem Stress, beschleunigt den Wundverschluss im Scratch-Assay und wirkt antimikrobiell gegen multiresistente Bakterien (synergistisch mit Standardantibiotika). Diese Effekte gelten für isoliertes Vanillin, nicht für das ganze Lebensmittel; experimentelle, noch nicht klinisch etablierte Anwendung als Adjuvans in modernen Wundverbänden in Erprobung.

    Quellen: [4] [5] [6]

  • RohFruchtInnerlichVolksmedizin

    Historische Volksmedizin: Die Azteken nannten die Pflanze tlilxochitl ('schwarze Blume') und nutzten sie gemischt mit Kakao und Chili (Xocoatl, Vorläufer der Schokolade) als kräftigendes Aphrodisiakum und Tonikum am Hof Montezumas. Der spanische Hofarzt Francisco Hernández de Toledo (16. Jh.) beschrieb Vanille als eines der drei wichtigsten aztekischen Aphrodisiaka. In der späteren europäischen Volksmedizin (17.–19. Jh.) galt Vanille als wärmend, herzstärkend, blähungstreibend und als 'Nervinum' bei Hysterie und melancholischen Verstimmungen. Es existieren keine modernen klinischen Belege für eine aphrodisierende Wirkung.

    Quellen: [1] [2] [3] [4]

  • TeeFruchtInnerlichVolksmedizin

    Volksheilkundlich werden ein kleines Stück Vanilleschote oder ½ Teelöffel ausgekratztes Vanillemark in heiße Milch oder Wasser eingerührt und als beruhigender 'Schlummertrunk' bei nervöser Unruhe, Einschlafstörungen und milden Verdauungsbeschwerden getrunken. Weit verbreitet im mexikanischen, karibischen und französischen Hausgebrauch, häufig in Kombination mit Milch und Zucker (golden milk, lait à la vanille). Wissenschaftliche Wirksamkeitsbelege fehlen; der Effekt wird heute vor allem auf den entspannenden Vanille-Duft und den Ritualcharakter zurückgeführt.

    Anleitung & Dosierung

    Ein kleines Stück (ca. 1 cm) Vanilleschote oder ½ Teelöffel Vanillemark in 200 ml heißer Milch oder Wasser 10 Min. ziehen lassen, schluckweise warm trinken — besonders abends.

    Trockenmenge
    0.51 g
    Anwendungen/Tag
    1×

    Quellen: [1] [3] [4]

Verbreitung in Europa

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