© Walther Otto Müller, Carl Friedrich Schmidt, K. Gunther / Otto Wilhelm Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz (1885) · Public domain (PD-old-100-expired) · Commons
Breitwegerich
Greater plantain · (Plantago major)
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Beschreibung
Der Breitwegerich (Plantago major) ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine grundständige Rosette aus breiten, eiförmig-elliptischen Blättern mit fünf bis neun deutlich hervortretenden Längsnerven bildet. Aus der Rosette steigen schlanke, walzenförmige Blütenähren auf, die von Juni bis Oktober unscheinbare grünlich-braune Blüten und anschließend zahlreiche winzige Samen tragen. Die Art ist äußerst trittfest und gedeiht an Wegrändern, auf Plätzen, Weiden und sogar in Pflasterritzen, weshalb sie als Zeigerpflanze verdichteter Böden gilt. Ursprünglich in Eurasien heimisch, hat sie sich mit europäischen Siedlern weltweit verbreitet und wurde von nordamerikanischen Ureinwohnern als 'Fußstapfen des weißen Mannes' bezeichnet. Traditionell wird vor allem das frische Blatt bei kleinen Wunden und Insektenstichen genutzt, während junge Blätter und Samen auch als Nahrung dienen.
Volksheilkundlich das bekannteste Einsatzgebiet: Das zerquetschte frische Blatt wird seit Jahrhunderten zur raschen Linderung von Juckreiz und Schwellung nach Insektenstichen sowie als kühlendes Auflage-Mittel auf kleine Wunden verwendet. Schleimstoffe, Aucubin und Gerbstoffe wirken reizlindernd und adstringierend.
Anleitung & Dosierung
Frisches, sauberes Blatt zwischen den Fingern oder leicht in der Hand zerquetschen, bis Saft austritt, und direkt auf den Insektenstich oder die kleine Wunde auflegen; bei Bedarf alle paar Stunden erneuern. Klassisches Feldmittel ('Spuckpflaster').
Eine aus Blättern hergestellte Salbe wird traditionell zur Pflege kleiner Hautschäden und gereizter Hautstellen genutzt. Allantoin und Aucubin werden mit zellregenerierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht.
Anleitung & Dosierung
Frische, fein zerkleinerte Blätter in pflanzlichem Öl warm ausziehen, abseihen und mit Bienenwachs zu einer Salbe verarbeiten. Dünn auf saubere, intakte Hautstellen auftragen. Nicht auf tiefe, stark blutende oder infizierte Wunden anwenden.
Aufgrund seines Gehalts an Schleimstoffen wird der Tee traditionell als reizlinderndes Mittel bei Reizhusten und Katarrhen der oberen Atemwege getrunken. Hinweis: Eine positive Kommission-E- oder EMA-Monografie besteht nur für den verwandten Spitzwegerich, nicht für den Breitwegerich.
Anleitung & Dosierung
1,5-3 g getrocknetes Wegerichkraut mit 250 ml heißem Wasser übergießen, zugedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bis zu dreimal täglich trinken.
- Trockenmenge
- 1.5–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 4 Wochen
Volksheilkundlich werden Gerb- und Schleimstoffe des Krauts bei leichtem Durchfall und gereizter Magen-Darm-Schleimhaut genutzt; die Gerbstoffe wirken adstringierend, die Schleimstoffe reizlindernd.
Anleitung & Dosierung
Wie der Hustentee zubereiten. Bei leichtem Durchfall mehrmals täglich schluckweise trinken. Bei anhaltenden Beschwerden über mehr als zwei Tage ärztlichen Rat einholen.
- Trockenmenge
- 1.5–3 g
- Anwendungen/Tag
- 3×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Junge Breitwegerichblätter sind ein essbares Wildgemüse mit mildem, leicht herbem Geschmack und liefern Mineralstoffe sowie Vitamine. Mit zunehmendem Alter werden die Blätter zäh und faserig.
Anleitung & Dosierung
Nur ganz junge, zarte Blätter verwenden; sie roh in Salate geben oder kurz blanchieren, da sie schnell zäh und faserig werden. Ältere Blätter besser gekocht in Suppen oder Eintöpfen verarbeiten.
Die kleinen Samen sind essbar und enthalten reichlich Schleimstoffe (verwandt mit Flohsamen anderer Plantago-Arten), die als sanftes Quell- und Ballaststoffmittel wirken können. Das Sammeln ist wegen der geringen Samengröße mühsam.
Anleitung & Dosierung
Reife Samen von den Ähren abstreifen, roh essen, kochen oder zu Mehl mahlen und unter anderes Mehl mischen. Die schleimreichen Samen mit reichlich Flüssigkeit aufnehmen.
Der schleim- und gerbstoffhaltige Aufguss wird traditionell als reizlinderndes Gurgelmittel bei leichten Hals- und Rachenreizungen verwendet.
Anleitung & Dosierung
Etwas stärkeren Aufguss (2-4 g auf 250 ml) zubereiten, abkühlen lassen und mehrmals täglich damit gurgeln oder spülen. Nicht schlucken, wenn nur zum Gurgeln verwendet.
