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Echter Seidelbast
Giftig🐾Daphne mezereum · (Daphne mezereum)
Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae)
Beschreibung
Noch bevor sich im zeitigen Frühjahr die ersten Blätter zeigen, bedeckt sich der Echte Seidelbast mit duftenden, rosa-violetten Blüten direkt am kahlen Holz — ein auffälliges Merkmal dieses seltenen, unter Naturschutz stehenden Strauchs der Wälder Mitteleuropas. Im Sommer reifen daraus leuchtend rote Steinfrüchte; genutzt wurden historisch vor allem Rinde und Beeren, die Diterpenester wie Mezerein und Daphnetoxin sowie das Cumarin-Glykosid Daphnin enthalten. In der Volksmedizin fand die Rinde äusserliche Anwendung bei Hautleiden und Gelenkbeschwerden — Praktiken, die aus heutiger Sicht wegen der extremen Toxizität nicht mehr nachvollzogen werden sollten. Der Echte Seidelbast zählt zu den giftigsten heimischen Wildpflanzen: Schon wenige Beeren können für Kinder tödlich sein, und bereits der Kontakt mit Rindensaft verursacht schmerzhafte Hautblasen. Die Pflanze ist gesetzlich geschützt und darf ohnehin nicht gesammelt werden.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Diterpenester (Mezerein, Daphnetoxin) sind potente PKC-Aktivatoren mit Tumor-Promotor-Aktivität; jede orale, dermale oder homöopathische Anwendung unterhalb D6 ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Übergang in die Plazenta sehr wahrscheinlich.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Aufgrund der Diterpen-Toxizität und der ko-karzinogenen Wirkung ist jede Anwendung in der Stillzeit strikt kontraindiziert. Auch Hautkontakt mit Pflanzensaft beim Beschnitt im Garten sollte vermieden werden.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder sind extrem gefährdet — die rotglänzenden Beeren wirken auf Kleinkinder besonders verlockend. Bereits 4–5 Beeren können tödlich sein. Seidelbast darf in Hausgärten mit Kleinkindern nicht gepflanzt werden; falls vorhanden: Beeren konsequent entfernen, vor der Reife abschneiden. Verschluckte Beeren: SOFORT Giftnotruf.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Topische Reizmittel und Rubefacientia (Capsaicin-Pflaster, Senfmehl, Cantharidin) · Phorbol-Ester-haltige Forschungssubstanzen (TPA / PMA) und PKC-Modulatoren · Schleimhaut-reizende Medikamente (NSAR, Bisphosphonate, Kaliumchlorid-Retardpräparate)
Historische topische Anwendung des Seidelbast-Rinden-Pflasters ('Mezereon-Pflaster', Cortex Mezerei) als Vesikans (Blasenzieher) und Hautreizmittel bei chronischem Rheumatismus, Ischias und Gelenkschmerzen. Die feuchte Rinde wurde nach Maud Grieve (1931) in heisser Essig-Wasser-Mischung erweicht und als Kompresse aufgelegt — innerhalb von 24–48 Stunden bildeten sich Rötung und Blasen, die als ableitende Reiztherapie galten. Bereits etwa 3 cm² Rinde reichen, um eine schwere Hautläsion mit perkutaner Diterpen-Resorption auszulösen. Heute strikt obsolet wegen der unkalkulierbaren systemischen Toxizität von Mezerein und Daphnetoxin.
Anleitung & Dosierung
Historische Anwendung einer Wurzelrinden-Salbe auf indolente Geschwüre, kalte Abszesse und schlecht heilende Hautläsionen — die Salbe sollte durch chemische Reizung 'Sekretion anregen' und das Abheilen beschleunigen. Maud Grieve und das King's American Dispensatory dokumentieren diese Anwendung; die Reizung beruht auf Mezerein und Daphnetoxin, die durch geschädigte Haut massiv resorbiert werden. Heute strikt kontraindiziert.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische Anwendung der erweichten Rinde an wundem Zahnfleisch und bei Zahnschmerzen ('Kellerhals' — Name verweist auf das Brennen im Hals beim Kauen). Die Kaureizung sollte Speichelfluss und 'ableitende' Wirkung erzeugen; tatsächlich entsteht eine heftige Schleimhautverätzung mit Schwellung von Lippen, Zunge und Rachen. Anwendung gilt seit dem 19. Jahrhundert als obsolet.
