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Foto von Gewöhnlicher Spindelstrauch

© George Chernilevsky · CC BY 4.0 · Commons

Gewöhnlicher Spindelstrauch

Giftig🐾

Euonymus europaeus · (Euonymus europaeus)

Spindelbaumgewächse (Celastraceae)

Beschreibung

Der Gewöhnliche Spindelstrauch, auch Europäisches oder Gewöhnliches Pfaffenhütchen, Pfaffenkäppchen, Pfaffenkapperl, Pfarrerkapperl, Spillbaum oder Spindelbaum genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae).

  • RohGanze PflanzeÄußerlichVolksmedizin

    Wichtigste moderne Verwendung des Gewöhnlichen Spindelstrauchs ist die Ziergehölz-Pflanzung in Wildhecken, an Waldrändern, in Bauerngärten und in städtischen Park- und Knickanlagen. Geschätzt für die spektakuläre Herbstfärbung (leuchtend orangerot bis purpurrot) und die unverwechselbaren rosa-roten, vierlappigen Kapselfrüchte mit orangen Samenmänteln, die noch nach dem Laubfall am kahlen Strauch hängen. In ökologisch ausgerichteten Hecken (z. B. norddeutsche Knicks) bietet er Vögeln (Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke) Nahrung und Brutplatz; die Blüten sind wichtige Pollenquelle für Wildbienen, Schwebfliegen und die Spindelbaum-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella). Keine Heilanwendung — der Eintrag dokumentiert ausdrücklich gärtnerische und ökologische Nutzung mit Warnhinweis zur Toxizität.

    Anleitung & Dosierung

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  • RohGanze PflanzeÄußerlichVolksmedizin

    Namensgebende historische Nutzung des sehr feinen, dichten und zähen Spindelholzes für gedrechselte Spindeln zum Wollspinnen, kleine Zahnstocher, Schuhmacher-Holznägel, Stricknadeln, Schnitzfiguren, Klaviertasten und Webschiffchen. Das harte, gleichmässig gefaserte Holz lässt sich extrem fein bearbeiten — daher die deutschen Namen 'Spindelstrauch', 'Spillbaum' und englisch 'spindle tree'. Der volkstümliche Name 'Pfaffenhütchen' (Pfaffen-Käppchen, frz. bonnet-de-prêtre, engl. priest's cap) bezieht sich nicht auf das Holz, sondern auf die Form der vierlappigen Kapselfrüchte, die an die viereckige Birettenkappe (Pileolus) katholischer Geistlicher erinnert.

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  • RohGanze PflanzeÄußerlichVolksmedizin

    Künstlerkohle ('Pulverholz', 'Reisskohle', frz. fusain): Die geschälten, in luftarmen Eisengefässen verschwelten Spindelstrauch-Reiser liefern eine besonders weiche, fein zeichnende Holzkohle für Künstler-Skizzen — daher die französische Bezeichnung 'fusain' (gleichzeitig der französische Name der Pflanze). Die Kohle zerreibt sich gleichmässig auf Papier, lässt sich mit dem Finger leicht verwischen und ist seit der Renaissance Standard-Skizziermaterial in europäischen Kunstakademien. Bis ins 19. Jahrhundert wurde Pfaffenhütchen-Kohle auch in Schiesspulver-Manufakturen als Komponente für Schwarzpulver verwendet (geringer Schwefelgehalt, gleichmässiger Abbrand).

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  • RohSamenÄußerlichVolksmedizin

    Historisch-volksmedizinische Verwendung des gepulverten reifen Samens als Mittel gegen Kopfläuse, Filzläuse und Krätzemilben bei Mensch und Vieh: das Samenpulver wurde in Schmalz, Schweinefett oder Pflanzenöl gemischt und in die Kopfhaut oder das Tierfell eingerieben. Die Wirkung beruht auf den im Samenöl enthaltenen sesquiterpenoiden Alkaloiden (Evonin, Evonolin) sowie auf den Cardenolid-Glykosiden, die akarizid und insektizid wirken. Bereits Hieronymus Bock (1546) und Lonicerus (1557) beschreiben diese Anwendung — heute strikt obsolet, weil systemische Resorption über die Haut bei längerer Anwendung zu Herzrhythmusstörungen führen kann und sichere, ungiftige Alternativen (Permethrin, Dimeticon) verfügbar sind. Reine historische Dokumentation, KEINE Anwendungsempfehlung.

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  • RohFruchtÄußerlichVolksmedizin

    Färberische und kunstgewerbliche Nutzung der Kapselfrüchte und orangen Samenmäntel: die Carotinoide des Arillus liefern einen gelb-orangen Farbstoff (historische Anwendung in der mitteleuropäischen Buttertinktur und für Wolle), während die rosa Kapselwand zerquetscht und mit Alaun gebeizt einen rosabraunen Wolltextilfarbton ergab. Die getrockneten Kapselfrüchte werden zudem in der Floristik für Herbstgestecke und Trockenkränze verwendet — Vorsicht: Kinder dürfen NICHT zum Sammeln eingeteilt werden, da die Versuchung, die leuchtenden Samen in den Mund zu nehmen, akut lebensgefährlich ist. Die Frucht ist KEINE Lebensmittelfarbe und darf NICHT für Butter, Käse oder Backwaren verwendet werden.

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Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden

Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.

  • TinkturRindeInnerlichVolksmedizin

    Historisch wurde die getrocknete und gepulverte Wurzel- und Stammrinde des Spindelstrauchs in homöopathischen sowie volksmedizinischen Tropfen-Zubereitungen als drastisches Abführmittel (Hydragogum) und Cholagogum bei Verstopfung, Wassersucht (Ödemen) und Gelbsucht angewandt. Der amerikanische Verwandte Euonymus atropurpureus (Wahoo) wurde im 19. Jahrhundert in der Eclectic Medicine in Form von 'Euonymin' als Leber- und Gallenmittel offiziell eingesetzt. Wirkmechanismus: Cardenolid-Glykoside (Evonosid, Evobiosid, Evomonosid) reizen die Darmschleimhaut massiv und wirken digitalisartig auf das Herz — daher das hohe Risiko von Übelkeit, blutigem Durchfall, Kollaps und Herzrhythmusstörungen schon bei therapeutischen Dosen. Heute vollständig obsolet, in keiner aktuellen Phytotherapie-Leitlinie enthalten.

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