- Trockenmenge
- 2–4 g
- Anwendungen/Tag
- 4×
- Max. Anwendungsdauer
- 2 Wochen
Frische Blätter zur äußeren Anwendung nur sauber und von unbelasteten Standorten (nicht an stark befahrenen Straßen, Hundewegen oder gespritzten Flächen) sammeln. Nicht auf tiefe, stark blutende oder infizierte Wunden auflegen - hier ärztliche Versorgung. Hohe Dosen innerlich können Blutdruck senken und Durchfall auslösen. Bei bekannter Pollenallergie auf Wegerich ist selten ein allergisches Kontaktekzem möglich.
⏱ Max. Daueranwendung: 4 Wochen
Für die innerliche Anwendung in Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor; daher vorsorglich nur nach Rücksprache und in Lebensmittelmengen. Äußerliche Anwendung des frischen Blattes gilt als unproblematisch.
Keine belastbaren Daten zur Stillzeit. Innerliche Anwendung über Lebensmittelmengen hinaus nur nach Rücksprache; äußerliche Anwendung gilt als unbedenklich.
Äußerliche Anwendung des frischen Blattes bei kleinen Wunden und Stichen ist bei Kindern verbreitet. Für innerliche Tee-Anwendung bei kleinen Kindern keine etablierten Dosierungen - ärztlichen Rat einholen.
Wechselwirkungen
Antikoagulantien (Vitamin-K-Antagonisten)
Die Blätter enthalten Vitamin K; größere Verzehrmengen könnten theoretisch die Wirkung von Gerinnungshemmern wie Warfarin beeinflussen.
orale Arzneimittel allgemein
Schleimstoffe können die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Medikamente verzögern oder verringern; zeitlichen Abstand von ein bis zwei Stunden einhalten.
Kontraindikationen
- Bekannte Allergie gegen Wegerich-Arten oder deren Pollen.
- Darmverschluss oder ungeklärte starke Bauchschmerzen (innerliche Anwendung).
Erntet wird: Blätter (Juni-September); Samen bei Reife (August-September)
- Tageszeit:
- Am späten Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist.
- Trocknung:
- Locker ausgebreitet an einem luftigen, schattigen Ort rasch trocknen, um Braunfärbung zu vermeiden; nicht über 40 °C.
- Lagerung:
- 12 Monate — In luftdichten Gefäßen, dunkel und trocken aufbewahren.
- Tageszeit:
- An trockenen Tagen, wenn die Ähren ausgereift und bräunlich sind.
- Trocknung:
- Ähren nachtrocknen lassen, dann Samen abstreifen und vollständig durchtrocknen.
- Lagerung:
- 24 Monate — Trocken, kühl und dunkel in dicht schließenden Behältern.
- AucubinGlykosidBlatt
Iridoid-Glykosid; Leitsubstanz der Wegeriche, mit entzündungshemmenden und schwach antimikrobiellen Eigenschaften in Verbindung gebracht.
- Schleimstoffe (Polysaccharide)SchleimstoffBlatt
Reizlindernde Quellstoffe, die einen schützenden Film auf Schleimhäuten bilden; in den Samen besonders hoch konzentriert.
- Gerbstoffe (Tannine)GerbstoffBlatt
Adstringierend wirkende Polyphenole, die zur zusammenziehenden und blutstillenden Wirkung bei äußerer Anwendung beitragen.
- Flavonoide (u. a. Baicalein, Hispidulin, Luteolin, Apigenin)FlavonoidBlatt
Antioxidativ und entzündungshemmend wirkende Pflanzenstoffe, die zur Kapillarstabilisierung beitragen können.
- Plantamajosid (Phenylethanoid-Glykosid)PhenolsäureBlatt
Kaffeesäure-Derivat (verwandt mit Acteosid) mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften.
- AllantoinSonstigeBlatt
Zellregenerierender Stoff, der die Wundheilung durch Förderung von Fibroblasten- und Keratinozyten-Aktivität unterstützen kann.
- Kieselsäure und Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Zink)MineralstoffBlatt
Mineralstoffanteil der Blätter; Kieselsäure und Spurenelemente wie Zink werden mit Gewebefestigung und Heilungsprozessen in Verbindung gebracht.
- Ursolsäure / Oleanolsäure (Triterpene)SonstigeBlatt
Triterpenoide mit beschriebener entzündungshemmender Aktivität in den Blattextrakten.
- [1]MonographieSamuelsen AB. The traditional uses, chemical constituents and biological activities of Plantago major L. A review. Journal of Ethnopharmacology 2000;71(1):1-21. DOI 10.1016/S0378-8741(00)00212-9(abgerufen: 2026-06-08)
- [4]MonographiePlantago major - Plants For A Future (PFAF) database(abgerufen: 2026-06-08)
- [5]MonographieBreitwegerich (Plantago major) - Beschreibung, Steckbrief, Systematik, Inhaltsstoffe (pflanzen-deutschland.de)(abgerufen: 2026-06-08)
- [7]MonographieHinweis zum Monografie-Status: Positive Kommission-E- und EMA/HMPC-Monografien betreffen Spitzwegerich (Plantago lanceolata), nicht Breitwegerich (Plantago major) - Arzneipflanzen-Lexikon(abgerufen: 2026-06-08)
- [8]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Plantago major L.s.l.: schwach giftig (+) (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [2]WikipediaPlantago major - Wikipedia (English)(abgerufen: 2026-06-08)
- [3]WikipediaBreitwegerich - Wikipedia (Deutsch)(abgerufen: 2026-06-08)
- [6]WikidataPlantago major (Q157419) - Wikidata(abgerufen: 2026-06-08)
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