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Oleander
Giftig🐾Nerium · (Nerium oleander)
Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Beschreibung
Der Oleander schmückt mit seinen ledrigen, immergrünen Blättern und den rosa bis weißen Blütendolden zahllose mediterrane Gärten und Kübelpflanzungen — und zählt zugleich zu den giftigsten Zierpflanzen Europas. Alle Teile, die zwischen Juni und September blühen, enthalten herzwirksame Cardenolid-Glykoside, allen voran Oleandrin, daneben Neriin, Adynerin und Odorosid. Historisch wurden stark verdünnte Zubereitungen aus Blättern äußerlich sowie als Kreislauftinktur volksheilkundlich genutzt, eine Anwendung, die heute wegen der Vergiftungsgefahr nicht mehr empfohlen wird. Bereits ein einzelnes Blatt kann für ein Kind gefährlich werden, und selbst das Wasser einer Vase mit Oleanderzweigen ist toxisch. Oleanderzweige dürfen niemals als Grillspieße verwendet werden — tödliche Vergiftungen sind dokumentiert. Symptome reichen von Übelkeit und Erbrechen bis zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen. Bei Vergiftungsverdacht ist umgehend der Notruf zu kontaktieren; ein spezifisches Gegenmittel existiert in Form digitalis-spezifischer Antikörperfragmente.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
Bereits ein einzelnes Blatt kann für Kinder tödlich sein; etwa 100 g Blätter genügen, um ein Pferd zu töten. KEINE Oleanderzweige als Grill- oder Aufspiessstäbchen verwenden — tödliche Picknick-Vergiftungen sind dokumentiert.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Cardenolide passieren die Plazentaschranke und können fetale Herzrhythmusstörungen und Aborte auslösen. Jede orale oder grossflächig dermale Anwendung in der Schwangerschaft ist strikt kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Herzglykoside können in die Muttermilch übergehen und beim Säugling kardiotoxische Effekte (Bradykardie, AV-Block) auslösen. Stillzeit: strikt kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder sind wegen geringer Körpermasse und empfindlicher Herzphysiologie besonders gefährdet — bereits ein einzelnes Blatt oder wenige Samen können tödlich sein. Oleander-Kübelpflanzen auf Balkon und Terrasse müssen ausser Reichweite von Kindern aufgestellt werden. Verschluckte Blüten oder Blätter: SOFORT Giftnotruf.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin, Strophanthin, Convallaria-Glykoside) · Kaliumverlust-Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika wie Furosemid) · Intravenöses Calcium / Calcium-Salze · Beta-Blocker und Calciumkanal-Blocker (Verapamil, Diltiazem)
Volksmedizinische äusserliche Anwendung von Oleander-Blattabsuden bei Krätze (Skabies) und parasitärem Hautbefall im Mittelmeerraum und in Indien. Auch die Behandlung von Lepra-Hautläsionen mit Wurzelrindenöl ist in der ayurvedischen Tradition dokumentiert. Wegen der starken Hautirritation und perkutanen Glykosidresorption über verletzte Haut heute nicht mehr empfohlen.
Anleitung & Dosierung
Indisch-ayurvedische Anwendung von Oleander-Wurzelpaste auf genitale Ulzera und Hautgeschwüre. Daneben wird Wurzelrindenöl bei schuppigen Hautkrankheiten und Lepra-bedingten Läsionen aufgetragen. Trotz traditioneller Verbreitung gilt diese Anwendung wegen perkutaner Toxizität heute als gefährlich.
Anleitung & Dosierung
Quellen: [3]
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Historische pharmazeutische Verwendung standardisierter Oleander-Blattextrakte (Folia Nerii) als Herzglykosid-Quelle bei Herzinsuffizienz und Wassersucht — analog zu Digitalis purpurea. Wirkprinzip: Hemmung der Na+/K+-ATPase der Herzmuskelzelle durch Oleandrin und verwandte Cardenolide, dadurch positiv inotrope Wirkung. Heute obsolet, weil Digoxin und Digitoxin standardisierter und sicherer dosierbar sind; die therapeutische Breite von Oleander-Extrakten ist extrem schmal.
Anleitung & Dosierung
Homöopathische Verwendung von Nerium oleander (Urtinktur, D2–D30) bei Herzschwäche, Arrhythmien und Aszites in der klassischen Homöopathie. In hohen Verdünnungen (ab D6) gelten die Präparate als sicher, weil keine pharmakologisch wirksame Glykosidmenge mehr enthalten ist. Urtinktur und niedrige Potenzen bleiben hochtoxisch.
Anleitung & Dosierung
Antike und mittelalterliche Verwendung als angebliches Antidot bei Schlangenbiss (Mischung mit Raute, oral verabreicht) — bereits von Plinius dem Älteren und Dioskurides erwähnt. Diese Anwendung ist nach heutigem Wissen toxikologisch kontraproduktiv und additiv gefährlich.
