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Gemeine Alraune
Giftig🐾Mandragora officinarum · (Mandragora officinarum)
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Beschreibung
Kaum eine Heilpflanze ist so von Mythen umrankt wie die Gemeine Alraune, deren verzweigte, oft menschenähnliche Wurzel im Volksglauben als Schutzfigur geschnitzt und gehütet wurde – wer sie ausriss, so hieß es, müsse ihren tödlichen „Schrei" fürchten. Auch die Bibel erwähnt die Wurzel im Buch Genesis als Fruchtbarkeitsmittel, und Dioskurides beschrieb im ersten Jahrhundert eine Wurzelabkochung, die vor chirurgischen Eingriffen Bewusstlosigkeit herbeiführen sollte – eine frühe Form der Narkose. Verantwortlich für diese Wirkungen sind hochwirksame Tropanalkaloide wie Hyoscyamin, Scopolamin und Atropin, die in der gesamten Pflanze, besonders aber in der Wurzel, vorkommen. Im Mittelalter wurde die Alraune zudem gegen Melancholie und Krampfanfälle eingesetzt, in hohen Dosen soll sie jedoch Delirium ausgelöst haben. Alle diese historischen Anwendungen sind heute vollständig überholt: Die Pflanze ist hochgiftig und kann bereits in geringen Mengen Mundtrockenheit, Herzrasen, Halluzinationen, Krämpfe bis hin zu tödlicher Atemlähmung verursachen. Jeglicher Eigenanbau oder -konsum ist strikt verboten; bei Vergiftungsverdacht muss sofort der Giftnotruf kontaktiert werden.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
SEHR GIFTIG — gesamte Pflanze, besonders Wurzel. Mandragora officinarum enthält die Tropanalkaloide Hyoscyamin, Scopolamin (Hyoscin) und das Racemat Atropin sowie Begleitalkaloide (Cuscohygrin, Apoatropin, Scopin). Wirkmechanismus: kompetitive Hemmung muskarinischer Acetylcholin-Rezeptoren — typisches anticholinerges (atropinartiges) Syndrom. Symptome: Mundtrockenheit, Mydriasis, Tachykardie, Hautrötung, Harnverhalt, Halluzinationen, Verwirrtheit, Krämpfe, Koma, Tod durch zentrale Atemlähmung. Bei Verdacht: sofort Giftnotruf (DE 030 19240 / 0761 19240). Keine Selbstmedikation, keine Eigenanwendung — nur botanisch-historisches Studium.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Tropanalkaloide (Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie sowie zentralnervöse Schäden auslösen. Dioskurides erwähnte historisch eine abortifizierende Wirkung. Jede Anwendung in der Schwangerschaft ist absolut kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Atropin und Scopolamin treten in die Muttermilch über und können beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber, Unruhe) verursachen. Stillzeit: strikt kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Tropanalkaloide; bereits kleine Mengen Wurzel können tödliche Vergiftungen verursachen. Die gegabelte, oft menschenähnliche Wurzelform und die orangefarbenen Beeren wirken anziehend. Kein Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin, Glycopyrrolat) · Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin, Clomipramin) · MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin, Selegilin, Moclobemid) · Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin, Pyridostigmin)
Äusserliche Anwendung: Geriebener Wurzelsaft oder Salben aus Alraune wurden in der Antike und im Mittelalter gegen rheumatische Schmerzen und chronische Hautulzera aufgetragen. PFAF dokumentiert diese topische Verwendung. Wegen perkutaner Tropanalkaloid-Resorption und Hautreizung heute nicht mehr praktiziert.
Anleitung & Dosierung
Magisch-rituelle Verwendung: Geschnitzte gegabelte Wurzeln, im deutschen Sprachraum 'Alraun(männlein)' genannt, wurden als anthropomorphe Schutzfiguren gehalten. Theophrast schrieb vor, dreimal mit dem Schwert um die Wurzel zu kreisen; Flavius Josephus dokumentierte das Anbinden eines Hundes zum Ausreissen der Wurzel — der Volksglaube hielt den 'Schrei' der Wurzel für tödlich. Reine Kulturgeschichte, keine medizinische Anwendung.
Anleitung & Dosierung
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Antike Anästhesie: Dioskurides beschrieb in 'De Materia Medica' (1. Jh. n. Chr.) die Verabreichung eines Cyathus (ca. 45 ml) eines Alraunwurzel-Sudes vor chirurgischen Eingriffen, um Bewusstlosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit zu erzielen. Plinius (Naturalis Historia) erwähnt dieselbe narkotische Wirkung. Diese historische präoperative Anwendung ist heute durch moderne Anästhetika vollständig ersetzt.