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Historische innerliche Anwendung von Decoctum Mezerei und Mezereum-Fluidextrakt im 18. und 19. Jahrhundert als 'Alterativum' bei Syphilis (besonders Mercurio-Syphilis nach Quecksilberkuren), Skrofulose und chronischen Hautkrankheiten. Übliche Dosierung nach King's American Dispensatory (1898): Dekokt 1–3 fluid ounces, Pulver 10 grains, Fluidextrakt 2–10 Tropfen. Trotz dieser sehr niedrigen Dosen gab es regelmässig Vergiftungsfälle. Heute strikt obsolet — therapeutisches Fenster fehlend, kanzerogenes Co-Risiko durch Mezerein als Tumor-Promotor.
Anleitung & Dosierung
Homöopathische Verwendung von Mezereum (Urtinktur aus frischer Rinde, geprüft durch Samuel Hahnemann; Verdünnungsstufen typisch D6, D12, D30) bei Herpes zoster (Gürtelrose), neuralgischen Schmerzen nach Zoster, juckenden Ausschlägen mit Krustenbildung und Knochenschmerzen. Ab D6 enthalten Präparate keine pharmakologisch wirksame Diterpen-Menge mehr; in Deutschland, Österreich und der Schweiz arzneimittelrechtlich zugelassen. Urtinktur und Niedrigpotenzen (D1–D3) bleiben hochtoxisch.
Anleitung & Dosierung
Frühneuzeitliche Volksmedizin: Verwendung der roten Beeren als drastisches Brech- und Abführmittel — beschrieben unter anderem bei Johannes Lonicer (16. Jahrhundert). Die Beeren wurden in kleiner Zahl gekaut, um Erbrechen und Diarrhö auszulösen; bei Überschreitung der willkürlichen Schwelle traten jedoch Schleimhautverätzungen und systemische Vergiftungen auf. Letale Dosis bei Kindern: 4–5 Beeren; bei Erwachsenen: 10–12 Beeren. Anwendung gilt seit dem späten 19. Jahrhundert als obsolet und gefährlich; reine ethnobotanische Dokumentation.
⚠ Nur äußerlich anwenden
HOCHGIFTIG — ALLE PFLANZENTEILE, BESONDERS RINDE, SAMEN UND BEEREN. Daphne mezereum ist eine der gefährlichsten heimischen Wildpflanzen Mitteleuropas. Letale orale Dosis: 4–5 rote Beeren bei Kindern, 10–12 bei Erwachsenen; etwa 30 g Rinde töten ein Pferd. Bereits 3 cm² feuchte Rinde reichen für eine schwere Hautblase mit perkutaner Resorption. Hauptgifte sind die Diterpenester Mezerein und Daphnetoxin (PKC-Aktivierung, Tumor-Promotoren) sowie das Cumarin-Glykosid Daphnin. Symptome: Brennen und Schwellung von Mund, Lippen und Rachen, Schluckbeschwerden, starker Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen, blutige Diarrhö, Bauchkrämpfe, Fieber, Tachykardie; bei schwerer Vergiftung Nierenschaden, ZNS-Lähmung, Kreislaufkollaps. Berührung der Beeren und des Rindensaftes verursacht Hautrötung, Blasen und Dermatitis. Mezerein wirkt im Tierversuch als Tumor-Promotor (zweite Stufe der Karzinogenese). Bei Vergiftungsverdacht: SOFORT Notruf 112 und Giftnotruf kontaktieren. Kein spezifisches Antidot — symptomatische Therapie (Magenspülung in den ersten Stunden, Aktivkohle, Flüssigkeitssubstitution). In Deutschland und Österreich unter Naturschutz (Bundesartenschutzverordnung); im Vereinigten Königreich seit 1975 geschützt.
Diterpenester (Mezerein, Daphnetoxin) sind potente PKC-Aktivatoren mit Tumor-Promotor-Aktivität; jede orale, dermale oder homöopathische Anwendung unterhalb D6 ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Übergang in die Plazenta sehr wahrscheinlich.
Aufgrund der Diterpen-Toxizität und der ko-karzinogenen Wirkung ist jede Anwendung in der Stillzeit strikt kontraindiziert. Auch Hautkontakt mit Pflanzensaft beim Beschnitt im Garten sollte vermieden werden.
