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Foto von Schwarzes Bilsenkraut

© H. Zell · CC BY-SA 3.0 · Commons

Schwarzes Bilsenkraut

Giftig🐾

Hyoscyamus niger · (Hyoscyamus niger)

Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Beschreibung

Bereits in der Antike als starkes Rauschmittel gefürchtet, zählt das Schwarze Bilsenkraut zu den giftigsten heimischen Nachtschattengewächsen. Blätter und Samen enthalten Tropanalkaloide wie Hyoscyamin und Scopolamin, die einst – stark verdünnt – als präoperatives Beruhigungsmittel oder äußerlich bei rheumatischen Schmerzen eingesetzt wurden; auch geraucht sollen die Blätter historisch gegen Asthma geholfen haben. Archäologische Funde belegen zudem eine rituelle Nutzung der Samen im nordeuropäischen und römischen Raum, und in der mittelalterlichen Braukunst diente das Kraut vor Einführung des Hopfens als berauschender Bierzusatz. Alle diese Anwendungen sind heute obsolet: Hyoscyamus niger bleibt jedoch als Ausgangspflanze für die pharmazeutische Scopolamin-Gewinnung bedeutsam, etwa für Reisekrankheitspflaster. Die gesamte Pflanze ist hochgiftig – bereits kleine Mengen können Mundtrockenheit, Herzrasen, Halluzinationen, Krämpfe und Atemlähmung auslösen. Bei Verdacht auf Vergiftung ist sofort der Notruf zu verständigen; jeglicher Eigenanbau oder -konsum ist strikt zu unterlassen.

  • TinkturSamenÄußerlichVolksmedizin

    Volksmedizinische externe Anwendung von Bilsenkraut-Ölauszügen bei Rheuma und neuralgischen Schmerzen. Samen wurden in Olivenöl gekocht und das Öl auf schmerzende Gelenke eingerieben. Diese Anwendung ist seit der Antike dokumentiert (Dioscorides, Plinius der Ältere) und galt lange als Analgetikum.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [5] [6]

Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden

Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.

  • InhalationBlattInnerlichVolksmedizin

    Volksmedizinische Inhalation von Bilsenkraut-Rauch bei Asthma bronchiale und Keuchhusten. Getrocknete Blätter wurden auf Kohle verbrannt und der Rauch inhaliert. Historisch in Europa und dem Orient verbreitet — anticholinerge Bronchodilatation als Wirkprinzip. Heute wegen Toxizität obsolet.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [2] [5]

  • TinkturBlattInnerlichTraditionell

    Historische pharmazeutische Verwendung von Hyoscyamin-/Scopolamin-Extrakten aus Bilsenkraut als präoperatives Sedativum und zur Reduzierung von Bronchialsekret vor Narkosen. Bilsenkraut-Tinktur war bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Pharmakopöen enthalten. Heute durch reine Isolate (Scopolamin-TTS, Atropin-Injektionslösung) ersetzt.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [3] [8]

  • TinkturKrautige TeileInnerlichVolksmedizin

    Homöopathische Verwendung von Hyoscyamus (D6–C30) bei Erregungs- und Krampfzuständen, Schlafstörungen und manisch-halluzinatorischen Symptombildern. Reine homöopathische Verdünnungen (ab C12) enthalten keine pharmakologisch wirksamen Alkaloidmengen. Verbreitet in der klassischen Homöopathie als Konstitutionsmittel.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [4]

  • RohSamenInnerlichVolksmedizin

    Ethnobotanische und schamanische Verwendung: Bilsenkraut-Samen galten als bewusstseinsverändernde Substanz in nordeuropäischen und nahöstlichen Ritualen. Archäologische Funde aus dem römischen Niederlande (Houten-Castellum, 70–100 n. Chr.) belegen das absichtliche Sammeln von Samen — vermutlich für rituelle oder medizinische Zwecke. Auch in der mittelalterlichen Hexenküche (Flugsalbe) erwähnt.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [6]

  • TinkturBlattInnerlichVolksmedizin

    Historische Verwendung von Bilsenkraut in der mittelalterlichen Braukunde: Vor der Einführung von Hopfen wurden Bilsenkraut-Blätter und -Samen als berauschende Bierzusätze verwendet (Grutbier). Die etymologische Verbindung zum Stadtnamen Pilsen (Plzeň) wird in der Wissenschaft diskutiert, gilt aber als nicht gesichert. Das Reinheitsgebot (1516) beendete diese Praxis in Deutschland.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [1] [2]

  • TinkturWurzelInnerlichTraditionell

    Pharmazeutische Quelle für Scopolamin-Isolate: Hyoscyamus niger ist neben Duboisia spp. eine der kommerziellen Ausgangspflanzen für die Scopolamingewinnung (Reisekrankheitspflaster, Prämedikation). Hairy-Root-Kulturen und Bioreaktortechnologie ermöglichen heute standardisierte Alkaloidproduktion ohne Wildsammlung.

    Anleitung & Dosierung

    Quellen: [7] [9] [10]

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