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Schwarze Tollkirsche
Giftig🐾Atropa bella-donna · (Atropa belladonna)
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Beschreibung
Schwarzglänzende, kirschgroße Beeren an einer bis zu 1,5 Meter hohen, buschigen Staude verraten die Tollkirsche schon aus der Ferne – doch genau diese verführerisch süß schmeckenden Früchte zählen zu den gefährlichsten Giftfallen Europas. Die Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse trägt ihren Namen nach der griechischen Schicksalsgöttin Atropos, die den Lebensfaden durchtrennt. In Blättern und Wurzeln stecken Tropanalkaloide wie Atropin und Scopolamin, die einst in streng dosierten Zubereitungen als Krampflöser, zur Pupillenerweiterung bei Augenuntersuchungen oder – hochgereinigt – als Gegenmittel bei Nervengift- und Pestizidvergiftungen dienten. Solche Anwendungen liegen ausschließlich in ärztlicher Hand. Alle Pflanzenteile sind giftig, bereits wenige Beeren können für Kinder lebensgefährlich werden; bei Verdacht auf eine Vergiftung ist sofort der Notruf zu verständigen.
Nur äußerlich anwenden!
Diese Pflanze darf NICHT innerlich eingenommen werden. Nur Umschläge, Salben, Bäder.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
Belladonna-Alkaloide (Atropin, Scopolamin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie sowie ZNS-Schäden verursachen. Jede Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
Atropin tritt in die Muttermilch über und kann beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber) auslösen. Stillzeit: streng kontraindiziert.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Belladonna-Alkaloide. Bereits wenige Beeren können tödlich sein. Kein Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Vergiftungsrisiko durch attraktive schwarze Beeren besonders hoch.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin)
Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
Historische pharmazeutische Verwendung atropinhaltiger Belladonna-Tinktur als Antispasmodikum bei Magen-Darm-Koliken und Gallenwegsspasmen. Nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet — heute weitgehend durch synthetische Anticholinergika ersetzt.
Anleitung & Dosierung
Einsatz von Belladonna-Extrakten in der frühen Parkinson-Therapie zur Linderung von Tremor und Muskelrigidität durch anticholinerge Wirkung. Historisch vor der Einführung von L-Dopa gebräuchlich.
Anleitung & Dosierung
Atropin aus Belladonna als Antidot bei Organophosphat- und Carbamatvergiftungen (Pestizide, Nervenkampfstoffe). Diese lebensrettende Anwendung ist heute standardisiert und ausschliesslich medizinisch indiziert.
Anleitung & Dosierung
Historische Prämedikation vor Operationen: Belladonna-Alkaloide (Atropin, Scopolamin) reduzierten Speichelfluss und Bronchialsekret sowie verhinderten Vagus-bedingte Bradykardie. Heute durch reine Atropin- oder Glycopyrrolat-Injektionen ersetzt.
Anleitung & Dosierung
Volksmedizinische Anwendung von Belladonna-Blättern als Rauchkraut bei Asthma bronchiale (Stramoniumzigaretten). Historisch verbreitet, heute wegen Toxizität und fehlender Evidenz obsolet.
Anleitung & Dosierung
Homöopathische Verwendung von Belladonna (D6–D30) bei fieberhaften Entzündungen mit Röte, Hitze und Delirium. Rein homöopathische Verdünnungsstufen enthalten keine pharmakologisch wirksamen Alkaloidmengen.
Anleitung & Dosierung
Historische Verwendung von Belladonna-Extrakt in der Ophthalmologie zur Pupillenerweiterung (Mydriasis) für Augenuntersuchungen und kosmetische Zwecke (Renaissance-Schönheitspflege). Heute durch synthetische Mydriatika ersetzt.
Anleitung & Dosierung
⚠ Nur äußerlich anwenden
GIFTIG — GESAMTE PFLANZE. Atropa belladonna ist eine der giftigsten Pflanzen Europas. Alle Pflanzenteile enthalten toxische Tropanalkaloide (Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin). Die schwarzen Beeren sind süsslich und besonders für Kinder attraktiv und gefährlich. Symptome einer Vergiftung: Mundtrockenheit, Tachykardie, weite Pupillen, Hautrötung, Fieber, Halluzinationen, Krampfanfälle, Koma. Bei Vergiftungsverdacht: SOFORT Notruf (112) und Giftnotruf. Keine Selbstmedikation. Keine Laienverwendung. Nur unter ärztlicher Kontrolle in der Phytotherapie (heute obsolet). Tiergefahr: giftig für Hunde und Katzen — die Tropanalkaloide wirken auch bei Haustieren (Wag!).
Belladonna-Alkaloide (Atropin, Scopolamin) passieren die Plazentaschranke und können fetale Tachykardie sowie ZNS-Schäden verursachen. Jede Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert.
Atropin tritt in die Muttermilch über und kann beim Säugling anticholinerge Effekte (Tachykardie, Mundtrockenheit, Fieber) auslösen. Stillzeit: streng kontraindiziert.
Kinder reagieren extrem empfindlich auf Belladonna-Alkaloide. Bereits wenige Beeren können tödlich sein. Kein Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Vergiftungsrisiko durch attraktive schwarze Beeren besonders hoch.
