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Dach-Hauswurz
Sempervivum tectorum · (Sempervivum tectorum)
Dickblattgewächse (Crassulaceae)
Beschreibung
Auf Reet- und Ziegeldächern angesiedelt, um Blitzschlag und Brand abzuwehren, bildet diese genügsame Sukkulente aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) dicht gedrängte, fleischige Blattrosetten, die praller Sonne und Trockenheit trotzen. Die frischen, saftreichen Blätter enthalten unter anderem Apfelsäure, Gerbstoffe, die Flavonoide Quercetin und Kaempferol sowie Schleimstoffe. Traditionell wird der ausgepresste Blattsaft oder ein halbiertes Blatt direkt auf kleine Wunden, Insektenstiche oder gereizte Haut aufgelegt; volksmedizinisch dient ein Aufguss auch bei leichten Verdauungsbeschwerden. Bei äusserlicher Anwendung gilt die Hauswurz als gut verträglich, während die innerliche Einnahme grösserer Mengen Übelkeit und Erbrechen auslösen kann und daher nur in kleinen Mengen und kurzzeitig erfolgen sollte.
Frischer Blattsaft oder aufgeschnittene Sukkulentenblätter werden direkt auf Wunden, kleine Verbrennungen, Insektenstiche und Sonnenbrände aufgelegt. Die kühlende, adstringierende Wirkung (Gerbstoffe, Schleimstoffe) lindert Brennen und unterstützt die Wundheilung.
Anleitung & Dosierung
Breiumschlag aus zerstoßenen Blättern bei Verbrennungen, Schürfwunden und entzündeten Hautstellen. Dioscorides und Galen überliefern die Anwendung bei Hautkrankheiten und Augenentzündungen; Marcellus Empiricus erwähnt Umschläge bei Quetschungen.
Anleitung & Dosierung
Hauswurz-Salbe aus Blattsaft und Bienenwachs oder -fett wird volksmedizinisch bei Ekzem, Warzen, Schwielen und gereizter Haut eingesetzt. PFAF nennt die Pflanze als Warzenmittel; die Adstringenz der Gerbstoffe verkleinert überschüssiges Gewebe.
Saft aus frischen Blättern historisch zur Hautpflege und zur Reduktion von Sommersprossen verwendet (belegt durch mittelalterliche Hausbücher). Auch als kühlende Auflage bei Sonnenbrand und Insektenstichen bekannt.
Volksheilkundlich wurde ein Tee aus den Blättern selten bei Durchfall eingesetzt. Auch eine Mischung aus Saft und Honig gegen Mundfäule (Soor) ist überliefert. Die innerliche Anwendung ist ungewöhnlich und historisch wenig belegt; bei Überdosierung emetisch.
Anleitung & Dosierung
1–2 g getrocknete Blätter mit 200 ml heißem Wasser übergießen, 8 Minuten ziehen lassen, abseihen. Nur kurzfristig und in kleinen Mengen verwenden.
- Trockenmenge
- 1–2 g
- Anwendungen/Tag
- 2×
Die jungen Blätter der Dach-Hauswurz sind essbar (säuerlich, leicht herb durch Apfelsäure) und wurden in Notzeiten als Nahrungsergänzung verwendet; heute gelegentlich als ornamentale Sukkulente in Steingärten kultiviert.
Hildegard von Bingen empfahl den Saft der Hauswurz für verschiedene Anwendungen, darunter zur Stimulation und äußerlich. Die Polyphenole (Quercetin, Kaempferol-Glykoside, Kämpferol) wurden 1999 in J. Agric. Food Chem. identifiziert und zeigen antimikrobielle Aktivität gegen Staphylococcus aureus.
Bei äußerlicher Anwendung gut verträglich. Innere Einnahme größerer Mengen kann Übelkeit und Erbrechen (emetisch) auslösen — daher nur kleine Mengen und nur kurzzeitig innerlich anwenden. Keine bekannte systemische Toxizität bei bestimmungsgemäßer Nutzung.
Keine gesicherten Sicherheitsdaten zur Anwendung während der Schwangerschaft vorhanden. Äußerliche Anwendung gilt als unbedenklich; innerliche Einnahme vorsorglich meiden.
Keine gesicherten Daten zur Sicherheit während der Stillzeit. Äußerliche Nutzung unbedenklich; innerliche Einnahme vorsorglich meiden.
Äußerliche Anwendung (z. B. bei Insektenstichen) gilt als sicher. Zur innerlichen Anwendung bei Kindern fehlen moderne Sicherheitsdaten — Rücksprache mit Fachperson empfohlen.
Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Pflanzen der Familie Crassulaceae.
Erntet wird: frische Blätter
- Tageszeit:
- Morgens oder abends ernten, wenn die Sukkulenz (Wassergehalt) am höchsten ist und die Mittagshitze gemieden wird.
- Trocknung:
- Frische Blätter können direkt verwendet werden. Zum Trocknen bei max. 40 °C dünn ausbreiten; der hohe Wassergehalt erfordert längere Trocknungszeit (3–5 Tage).
- Lagerung:
- 6 Monate — Getrocknetes Material dunkel und trocken in luftdichten Gläsern lagern. Frischangewandt sofort verwenden — Blattsaft hält sich im Kühlschrank ca. 2–3 Tage.
- Tageszeit:
- Ganzjährig erntbar (Sukkulente, immergrün). Außerhalb von Frostperioden können frische Blätter jederzeit geerntet werden.
- Trocknung:
- Frisch verwenden ist bevorzugt. Bei Bedarf Einzelblätter abbrechen — die Pflanze regeneriert sich rasch durch Ausläufer.
- Lagerung:
- 1 Monate — Frische Blätter im Kühlschrank in einem feuchten Tuch eingewickelt 1–2 Wochen haltbar.
- Apfelsäure (Malic acid)SonstigeAnteil: 5–15 %Blatt
Hauptorganische Säure der sukkulenten Blätter; verantwortlich für den säuerlichen Geschmack und den saisonalen Säuregehalt (CAM-Stoffwechsel). Kull (1968) beschrieb die Jahresperiodik ausführlich.
- Tannine (kondensierte und hydrolisierbare Gerbstoffe)GerbstoffBlatt
Adstringierende Gerbstoffe; verantwortlich für die zusammenziehende Wirkung auf Haut und Schleimhäute sowie die antimikrobielle Aktivität.
- Quercetin und Quercetin-GlykosideFlavonoidBlatt
Antioxidativ und entzündungshemmend wirksames Flavonol; Abram & Donko (1999) identifizierten Quercetin-Glykoside als Hauptpolyphenole in S. tectorum.
- Kaempferol und Kaempferol-GlykosideFlavonoidBlatt
Weiteres Hauptflavonol mit antimikrobieller und antioxidativer Wirkung; nachgewiesen in J. Agric. Food Chem. 1999.
- Schleimstoffe (Polysaccharide)SchleimstoffBlatt
Hochmolekulare Polysaccharide, die der Pflanze ihre wasserreiche, gelatiöse Textur geben und die kühlend-beruhigende Wirkung auf der Haut erklären.
- Phenolsäuren (Caffeoyl- und Hydroxyzimtsäure-Derivate)PhenolsäureKrautige Teile
Phenolische Carbonsäurederivate mit antioxidativer und antimikrobieller Wirkung; begleitende Polyphenole neben den Flavonoiden.
- Triterpene (u. a. Friedelin, Epifriedelanol)SonstigeBlatt
Typische Crassulaceen-Triterpene; schützende Funktion in der Pflanzenwachsschicht und entzündungshemmende Aktivität.
- Mineralien (Kalium, Kalzium, Silizium)MineralstoffBlatt
Sukkulente Dach-Hauswurz akkumuliert Mineralien; Kalium und Silizium tragen zur Festigkeit der Zellwände bei.
- [1]MonographieAbram V, Donko M. Tentative Identification of Polyphenols in Sempervivum tectorum and Assessment of the Antimicrobial Activity of Sempervivum L. J Agric Food Chem. 1999;47(2):485-489.(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]MonographieKull U. Die Jahresperiodik einiger nichtflüchtiger Carbonsäuren in Sempervivum tectorum L. Planta. 1968;83(4):338-352.(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]MonographiePaniagua-Zambrana NY, Bussmann RW, Kikvidze Z. Sempervivum globiferum L. Sempervivum marmoreum Griseb. Sempervivum tectorum L. Crassulaceae. In: Ethnobotany of the Mountain Regions of Eastern Europe. 2024.(abgerufen: 2026-05-24)
- [4]MonographieCABI. Sempervivum tectorum. CABI Compendium. 2019.(abgerufen: 2026-05-24)
- [5]MonographieSempervivum tectorum — Plants For A Future (PFAF)(abgerufen: 2026-05-24)
- [6]WikipediaDach-Hauswurz (Wikipedia DE)(abgerufen: 2026-05-24)
- [7]WikipediaSempervivum tectorum (Wikipedia EN)(abgerufen: 2026-05-24)