Anleitung & Dosierung
Quellen: [1]
Untersuchung von Oleandrin und Oleander-Extrakten (z. B. Anvirzel, PBI-05204) als experimentelle Krebs- und antivirale Therapie in klinischen Studien. Ergebnisse sind bislang negativ: Die US-FDA lehnte 2020 einen Antrag auf Oleandrin als Nahrungsergänzungsmittel ab; klinische Wirksamkeit ist nicht belegt. Anwendung ausserhalb kontrollierter Studien ist gefährlich.
Anleitung & Dosierung
⚠ Nur äußerlich anwenden
EXTREM GIFTIG — ALLE PFLANZENTEILE. Nerium oleander gehört zu den giftigsten Zierpflanzen in europäischen Gärten und auf Balkonen. Alle Teile (Blätter, Blüten, Samen, Holz, Wurzeln, Milchsaft) enthalten Cardenolid-Herzglykoside (Oleandrin, Neriin, Adynerin, Oleandrigenin, Odorosid). Bereits ein einzelnes Blatt kann für Kinder tödlich sein; etwa 100 g Blätter genügen, um ein Pferd zu töten. Selbst das Vasenwasser von Oleanderzweigen ist toxisch. KEINE Oleanderzweige als Grill- oder Aufspiessstäbchen verwenden — tödliche Picknick-Vergiftungen sind dokumentiert. Vergiftungssymptome: Übelkeit, Erbrechen, blutiger Durchfall, Bauchschmerzen, Bradykardie, AV-Block, Hyperkaliämie, Sehstörungen (Gelbsehen), Kammerflimmern, Herzstillstand. Bei Vergiftungsverdacht: SOFORT Notruf (112/911) und Giftnotruf kontaktieren. Antidot: digitalis-spezifische Antikörperfragmente (Digifab) — wirken auch gegen Oleandrin. Keine Selbstmedikation. Keine Laienverwendung. ASPCA-Einstufung (abgerufen 2026-08-10): für Hunde und Katzen giftig.
Cardenolide passieren die Plazentaschranke und können fetale Herzrhythmusstörungen und Aborte auslösen. Jede orale oder grossflächig dermale Anwendung in der Schwangerschaft ist strikt kontraindiziert.
Herzglykoside können in die Muttermilch übergehen und beim Säugling kardiotoxische Effekte (Bradykardie, AV-Block) auslösen. Stillzeit: strikt kontraindiziert.
Kinder sind wegen geringer Körpermasse und empfindlicher Herzphysiologie besonders gefährdet — bereits ein einzelnes Blatt oder wenige Samen können tödlich sein. Oleander-Kübelpflanzen auf Balkon und Terrasse müssen ausser Reichweite von Kindern aufgestellt werden. Verschluckte Blüten oder Blätter: SOFORT Giftnotruf.
Wechselwirkungen
Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin, Strophanthin, Convallaria-Glykoside)
Additive Hemmung der Na+/K+-ATPase und additive kardiale Inotropie — kumulative Toxizität mit Risiko für AV-Block, ventrikuläre Arrhythmien und Herzstillstand. Gleichzeitige Anwendung absolut zu vermeiden.
Kaliumverlust-Diuretika (Thiazide, Schleifendiuretika wie Furosemid)
Diuretika-induzierte Hypokaliämie erhöht die Sensitivität der Herzmuskelzelle gegenüber Cardenoliden erheblich — Vergiftung bereits bei sonst tolerierten Dosen möglich.
Intravenöses Calcium / Calcium-Salze
Calcium-Infusion bei Glykosidvergiftung ist klassisch kontraindiziert (stone heart phenomenon): Cardenolide blockieren die Na+/K+-ATPase, intrazelluläres Calcium steigt; zusätzliches IV-Calcium kann tetanische Kontraktur und Herzstillstand auslösen.
Beta-Blocker und Calciumkanal-Blocker (Verapamil, Diltiazem)
Additive negativ-chronotrope und negativ-dromotrope Effekte am Sinus- und AV-Knoten verstärken die Glykosid-induzierte Bradykardie und das AV-Block-Risiko.
QT-Zeit-verlängernde Medikamente (Antiarrhythmika Klasse Ia/III, Makrolide, Fluorchinolone, Antipsychotika)
Cardenolide können das QT-Intervall sekundär beeinflussen; bei Kombination steigt das Risiko für Torsade de pointes und ventrikuläre Arrhythmien deutlich.
Systemische Kortikosteroide und Laxanzien (chronisch)
Verursachen Kaliumverluste und damit verstärkte Empfindlichkeit gegenüber Cardenoliden — analog zu Diuretika.
