© Claus Ableiter · CC BY-SA 3.0 · Commons
Engelstrompeten
Giftig🐾Brugmansia · (Brugmansia arborea)
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Beschreibung
Die Engelstrompete trägt bis zu 25 Zentimeter lange, trichterförmige Blüten, die abends und nachts einen schweren, süßen Duft verströmen und meist senkrecht herabhängen — ein beliebter Kübelstrauch, der ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammt. So schön sie ist, so gefährlich: Alle Pflanzenteile sind extrem giftig. Sie enthalten Tropanalkaloide, vor allem Scopolamin, daneben Hyoscyamin und Atropin, mit deutlich höherem Scopolamin-Anteil als beim verwandten Stechapfel. In der Heiltradition der nordperuanischen Kuranderos sowie in Kolumbien und Ecuador spielten Blätter und Blüten eine rituelle Rolle; äußerlich wurden zerquetschte oder erwärmte Blätter als Umschlag bei Rheuma, Gelenk- und Muskelschmerzen aufgelegt. Für den Hausgebrauch gibt es keine sichere Anwendung — schon kleine Mengen können schwere Vergiftungen auslösen.
🌿 Verwechslungsgefahr — vor Wildsammlung lesen!
Häufige tödliche Vergiftungen bei Jugendlichen, die einen Rausch suchen (Florida-Outbreak 1994: 112 Krankenhausaufnahmen).
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Tropanalkaloide (Scopolamin, Hyoscyamin, Atropin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie, ZNS-Schäden und kongenitale Fehlbildungen verursachen. Jede Exposition in der Schwangerschaft ist streng kontraindiziert — auch berührungs- und atemwegsvermittelt.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Scopolamin und Atropin treten in die Muttermilch über und können beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber, Sedierung, Krampfanfälle) auslösen. Stillzeit: streng kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Tropanalkaloide; wenige Samen oder ein Blütenstück können tödlich sein. Engelstrompeten in Haushalten mit kleinen Kindern oder Haustieren sind ein dokumentiertes Vergiftungsrisiko. Keinerlei Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren — auch keine homöopathischen Tiefpotenzen unter D6.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin, Darifenacin, Scopolamin-Pflaster) · Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin, Clomipramin) · MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin)
Traditionelle äußere Anwendung in Südamerika: zerquetschte oder erhitzte Engelstrompeten-Blätter werden in der Volksmedizin als Umschlag bei Rheuma, Arthritis, Muskelschmerzen, Prellungen und Hautentzündungen aufgelegt. Lokale anticholinerge Wirkung der Tropanalkaloide reduziert oberflächlich Schmerz und Spasmen. Wichtig: Tropanalkaloide werden über die Haut resorbiert — systemische Vergiftungen sind beschrieben. Keine Laienanwendung.
Anleitung & Dosierung
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Schamanische und divinatorische Verwendung in der Volksmedizin der nordperuanischen Anden (Kurandero-Tradition): Brugmansia arborea und verwandte Arten ('Floripondio', 'Misha', 'Borrachero') werden seit präkolumbianischer Zeit für Initiationsrituale, Visionssuche und Heilzeremonien eingesetzt. De Feo (2004) dokumentiert Anwendung in der Kombination mit Trichocereus pachanoi (San-Pedro-Kaktus) in den Mesa-Ritualen. Wirkmechanismus: zentrale anticholinerge Delir-Auslösung durch Scopolamin. Keine Anwendungsempfehlung — Vergiftungen häufig, Halluzinationen werden als 'erschreckend' beschrieben.
Anleitung & Dosierung
Historische Verwendung der Blüten in kolumbianischen und ecuadorianischen Heiltraditionen ('Borrachero blanco'). Heiler trockneten und zerkleinerten die Blüten für rituelle Räucherungen oder gaben sie patientengerichtet als Kaltauszug, um Trance- und Visionszustände auszulösen — historisch belegt für Diebstahls- und Hexerei-Mythen (Robles-Mythos, Kolumbien). Modern dokumentiert: kriminelle Anwendung von konzentrierten Scopolamin-Extrakten ('Devil's Breath') gegen Tourists in Bogotá — keinerlei therapeutische Rolle.
