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Gemeine Alraune
Giftig🐾Mandragora officinarum · (Mandragora officinarum)
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Beschreibung
Die Gemeine Alraune, deren Wurzel auch Alraunwurzel genannt wird, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Alraunen (Mandragora) in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Sie wurde seit der Antike unter anderem als Zauberpflanze geschätzt, ihre Verwendung hat daher eine lange kulturgeschichtliche Tradition.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
SEHR GIFTIG — gesamte Pflanze, besonders Wurzel. Mandragora officinarum enthält die Tropanalkaloide Hyoscyamin, Scopolamin (Hyoscin) und das Racemat Atropin sowie Begleitalkaloide (Cuscohygrin, Apoatropin, Scopin). Wirkmechanismus: kompetitive Hemmung muskarinischer Acetylcholin-Rezeptoren — typisches anticholinerges (atropinartiges) Syndrom. Symptome: Mundtrockenheit, Mydriasis, Tachykardie, Hautrötung, Harnverhalt, Halluzinationen, Verwirrtheit, Krämpfe, Koma, Tod durch zentrale Atemlähmung. Bei Verdacht: sofort Giftnotruf (DE 030 19240 / 0761 19240). Keine Selbstmedikation, keine Eigenanwendung — nur botanisch-historisches Studium.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Tropanalkaloide (Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie sowie zentralnervöse Schäden auslösen. Dioskurides erwähnte historisch eine abortifizierende Wirkung. Jede Anwendung in der Schwangerschaft ist absolut kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Atropin und Scopolamin treten in die Muttermilch über und können beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber, Unruhe) verursachen. Stillzeit: strikt kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Tropanalkaloide; bereits kleine Mengen Wurzel können tödliche Vergiftungen verursachen. Die gegabelte, oft menschenähnliche Wurzelform und die orangefarbenen Beeren wirken anziehend. Kein Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin, Glycopyrrolat) · Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin, Clomipramin) · MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin, Selegilin, Moclobemid) · Cholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin, Pyridostigmin)
- SalbeWurzelÄußerlichVolksmedizin
Äusserliche Anwendung: Geriebener Wurzelsaft oder Salben aus Alraune wurden in der Antike und im Mittelalter gegen rheumatische Schmerzen und chronische Hautulzera aufgetragen. PFAF dokumentiert diese topische Verwendung. Wegen perkutaner Tropanalkaloid-Resorption und Hautreizung heute nicht mehr praktiziert.
Anleitung & Dosierung
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- TinkturWurzelÄußerlichVolksmedizin
Magisch-rituelle Verwendung: Geschnitzte gegabelte Wurzeln, im deutschen Sprachraum 'Alraun(männlein)' genannt, wurden als anthropomorphe Schutzfiguren gehalten. Theophrast schrieb vor, dreimal mit dem Schwert um die Wurzel zu kreisen; Flavius Josephus dokumentierte das Anbinden eines Hundes zum Ausreissen der Wurzel — der Volksglaube hielt den 'Schrei' der Wurzel für tödlich. Reine Kulturgeschichte, keine medizinische Anwendung.
Anleitung & Dosierung
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Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
- TinkturWurzelInnerlichTraditionell
Antike Anästhesie: Dioskurides beschrieb in 'De Materia Medica' (1. Jh. n. Chr.) die Verabreichung eines Cyathus (ca. 45 ml) eines Alraunwurzel-Sudes vor chirurgischen Eingriffen, um Bewusstlosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit zu erzielen. Plinius (Naturalis Historia) erwähnt dieselbe narkotische Wirkung. Diese historische präoperative Anwendung ist heute durch moderne Anästhetika vollständig ersetzt.
Anleitung & Dosierung
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- RohWurzelInnerlichVolksmedizin
Mittelalterliche Verwendung gegen Melancholie, Krampfanfälle und Manie. In grossen Dosen löste die Alraunwurzel laut Überlieferung Delirium und 'Tollheit' aus. Wegen extremer Tropanalkaloid-Toxizität (Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin) heute obsolet; ausschliesslich kultur- und pharmaziehistorisch interessant.
Anleitung & Dosierung
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- RohWurzelInnerlichVolksmedizin
Biblisch-folkloristische Fruchtbarkeitsdeutung: Genesis 30:14–16 schildert, wie Ruben Alraunen auf dem Feld findet und Lea sie von Rahel gegen eine Nacht mit Jakob eintauscht — die Pflanze galt als Mittel gegen Unfruchtbarkeit. Dioskurides erwähnte daneben eine abortifizierende Wirkung. Beide Anwendungen sind heute pharmakologisch nicht belegt und wegen extremer Toxizität strikt zu unterlassen.
Anleitung & Dosierung
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- TinkturWurzelInnerlichVolksmedizin
Homöopathische Verwendung: Mandragora officinarum wird in der Homöopathie (D6–D30) bei Unruhe, Schlafstörungen und nervöser Erschöpfung eingesetzt. Hochverdünnte homöopathische Stufen enthalten keine pharmakologisch wirksamen Alkaloidmengen. Eigene Herstellung aus Pflanzenmaterial ist wegen Toxizität strikt verboten.
Anleitung & Dosierung
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