© H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Commons
Schwarzes Bilsenkraut
Giftig🐾Hyoscyamus niger · (Hyoscyamus niger)
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Beschreibung
Das Schwarze Bilsenkraut ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Bilsenkräuter innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Scopolamin und Hyoscyamin passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie sowie ZNS-Schäden verursachen. Jede Exposition in der Schwangerschaft ist streng kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Tropanalkaloide gehen in die Muttermilch über und können beim Säugling anticholinerge Effekte auslösen. Stillzeit: streng kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Tropanalkaloide. Jede Exposition ist absolut kontraindiziert.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin, Darifenacin)
- TinkturSamenÄußerlichVolksmedizin
Volksmedizinische externe Anwendung von Bilsenkraut-Ölauszügen bei Rheuma und neuralgischen Schmerzen. Samen wurden in Olivenöl gekocht und das Öl auf schmerzende Gelenke eingerieben. Diese Anwendung ist seit der Antike dokumentiert (Dioscorides, Plinius der Ältere) und galt lange als Analgetikum.
Anleitung & Dosierung
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Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
- InhalationBlattInnerlichVolksmedizin
Volksmedizinische Inhalation von Bilsenkraut-Rauch bei Asthma bronchiale und Keuchhusten. Getrocknete Blätter wurden auf Kohle verbrannt und der Rauch inhaliert. Historisch in Europa und dem Orient verbreitet — anticholinerge Bronchodilatation als Wirkprinzip. Heute wegen Toxizität obsolet.
Anleitung & Dosierung
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- TinkturBlattInnerlichTraditionell
Historische pharmazeutische Verwendung von Hyoscyamin-/Scopolamin-Extrakten aus Bilsenkraut als präoperatives Sedativum und zur Reduzierung von Bronchialsekret vor Narkosen. Bilsenkraut-Tinktur war bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Pharmakopöen enthalten. Heute durch reine Isolate (Scopolamin-TTS, Atropin-Injektionslösung) ersetzt.
Anleitung & Dosierung
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- TinkturKrautige TeileInnerlichVolksmedizin
Homöopathische Verwendung von Hyoscyamus (D6–C30) bei Erregungs- und Krampfzuständen, Schlafstörungen und manisch-halluzinatorischen Symptombildern. Reine homöopathische Verdünnungen (ab C12) enthalten keine pharmakologisch wirksamen Alkaloidmengen. Verbreitet in der klassischen Homöopathie als Konstitutionsmittel.
Anleitung & Dosierung
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- RohSamenInnerlichVolksmedizin
Ethnobotanische und schamanische Verwendung: Bilsenkraut-Samen galten als bewusstseinsverändernde Substanz in nordeuropäischen und nahöstlichen Ritualen. Archäologische Funde aus dem römischen Niederlande (Houten-Castellum, 70–100 n. Chr.) belegen das absichtliche Sammeln von Samen — vermutlich für rituelle oder medizinische Zwecke. Auch in der mittelalterlichen Hexenküche (Flugsalbe) erwähnt.
Anleitung & Dosierung
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- TinkturBlattInnerlichVolksmedizin
Historische Verwendung von Bilsenkraut in der mittelalterlichen Braukunde: Vor der Einführung von Hopfen wurden Bilsenkraut-Blätter und -Samen als berauschende Bierzusätze verwendet (Grutbier). Die etymologische Verbindung zum Stadtnamen Pilsen (Plzeň) wird in der Wissenschaft diskutiert, gilt aber als nicht gesichert. Das Reinheitsgebot (1516) beendete diese Praxis in Deutschland.
Anleitung & Dosierung
- TinkturWurzelInnerlichTraditionell
Pharmazeutische Quelle für Scopolamin-Isolate: Hyoscyamus niger ist neben Duboisia spp. eine der kommerziellen Ausgangspflanzen für die Scopolamingewinnung (Reisekrankheitspflaster, Prämedikation). Hairy-Root-Kulturen und Bioreaktortechnologie ermöglichen heute standardisierte Alkaloidproduktion ohne Wildsammlung.
Anleitung & Dosierung
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