© Kurt Stüber [1] · CC BY-SA 3.0 · Commons
Gewöhnliche Osterluzei
Giftig🐾Aristolochia clematitis · (Aristolochia clematitis)
Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae)
Beschreibung
Die Gewöhnliche Osterluzei oder Aufrechte Osterluzei ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae) gehört und meist kurz Osterluzei genannt wird.
In der Schwangerschaft KONTRAINDIZIERT
ABSOLUT KONTRAINDIZIERT. Aristolochiasäure ist plazentagängig, wirkt embryotoxisch, teratogen und genotoxisch; tierexperimentell sind Aborte und Missbildungen dokumentiert. Der historische Name 'Geburtshilfe-Wurzel' beruht auf wehenfördernder Wirkung mit gleichzeitig hohem fetalen Schaden — eine vermeintliche 'Hebammen-Hilfe', die schwangere Frauen und ihre Kinder schwer schädigte. JEDE Anwendung in der Schwangerschaft ist verboten.
In der Stillzeit KONTRAINDIZIERT
KONTRAINDIZIERT. Aristolochiasäure ist nephrotoxisch und karzinogen; ein Übertritt in die Muttermilch ist anzunehmen. Säuglinge mit unreifen Tubulusfunktionen sind besonders empfindlich. KEINE Anwendung in der Stillzeit, weder innerlich noch äusserlich.
Bei Kindern KONTRAINDIZIERT
STRIKT KONTRAINDIZIERT. Kinder und Mädchen sind durch geringes Körpergewicht und entwickelnde Niere besonders gefährdet. Verwechslungsrisiko mit anderen Arznei- oder Küchenpflanzen (Pfefferminze, Salbei) muss in Schulgärten und Familienhaushalten unbedingt ausgeschlossen werden. KEIN Einsatz unter 18 Jahren, KEINE 'kindgerechten' Aufgüsse, KEINE homöopathischen Verdünnungen unter D6 ohne pharmazeutische Aufsicht.
Kritische Wechselwirkungen mit:
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR: Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen) · Aminoglykosid-Antibiotika (Gentamicin, Tobramycin, Amikacin) · Calcineurin-Inhibitoren (Ciclosporin, Tacrolimus) · Jodhaltige Kontrastmittel (radiologische Diagnostik) · Chemotherapeutika mit renaler Elimination (Cisplatin, Methotrexat-Hochdosis)
- UmschlagKrautige TeileÄußerlichVolksmedizin
HISTORISCH-OBSOLET — Antike und mittelalterliche Wundbehandlung: Plinius der Ältere (Naturalis Historia), Dioskurides (De Materia Medica) und mittelalterliche Kräuterbücher empfehlen Umschläge aus zerstossenen Aristolochia-Blättern bei eitrigen Wunden, Geschwüren und Schlangenbissen — daher der Gattungsname aus griechisch áristos (bester) + locheía (Geburt/Reinigung). Auch perkutane Aufnahme der Aristolochiasäure kann zur Niereschädigung beitragen; äusserliche Anwendung wird heute ebenso abgelehnt. Reine ethnobotanische Notiz, KEINE Anwendungsempfehlung.
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- RohBlüteÄußerlichVolksmedizin
Biologisches Phänomen — Die Blüte der Osterluzei ist eine 'Aristolochia-Falle' (Kesselfallenblüte): die gebogene Perigonröhre ist innen mit nach unten gerichteten Reusenhaaren ausgekleidet und lockt durch aasartigen Duft kleine Zweiflügler (vor allem Pilzmücken). Die Insekten gelangen in die Kesselkammer und werden dort bis zur Bestäubung festgehalten; nach Pollenabgabe erschlaffen die Reusenhaare und geben den Ausgang frei. Klassisches Beispiel für temporäre Kesselfallenblüten in der Botanik-Lehre; KEIN medizinischer Bezug, sondern Bestäubungsökologie.
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- RohGanze PflanzeÄußerlichVolksmedizin
OBSOLET / SELTEN — Historisch wurde Aristolochia clematitis als Klostergartenpflanze und apothekarische 'Hortus-medicus'-Art angebaut (Hildegard-Tradition, Kloster St. Gallen, Klosterapotheken). In modernen Gärten extrem selten anzutreffen, weil giftig und in der EU als Arzneipflanze verboten; gelegentlich noch in botanischen Sammlungen und ethnobotanischen Schaugärten zu sehen. Verwilderte Bestände in Weinbergen und Ruderalstandorten Mittel- und Südeuropas. Anbau im Hausgarten wird wegen Verwechslungsgefahr (siehe Vergiftungswarnung) abgeraten.
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Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden
Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.
- TeeWurzelInnerlichVolksmedizin
HISTORISCH-OBSOLET UND GEFÄHRLICH — Mittelalterliche und frühneuzeitliche Volksmedizin: Aufgüsse oder Abkochungen der Wurzel galten als 'Geburtshelfer' und Wehenmittel; der deutsche Name 'Osterluzei' und das englische 'Birthwort' verweisen direkt auf diese vermeintliche Geburtshilfe. Hildegard von Bingen erwähnt die Pflanze (Physica) als kreislaufanregendes Mittel. Die Anwendung folgte der Signaturenlehre (Doctrine of Signatures), da die gebogene Kelch-Röhre an einen Geburtskanal erinnert. Heute KEINE Anwendung mehr zulässig: Aristolochiasäure ist nephrotoxisch und nachweislich krebserregend (IARC Group 1); in der EU seit 2001 in Arzneimitteln vollständig verboten. Dokumentation rein ethnobotanisch.
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- TeeKrautige TeileInnerlichVolksmedizin
HISTORISCH-OBSOLET UND HOCH GEFÄHRLICH — In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wurden Aristolochia-Arten (Mu Tong, Guang Fang Ji) bis in die 1990er Jahre als 'entwässernde' und 'hitzeklärende' Drogen verschrieben. 1992-1994 führte die irrtümliche Substitution von Stephania tetrandra durch Aristolochia fangchi in einer Brüsseler Schlankheitsklinik zur 'Chinese Herbs Nephropathy' (CHN, heute Aristolochia-Nephropathie/AAN): über 105 vorwiegend junge Frauen entwickelten eine schwere interstitielle Nierenfibrose; viele wurden dialysepflichtig oder mussten transplantiert werden, und es traten Urothelialkarzinome (Harnleiter/Blase) auf. Diese Katastrophe führte zum EU-weiten Verbot. Dokumentation rein als Mahnung — KEINE Anwendung.
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- TeeWurzelstockInnerlichVolksmedizin
HISTORISCH-OBSOLET — Antike Medizin (Hippokrates, Galen, Dioskurides) nutzte Wurzel- und Rhizom-Abkochungen der Osterluzei gegen Wechselfieber, als 'reinigendes' Mittel nach der Geburt (Lochialfluss-Förderer) und gegen Schlangenbisse. Mittelalterliche Arzneibücher (Macer Floridus, Salernitaner Antidotarium) führen sie als 'Aristolochia rotunda/longa' für innere Anwendungen. Heute wissen wir: Diese Aufgüsse enthalten freie Aristolochiasäure I und II, die DNA-Addukte (Aristolactam-dA) an Adenin-Resten bilden und A:T → T:A Transversionen in TP53 auslösen — molekulare Signatur der AA-induzierten Karzinogenese. KEINE Anwendung.
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