Anleitung & Dosierung
Homöopathische Verwendung (Brugmansia D6–D12) bei Schreckhaftigkeit, halluzinatorischen Zuständen, Albträumen und Schlafstörungen mit Bildern von Verfolgung — analog zur Datura-Indikation in der klassischen Homöopathie. Ab D12 sind keine pharmakologisch wirksamen Alkaloidmengen mehr enthalten. Tieferpotenzen (unter D6) sind in Deutschland nicht im freien Handel.
Anleitung & Dosierung
Rein ethnobotanisch-historische Dokumentation der Samenverwendung in präkolumbianischen Inka-/Chibcha-Bestattungsritualen: Engelstrompeten-Samen wurden mit Maisbier und Tabak vermischt und Frauen sowie Sklaven Verstorbener verabreicht, bevor diese lebendig mitbestattet wurden (laut spanischen Chronisten des 16. Jahrhunderts). Heute ohne jegliche Anwendungsempfehlung — Samen enthalten die höchste Scopolamin-Konzentration und sind potentiell letal bereits in kleinsten Mengen.
Anleitung & Dosierung
Historische Asthma-Räucherungen mit Engelstrompeten-Blättern: vor der Anerkennung von Asthma als allergische Entzündung wurden Brugmansia-Blätter (zusammen mit Datura- und Hyoscyamus-Blättern) als 'Anti-Asthma-Pulver' oder 'Stramonium-Zigaretten' verbrannt und inhaliert — anticholinerge Bronchodilatation durch Atropin/Scopolamin. Seit Einführung von β2-Sympathomimetika und inhalativen Kortikosteroiden vollständig obsolet, wegen Toxizität und Halluzinogenität abgelehnt.
Anleitung & Dosierung
⚠ Nur äußerlich anwenden
EXTREM GIFTIG — ALLE PFLANZENTEILE. Brugmansia arborea enthält Tropanalkaloide (Scopolamin, Hyoscyamin, Atropin) mit deutlich höherem Scopolamin-Anteil als Datura stramonium (Scopolamin ist hauptaktiv, sedierend und stark halluzinogen, überwindet die Blut-Hirn-Schranke effizient). Konzentration variiert extrem mit Jahreszeit, Pflanzenteil und Hydratisierung — verlässliche Dosierung ist nicht möglich. Letale Erwachsenendosis Scopolamin: ca. 2–4 mg (orale Aufnahme); einzelne Blütenstaubproben und Honig aus Brugmansia-Bestäubung sind bereits toxisch. Symptome (anticholinerges Syndrom): Mundtrockenheit, Tachykardie, Mydriasis, Photophobie, Hyperthermie, Harnverhalt, lebhafte und erschreckende Halluzinationen, Delir, bizarre und gefährliche Verhaltensweisen (dokumentierter Fall einer Selbstamputation), Krampfanfälle, Koma. Vergiftungen dauern 24–48 h, im Einzelfall bis zwei Wochen. Selbst der Pflanzenduft in geschlossenen Räumen kann Symptome auslösen — niemals im Schlafzimmer aufstellen. Häufige tödliche Vergiftungen bei Jugendlichen, die einen Rausch suchen (Florida-Outbreak 1994: 112 Krankenhausaufnahmen). Bei Verdacht: SOFORT Notruf 112 und Giftnotruf. Keine Selbstmedikation. Keine Laienanwendung.
Tropanalkaloide (Scopolamin, Hyoscyamin, Atropin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie, ZNS-Schäden und kongenitale Fehlbildungen verursachen. Jede Exposition in der Schwangerschaft ist streng kontraindiziert — auch berührungs- und atemwegsvermittelt.
Scopolamin und Atropin treten in die Muttermilch über und können beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber, Sedierung, Krampfanfälle) auslösen. Stillzeit: streng kontraindiziert.