Kontraindikationen
- Gleichzeitige Therapie mit Digitalis-Glykosiden (Digoxin, Digitoxin) — additive, oft tödliche Kardiotoxizität
- Hypokaliämie (z. B. unter Schleifendiuretika) — drastisch erhöhte Glykosidempfindlichkeit der Herzmuskelzelle
- AV-Block II. und III. Grades — Verlängerung der AV-Überleitung durch Cardenolide
- Wolff-Parkinson-White-Syndrom und andere akzessorische Leitungsbahnen
- Niereninsuffizienz — verzögerte Elimination der Glykoside, Kumulationsgefahr
- Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM)
- Hyperkalzämie — verstärkte Glykosidtoxizität durch erhöhte intrazelluläre Calciumkonzentration
- Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 18 Jahren (siehe oben)
Erntet wird: alle Pflanzenteile
- Tageszeit:
- Vormittags an trockenen Sommertagen — höchster Cardenolidgehalt in voll ausgereiften Blättern
- Trocknung:
- Blätter im Schatten bei 35–45 °C trocknen. SCHUTZHANDSCHUHE PFLICHT — Milchsaft ist hautreizend und perkutan resorbierbar; Aerosolexposition beim Schneiden vermeiden. Getrocknetes Material in klar als GIFTIG beschrifteten Behältern aufbewahren, ausserhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren.
- Tageszeit:
- Morgens nach Tautrocknung in voller Blüte
- Trocknung:
- Blüten flach auslegen und bei max. 35 °C im Schatten trocknen; Sortenfarbe und Cardenolidgehalt bleiben stabil. Schutzhandschuhe tragen — auch Pollen und Nektar enthalten Glykoside.
- OleandrinGlykosidAnteil: 0.08-0.4 %
Hauptcardenolid der Oleander-Blätter; kompetitiver Hemmer der Na+/K+-ATPase der Herzmuskelzelle; positiv inotrop wie Digoxin, aber mit erheblich engerer therapeutischer Breite. LD50 (Katze, i.v.) etwa 0,248 mg/kg; LD50 (Tiere allgemein) etwa 0,5 mg/kg. Untersucht in den experimentellen Krebspräparaten Anvirzel und PBI-05204 — bisher ohne klinischen Nutzen.
- Oleandrigenin (Aglykon)GlykosidAnteil: Spuren
Deglykosyliertes Aglykon des Oleandrins; entsteht durch metabolischen Abbau und enzymatische Hydrolyse; pharmakologisch ebenfalls kardioaktiv, jedoch mit geringerer Gewebsaffinität als das Glykosid.
- NeriinGlykosidAnteil: nicht quantifiziert
Cardenolid-Glykosid der Apocynaceen; trägt zur Gesamttoxizität des Oleanders bei; pharmakologisch dem Oleandrin verwandt, Wirkung auf Na+/K+-ATPase. In der älteren pharmazeutischen Literatur als 'Nerein' beschrieben.
- AdynerinGlykosidAnteil: nicht quantifiziert
Cardenolid-Glykosid, das in Oleander-Blättern und -Rinde nachgewiesen wurde; trägt additiv zur Kardiotoxizität bei; geringere Affinität zur Na+/K+-ATPase als Oleandrin.
- Odoroside (Odorosid H)GlykosidAnteil: Spuren
Digitoxigenin-Glykosid mit Cardenolid-Struktur; auf Wikipedia-Niveau als Inhaltsstoff von Nerium oleander dokumentiert; weniger erforscht als Oleandrin, jedoch ebenfalls kardiotoxisch.
- AdigosideGlykosidAnteil: Spuren
Weiteres Cardenolid-Glykosid des Oleanders; Bestandteil des Glykosid-Spektrums in Blättern und Rinde; pharmakologisch untergeordnete Bedeutung.
- NeritalosideGlykosidAnteil: Spuren
Cardenolid-Glykosid, verwandt mit Oleandrin und in Oleander-Blattextrakten nachgewiesen; trägt zum Glykosid-Pool des Pflanzenmaterials bei.
- Triterpene und Pregnan-GlykosideSonstigeAnteil: nicht quantifiziert
Begleitende Steroide und Triterpene (Ursolsäure, Oleanolsäure, Pregnan-Derivate); pharmakologisch untergeordnete Rolle gegenüber den Cardenoliden, jedoch in Phytochemie-Analysen regelmässig nachgewiesen.
- [5]MonographieASPCA Animal Poison Control — Oleander (Nerium oleander)(abgerufen: 2026-08-10)
- [6]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Nerium oleander L.: sehr stark giftig +++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [3]BuchPlants For A Future — Nerium oleander(abgerufen: 2026-05-26)
- [1]WikipediaNerium oleander — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [2]WikipediaOleandrin — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [4]WikidataNerium oleander — Wikidata Q155833(abgerufen: 2026-05-26)