Wechselwirkungen
Anticholinergika (Tiotropium, Ipratropium, Oxybutynin)
Additive anticholinerge Wirkung: verstärkte Mundtrockenheit, Harnretention, Tachykardie, kognitive Beeinträchtigungen bis hin zum zentral-anticholinergen Syndrom.
Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin)
Trizyklika besitzen inhärente anticholinerge Eigenschaften; Kombination mit Belladonna-Alkaloiden potenziert anticholinerge Nebenwirkungen erheblich.
MAO-Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin, Selegilin)
MAO-Hemmer können die Wirkung und Toxizität von Belladonna-Alkaloiden durch verminderten Abbau verstärken; zentralnervöse Exzitation möglich.
Antihistaminika der 1. Generation (Diphenhydramin, Promethazin)
Viele H1-Antihistaminika der ersten Generation haben anticholinerge Eigenschaften; additive Effekte bei Kombination mit Belladonna-Alkaloiden.
Kontraindikationen
- Engwinkelglaukom (erhöhter Augeninnendruck) — Atropin verstärkt den Zustand gefährlich
- Benigne Prostatahyperplasie mit Miktionsstörungen — anticholinerge Harnretention
- Tachyarrhythmien und Vorhofflimmern — Atropin erhöht die Herzfrequenz weiter
- Mechanischer Ileus und Megakolon — Darmparalyse durch Anticholinergika
- Pylorusstenose — anticholinerge Hemmung der Magenmotilität
- Myasthenia gravis — antagonisiert die neuromuskuläre Übertragung
- Schwangerschaft und Stillzeit (siehe oben)
Erntet wird: Blätter und Wurzeln
- Tageszeit:
- Morgenstunden nach Tautrocknung, um den höchsten Alkaloidgehalt zu nutzen
- Trocknung:
- Schnell bei 40–50 °C im Schatten trocknen; bei Feuchtigkeit droht Racemisierung und Alkaloidabbau; Trockenzeit max. 4 Stunden.
- Tageszeit:
- Tagsüber nach Laubfall — Pflanze zieht Alkaloide in die Wurzel zurück
- Trocknung:
- Gewaschene Wurzeln bei 50–60 °C trocknen; höchster Gesamtalkaloidgehalt (bis 0.6 %); pharmazeutische Verarbeitung erfordert kontrollierte Bedingungen.
- Atropine (dl-Hyoscyamine)AlkaloidAnteil: 0.2-0.6 %
Hauptalkaloid der Belladonna-Blätter; racemisches Gemisch aus l- und d-Hyoscyamin; kompetitiver Antagonist an muscarinischen Acetylcholinrezeptoren (M1–M5); mydriastisch, antispasmodisch, antisekretorisch.
- l-HyoscyamineAlkaloidAnteil: 0.3-0.5 %
Biologisch aktives Enantiomer; in frischer Pflanze dominierend vor Atropin (dem Racemat); 2× potenter als Atropin; racemisiert bei Trocknung und Extraktion teilweise zu Atropin.
- Scopolamine (Hyoscine)AlkaloidAnteil: 0.06-0.2 %
Epoxyd-Derivat des Tropans; stärker sedierend als Atropin; antiemetisch wirksam; überwindet die Blut-Hirn-Schranke effizient; medizinische Nutzung als Reisekrankheitspflaster.
- ApoatropineAlkaloidAnteil: < 0.1 %
Dehydrierungsprodukt des Atropins; schwächere anticholinerge Aktivität; entsteht bei Erhitzung oder Lagerung des Rohmaterials.
- BelladonnineAlkaloidAnteil: < 0.05 %
Artefaktalkaloid; entsteht hauptsächlich aus Hyoscyamin durch Dehydratation; pharmakologische Bedeutung gering.
- ScopolineAlkaloidAnteil: Spuren
Abbauprodukt des Scopolamins; kaum pharmakologisch aktiv; identifiziert in Wurzel- und Blattextrakten.
- Flavonoide (Rutin, Kaempferol-Glykoside)FlavonoidAnteil: nicht quantifiziert
Antioxidative Begleitsubstanzen; keine primäre Rolle in der Toxikologie; beitragend zu Radikalfangaktivität des Extrakts.
- Steroidal saponins (Tomatidenol-Glykoside)SaponinAnteil: < 0.5 %
In Beeren und Blättern nachgewiesen; beitragend zur Gesamttoxizität; Interaktion mit Zellmembranen.
- [6]MonographieWag! — Belladonna Poisoning in Dogs (veterinary-reviewed)(abgerufen: 2026-06-03)
- [7]MonographieCliniTox Giftpflanzen — Atropa bella-donna L.: sehr stark giftig +++ (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich)(abgerufen: 2026-08-10)
- [4]BuchPlants for a Future — Atropa belladonna(abgerufen: 2026-05-24)
- [1]WikipediaAtropa belladonna — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-24)
- [2]WikipediaAtropine — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-24)
- [3]WikipediaScopolamine — Wikipedia (EN)(abgerufen: 2026-05-24)
- [5]WikidataAtropa belladonna — Wikidata Q48928(abgerufen: 2026-05-24)