Anleitung & Dosierung
Mittelalterliche Verwendung gegen Melancholie, Krampfanfälle und Manie. In grossen Dosen löste die Alraunwurzel laut Überlieferung Delirium und 'Tollheit' aus. Wegen extremer Tropanalkaloid-Toxizität (Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin) heute obsolet; ausschliesslich kultur- und pharmaziehistorisch interessant.
Anleitung & Dosierung
Biblisch-folkloristische Fruchtbarkeitsdeutung: Genesis 30:14–16 schildert, wie Ruben Alraunen auf dem Feld findet und Lea sie von Rahel gegen eine Nacht mit Jakob eintauscht — die Pflanze galt als Mittel gegen Unfruchtbarkeit. Dioskurides erwähnte daneben eine abortifizierende Wirkung. Beide Anwendungen sind heute pharmakologisch nicht belegt und wegen extremer Toxizität strikt zu unterlassen.
Anleitung & Dosierung
Homöopathische Verwendung: Mandragora officinarum wird in der Homöopathie (D6–D30) bei Unruhe, Schlafstörungen und nervöser Erschöpfung eingesetzt. Hochverdünnte homöopathische Stufen enthalten keine pharmakologisch wirksamen Alkaloidmengen. Eigene Herstellung aus Pflanzenmaterial ist wegen Toxizität strikt verboten.
Anleitung & Dosierung
⚠ Nur äußerlich anwenden
SEHR GIFTIG — gesamte Pflanze, besonders Wurzel. Mandragora officinarum enthält die Tropanalkaloide Hyoscyamin, Scopolamin (Hyoscin) und das Racemat Atropin sowie Begleitalkaloide (Cuscohygrin, Apoatropin, Scopin). Wirkmechanismus: kompetitive Hemmung muskarinischer Acetylcholin-Rezeptoren — typisches anticholinerges (atropinartiges) Syndrom. Symptome: Mundtrockenheit, Mydriasis, Tachykardie, Hautrötung, Harnverhalt, Halluzinationen, Verwirrtheit, Krämpfe, Koma, Tod durch zentrale Atemlähmung. Bei Verdacht: sofort Giftnotruf (DE 030 19240 / 0761 19240). Keine Selbstmedikation, keine Eigenanwendung — nur botanisch-historisches Studium.
Tropanalkaloide (Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie sowie zentralnervöse Schäden auslösen. Dioskurides erwähnte historisch eine abortifizierende Wirkung. Jede Anwendung in der Schwangerschaft ist absolut kontraindiziert.
Atropin und Scopolamin treten in die Muttermilch über und können beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber, Unruhe) verursachen. Stillzeit: strikt kontraindiziert.
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Tropanalkaloide; bereits kleine Mengen Wurzel können tödliche Vergiftungen verursachen. Die gegabelte, oft menschenähnliche Wurzelform und die orangefarbenen Beeren wirken anziehend. Kein Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
Wechselwirkungen
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin, Glycopyrrolat)
Additive anticholinerge Wirkung: verstärkte Mundtrockenheit, Mydriasis, Harnretention, Tachykardie, bis hin zum zentral-anticholinergen Syndrom mit Delirium.
Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin, Clomipramin)
Trizyklika haben inhärente anticholinerge Aktivität; Kombination mit Mandragora-Alkaloiden potenziert anticholinerge Nebenwirkungen erheblich, einschliesslich kognitiver Beeinträchtigung.
MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin, Selegilin, Moclobemid)
MAO-Hemmer können die Wirkung und Toxizität von Tropanalkaloiden durch verminderten Katecholamin-Abbau verstärken; zentralnervöse Exzitation und hypertensive Krisen möglich.
Antihistaminika der 1. Generation (Diphenhydramin, Promethazin, Doxylamin)
Erste-Generation-H1-Antihistaminika besitzen anticholinerge Eigenschaften; additive Effekte bei Kombination mit Mandragora-Alkaloiden, besonders Sedierung und Mundtrockenheit.
Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin, Pyridostigmin)
Pharmakodynamischer Antagonismus: Cholinesterase-Hemmer erhöhen Acetylcholin, Tropanalkaloide blockieren muskarinische Rezeptoren — Wirkverlust beider Substanzen, klinisch unkontrollierbarer Effekt.