Kinder sind extrem gefährdet — die rotglänzenden Beeren wirken auf Kleinkinder besonders verlockend. Bereits 4–5 Beeren können tödlich sein. Seidelbast darf in Hausgärten mit Kleinkindern nicht gepflanzt werden; falls vorhanden: Beeren konsequent entfernen, vor der Reife abschneiden. Verschluckte Beeren: SOFORT Giftnotruf.
Wechselwirkungen
Topische Reizmittel und Rubefacientia (Capsaicin-Pflaster, Senfmehl, Cantharidin)
Additive Hautreizung und Blasenbildung; gleichzeitige Anwendung erhöht das Risiko ausgedehnter Verätzungen mit erheblicher perkutaner Resorption der Diterpenester.
Phorbol-Ester-haltige Forschungssubstanzen (TPA / PMA) und PKC-Modulatoren
Mezerein und Daphnetoxin aktivieren — wie TPA — die Proteinkinase C dauerhaft. Kombination mit anderen PKC-Aktivatoren führt zu massiver Übersteuerung der PKC-abhängigen Signalwege; in Tumormodellen synergistische Tumor-Promotor-Aktivität. Klinisch nicht relevant, aber für Laborkontakte und Forschung relevant.
Antikoagulanzien (Phenprocoumon, Warfarin, DOAKs)
Daphnin und Daphnetin sind Hydroxycumarine; auch wenn die pharmakologische Cumarin-Wirkung gering ist, sollte bei innerlicher Belastung an additive Cumarin-Effekte und ein erhöhtes Blutungsrisiko gedacht werden. Theoretisches Risiko, klinisch nicht systematisch untersucht.
Schleimhaut-reizende Medikamente (NSAR, Bisphosphonate, Kaliumchlorid-Retardpräparate)
Mezerein verursacht direkte gastrointestinale Schleimhautverätzung; gleichzeitige Gabe NSAR-bedingt schleimhautschädigender Substanzen vergrössert das Risiko für Ulzera und Blutungen erheblich.
Kontraindikationen
- Jede Selbstanwendung des Pflanzenmaterials (Frischpflanze, getrocknete Rinde, Beeren, Tee, hausgemachte Tinktur, Salbe) — absolut kontraindiziert wegen fehlendem therapeutischen Fenster
- Hautläsionen, offene Wunden, Ekzeme — drastisch erhöhte perkutane Resorption von Mezerein und Daphnetoxin
- Erkrankungen mit Schleimhautläsionen (Gastritis, Ulkus, Colitis) — Mezerein verursacht direkte mukosale Verätzung
- Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz — verzögerte Elimination der Diterpenester
- Onkologische Vor- oder Begleiterkrankungen — Mezerein als nachgewiesener Tumor-Promotor (PKC-Aktivierung)
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche (siehe oben)
Erntet wird: Rinde und Beeren
- Tageszeit:
- Im Herbst nach Abwurf der Beeren, an trockenen Tagen — historische Rinden-Drogenernte für pharmazeutische Verarbeitung. KEINE Laienernte.
- Trocknung:
- Rinde in dünnen Streifen auf Trockenhorden bei max. 40 °C im Schatten trocknen. UNDURCHLÄSSIGE SCHUTZHANDSCHUHE PFLICHT — frischer Rindensaft erzeugt nach 24–48 h Hautblasen mit perkutaner Diterpen-Resorption. Aerosolexposition beim Schneiden vermeiden (Atemschutz tragen). Getrocknete Rinde behält ihre Toxizität jahrelang und muss in eindeutig als GIFTIG gekennzeichneten Behältern verwahrt werden — ausserhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren.
- Tageszeit:
- Reife Beeren ab Hochsommer (Juli–September). Erntung nur zu botanischen oder pharmazeutischen Zwecken; im Garten Beeren konsequent vor der Reife abschneiden, wenn Kinder oder Haustiere Zugang haben.
- Trocknung:
- Wegen Mezerein- und Daphnin-Gehalt nicht für häusliche Verwendung trocknen. Pharmazeutische Verarbeitung unter Schutzausrüstung und in geschlossenen Anlagen.