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Tropanalkaloide; wenige Samen oder ein Blütenstück können tödlich sein. Engelstrompeten in Haushalten mit kleinen Kindern oder Haustieren sind ein dokumentiertes Vergiftungsrisiko. Keinerlei Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren — auch keine homöopathischen Tiefpotenzen unter D6.
Wechselwirkungen
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin, Darifenacin, Scopolamin-Pflaster)
Additive anticholinerge Wirkung mit den Tropanalkaloiden der Pflanze: verstärkte Mundtrockenheit, Harnretention, Tachykardie, kognitive Beeinträchtigungen bis hin zum zentralen anticholinergen Syndrom mit Delir und Krampfanfällen.
Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin, Clomipramin)
Trizyklika besitzen inhärente anticholinerge Eigenschaften; Kombination mit Brugmansia-Alkaloiden potenziert anticholinerge Nebenwirkungen erheblich.
MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin, Moclobemid, Selegilin)
MAO-Hemmer können den Abbau von Tropanalkaloiden vermindern und deren Toxizität verstärken; zentralnervöse Exzitation mit Halluzinationen und hypertensiver Krise möglich.
Antihistaminika der 1. Generation (Diphenhydramin, Promethazin, Hydroxyzin)
H1-Antihistaminika der ersten Generation haben anticholinerge Eigenschaften; additive Effekte mit Brugmansia-Alkaloiden — Risiko für Sedation, Verwirrtheit, Sturzgefahr und Hyperthermie.
Neuroleptika mit anticholinerger Komponente (Clozapin, Olanzapin, Chlorpromazin)
Anticholinerge Eigenwirkung der Neuroleptika summiert sich mit Tropanalkaloiden; Risiko für Hyperthermie, Ileus, kognitive Verschlechterung.
Opioid-Analgetika (Morphin, Fentanyl, Oxycodon)
Additive zentralnervöse Dämpfung und anticholinerge Effekte (Obstipation, Harnretention, Sedation); experimentell beschriebener Einfluss von Brugmansia-Tropanalkaloiden auf den Opioid-Entzug (Capasso & De Feo 2003) — Wechselwirkungen daher pharmakologisch plausibel und klinisch unkalkulierbar.
Kontraindikationen
- Engwinkelglaukom — Scopolamin/Atropin erhöhen den Augeninnendruck gefährlich
- Benigne Prostatahyperplasie mit Miktionsstörungen — anticholinerge Harnretention
- Tachyarrhythmien und Vorhofflimmern — Tropanalkaloide erhöhen die Herzfrequenz weiter
- Mechanischer Ileus, Megakolon, Pylorusstenose — Darmparalyse durch Anticholinergika
- Myasthenia gravis — Antagonisierung der neuromuskulären Übertragung
- Demenz und kognitive Vorschädigung — Risiko für zentrales anticholinerges Syndrom
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Jugendliche (siehe oben)
- Haushalte mit Kindern oder Haustieren — selbst bei reiner Zierpflanzenkultur (Vergiftungsrisiko durch Blütenduft und Pflanzenkontakt)
Erntet wird: alle Pflanzenteile, besonders Blüten und Samen
- Tageszeit:
- Morgenstunden nach Tautrocknung in der Hauptwachstumsperiode — wegen extremer Konzentrationsvariabilität ausschließlich für pharmazeutische Forschung oder rituelle Tradition unter Aufsicht, niemals für Laienanwendung.
- Trocknung:
- Rasch bei 40–50 °C im Schatten trocknen; SCHUTZHANDSCHUHE PFLICHT — Tropanalkaloide werden über die Haut resorbiert. Atemschutz beim Zerkleinern getrockneter Blätter (Staub kann Scopolamin freisetzen). Ernte und Verarbeitung ausschliesslich durch ausgebildete Botaniker oder Apotheker.
- Tageszeit:
- Frühe Morgenstunden oder Abendstunden, wenn die nachtblühenden Trompeten geöffnet sind; höchste Scopolamin-Konzentration aller Pflanzenteile.