Kontraindikationen
- Engwinkelglaukom — Atropin verschlechtert den Augeninnendruck dramatisch
- Benigne Prostatahyperplasie mit Miktionsstörungen — anticholinerge Harnretention
- Tachyarrhythmien und Vorhofflimmern — Tropanalkaloide erhöhen die Herzfrequenz
- Mechanischer Ileus und Megakolon — Anticholinergika lähmen die Darmmotilität
- Myasthenia gravis — antagonisiert die neuromuskuläre Übertragung
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche (siehe oben)
Erntet wird: Wurzel
- Tageszeit:
- Spätsommer bis Herbst nach Welken der oberirdischen Blätter — höchster Alkaloidgehalt in der Wurzel. Theophrast und Josephus überlieferten elaborate Schutzrituale (Schwertkreise, Hund), die heute als reine Folklore gelten.
- Trocknung:
- ACHTUNG: nur für historisch-dokumentarische oder botanische Zwecke. Wurzeln waschen, in Scheiben schneiden, schnell bei 40–50 °C im Schatten trocknen — Feuchtigkeit fördert Racemisierung (l-Hyoscyamin → Atropin) und mikrobiellen Abbau. Trockenzeit max. 4–6 Stunden. SCHUTZHANDSCHUHE PFLICHT — perkutane Alkaloidaufnahme möglich.
- Tageszeit:
- Frühsommer, wenn die kugeligen, gelb-orangen Früchte reif sind. Genesis 30:14 spielt zur Weizenernte (Mai/Juni) — botanisch konsistent mit der Reifezeit im Mittelmeerraum.
- Trocknung:
- Früchte enthalten weniger Tropanalkaloide als die Wurzel, sind aber dennoch giftig. Trocknung im Schatten bei 30–40 °C; getrocknete Früchte schimmeln leicht. Keine medizinische Anwendung — botanisch-dokumentarisch.
- HyoscyamineAlkaloidAnteil: 0.2-0.4 %
Biologisch aktives l-Enantiomer; Hauptalkaloid frischer Alraunwurzeln; kompetitiver Antagonist an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren (M1–M5); etwa doppelt so potent wie das Racemat Atropin; racemisiert bei Trocknung und Extraktion teilweise zu Atropin.
- Scopolamine (Hyoscine)AlkaloidAnteil: 0.05-0.15 %
Epoxyd-Derivat des Tropans; stärker zentral sedierend als Atropin; antiemetisch wirksam; überwindet die Blut-Hirn-Schranke effizient; verantwortlich für Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen bei Alraun-Intoxikation. Moderne Reisekrankheitspflaster nutzen Scopolamin.
- Atropine (dl-Hyoscyamine)AlkaloidAnteil: Spuren bis 0.1 %
Racemisches Gemisch aus l- und d-Hyoscyamin; entsteht teils während Trocknung und Aufbereitung aus l-Hyoscyamin; mydriatisch, antispasmodisch, antisekretorisch; klinisch genutzt als Antidot bei Organophosphat-Vergiftung.
- CuscohygrineAlkaloidAnteil: < 0.05 %
Pyrrolidin-Alkaloid; Begleitsubstanz in Solanaceen-Wurzeln; pharmakologische Bedeutung gering; analytischer Marker zur Wurzel-Identifikation.
- ApoatropineAlkaloidAnteil: < 0.05 %
Dehydrierungsprodukt des Atropins; schwächere anticholinerge Aktivität; entsteht bei Erhitzung oder Lagerung des Rohmaterials.
- ScopineAlkaloidAnteil: Spuren
Abbauprodukt des Scopolamins; kaum pharmakologisch aktiv; identifiziert in Wurzelextrakten.
- Withanolides (Mandragorosides)SonstigeAnteil: nicht quantifiziert
Steroidale Lactone; in Mandragora-Wurzeln und -Blättern beschrieben (Erstbeschreibung Gattung Mandragora); chemotaxonomisch interessante Nebensubstanzen; geringe pharmakologische Bewertung im Vergleich zu Tropanalkaloiden.
- Sitosterol & ScopoletinSonstigeAnteil: Spuren
Nicht-alkaloidische Begleitsubstanzen: Sitosterol (Phytosterol) und Scopoletin (Cumarin-Derivat); in Wurzel und Blatt nachgewiesen; pharmakologisch ohne klinische Relevanz im Alraun-Kontext.
- [4]BuchPlants for a Future — Mandragora officinarum(abgerufen: 2026-05-26)
- [1]WikipediaMandragora officinarum — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [2]WikipediaGemeine Alraune — Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-05-26)
- [3]WikipediaMandrake — Wikipedia (EN) [folklore, Genesis 30:14, Dioscorides, Theophrastus, Josephus](abgerufen: 2026-05-26)
- [5]WikidataMandragora officinarum — Wikidata Q545550(abgerufen: 2026-05-26)