- MezereinSonstigeAnteil: ca. 0.1 %
Hauptditerpenester (Daphnan-Typ) der Samen und Rinde von Daphne mezereum; C38H38O10, MW 654,7 g/mol. Aktiviert wie das Phorbolester-Analogon TPA die Proteinkinase C persistent (DAG-Imitat, aber nicht abbaubar) — daraus folgt Übersteuerung der PKC-Signalwege und Tumor-Promotor-Aktivität in der zweiten Karzinogenese-Stufe. Verursacht starke Schleimhautverätzung, Erbrechen, Diarrhö und Hautblasen. In Tierexperimenten paradoxe Dosis-Wirkungs-Beziehung: niedrige Dosen wirken pro-tumoral, hohe Dosen können Leukämiezellen differenzieren.
- DaphnetoxinSonstigeAnteil: nicht quantifiziert
Diterpenester der Daphnan-Reihe, vorwiegend in der Rinde. Co-Karzinogen mit Mezerein, PKC-Aktivator. Verantwortlich für die starke Vesikans-Wirkung (Blasenbildung) der frischen Rinde innerhalb von 24–48 Stunden bei Hautkontakt. Wird durch geschädigte Haut rasch perkutan resorbiert und kann systemisch zu Schleimhautläsionen, Tachykardie und Kreislaufkollaps führen.
- DaphninGlykosidAnteil: nicht quantifiziert
Cumarin-Glykosid (C15H16O9; Hydroxycumarin-Glykosid des Daphnetins); in Beeren und Zweigen angereichert. Trägt zur GI-Reizung, ZNS-Beteiligung (Verwirrtheit, miotische Pupillen, oberflächliche Atmung, Krampfanfälle) und perkutanen Hautreizung bei. Pharmakologisch dem hochaktiven Daphnetoxin untergeordnet.
- Daphnetin (7,8-Dihydroxycumarin)SonstigeAnteil: Spuren
Aglykon des Daphnins; Hydroxycumarin mit schwacher antioxidativer und in höheren Konzentrationen antikoagulativer Wirkung. In Daphne-mezereum-Material in geringen Mengen. In experimentellen Studien wird Daphnetin als Untersuchungsobjekt für entzündungshemmende und antimalariale Effekte verwendet, aber nicht aus Seidelbast gewonnen.
- Umbelliferon (7-Hydroxycumarin)SonstigeAnteil: Spuren
Begleitendes Hydroxycumarin in den Pflanzenteilen; trägt zur typischen UV-Fluoreszenz wässriger Rindenauszüge bei. Pharmakologisch gegenüber den Diterpenestern untergeordnet.
- Fettes SamenölSonstigeAnteil: bis 31 %
Die Samen enthalten bis zu 31 % fettes Öl, das jedoch wegen der gleichzeitig vorhandenen hochtoxischen Diterpenester nicht nutzbar ist. Keine technische oder kulinarische Verwendung.
- Sitosterol und TriterpeneSonstigeAnteil: nicht quantifiziert
Begleitende Phytosterole und Triterpene in Rinde und Wurzelrinde; pharmakologisch nicht relevant gegenüber den Diterpenestern, werden aber in Phytochemie-Analysen regelmässig nachgewiesen.
- Akrides Harz ('Mezereum-Harz')SonstigeAnteil: nicht quantifiziert
In King's American Dispensatory (1898) als 'acrid resin, soluble in alcohol and ether, insoluble in water' beschrieben — heute als Diterpen-Estergemisch (Mezerein, Daphnetoxin, verwandte Verbindungen) identifiziert. Trägt die gesamte vesikante und systemische Toxizität der Droge.
- [8]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Daphne mezereum L.: sehr stark giftig +++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [5]BuchPlants For A Future — Daphne mezereum(abgerufen: 2026-05-26)
- [6]BuchMaud Grieve: A Modern Herbal — Mezereon (botanical.com, 1931)(abgerufen: 2026-05-26)
- [7]BuchMezereum (U. S. P.) — King's American Dispensatory, 1898 (Henriette's Herbal)(abgerufen: 2026-05-26)
- [1]WikipediaEchter Seidelbast — Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-05-26)
- [2]WikipediaDaphne mezereum — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [3]WikipediaMezerein — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [4]WikipediaDaphnin — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)