- Trocknung:
- Frische Blüten bei niedriger Temperatur (30–40 °C) im Schatten trocknen; Duftexposition vermeiden (Räume gut lüften — Aromaaufnahme kann symptomatisch werden). Verwendung ausschließlich pharmazeutisch oder forschungsbezogen.
- Scopolamine (Hyoscine)AlkaloidAnteil: Hauptalkaloid (Blätter/Stängel > 70 % des Tropan-Gesamtgehalts, Blüten dominant)
Leitalkaloid in Brugmansia arborea — anders als bei Datura stramonium, wo Atropin/Hyoscyamin dominieren. Scopolamin überwindet die Blut-Hirn-Schranke effizient, ist stärker sedierend und halluzinogen als Atropin und für die typische schamanische Wirkung verantwortlich. LC-MS-Analysen (Algradi 2021) bestätigen Scopolamin als dominantes Alkaloid in Blättern, Stängeln und Blüten.
- Hyoscyamine (l-Hyoscyamin)AlkaloidAnteil: Begleitalkaloid (variabel, höher in jungen Blättern und Wurzeln)
Biologisch aktives Enantiomer; partieller M-Rezeptor-Antagonist; bei Trocknung racemisiert zu Atropin (dem dl-Racemat). In Brugmansia arborea quantitativ deutlich unter Scopolamin.
- Atropine (dl-Hyoscyamine)AlkaloidAnteil: Spuren bis geringe Mengen
Racemat aus l- und d-Hyoscyamin; kompetitiver Antagonist an muscarinischen Acetylcholinrezeptoren (M1–M5); mydriatisch, antispasmodisch, antisekretorisch. In B. arborea pharmakologisch sekundär.
- NorscopolamineAlkaloidAnteil: Spuren
Demethyliertes Stoffwechsel-/Begleitalkaloid des Scopolamins; in Brugmansia-Arten nachweisbar; pharmakologisch geringere anticholinerge Aktivität, taxonomischer Marker.
- AposcopolamineAlkaloidAnteil: Spuren
Dehydrierungsprodukt des Scopolamins (Verlust einer Hydroxylgruppe); entsteht hauptsächlich bei Erhitzung und Lagerung; pharmakologisch schwächer wirksam.
- TropineAlkaloidAnteil: Spuren
Aminoalkohol-Grundstruktur der Tropanalkaloide; selbst kaum pharmakologisch wirksam; Biosynthese-Vorstufe von Hyoscyamin und Scopolamin. Tropin-bildende Reduktase ist in B. arborea charakterisiert.
- CuscohygrineAlkaloidAnteil: Spuren (Wurzel)
Pyrrolidin-Alkaloid mit niedriger anticholinerger Aktivität; in Wurzelextrakten mehrerer Solanaceen (Brugmansia, Atropa, Erythroxylum) identifiziert; ohne praktische therapeutische Bedeutung.
- Withanolide (Steroidlactone)SonstigeAnteil: Spuren
Steroidlactone der Withanolid-Reihe; in Brugmansia- und Datura-Arten nachgewiesen; immunmodulatorische und zytotoxische Wirkungen in Zellkulturen; keine praktische therapeutische Rolle gegenüber den dominierenden Tropanalkaloiden.
- [3]MonographieReview on the genus Brugmansia: Traditional usage, phytochemistry, pharmacology, and toxicity(abgerufen: 2026-05-26)
- [4]MonographieThe Ritual Use of Brugmansia Species in Traditional Andean Medicine in Northern Peru (De Feo 2004)(abgerufen: 2026-05-26)
- [5]MonographieAlkaloids from Brugmansia arborea (L.) Lagerhein reduce morphine withdrawal in vitro (Capasso & De Feo 2003)(abgerufen: 2026-05-26)
- [1]WikipediaBrugmansia — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-26)
- [2]WikipediaEngelstrompeten — Wikipedia (DE)(abgerufen: 2026-05-26)