Donum ∞ Dei
Foto von Gewöhnliche Osterluzei

© Kurt Stüber [1] · CC BY-SA 3.0 · Commons

Gewöhnliche Osterluzei

Giftig🐾

Aristolochia clematitis · (Aristolochia clematitis)

Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae)

Beschreibung

Die Gewöhnliche Osterluzei oder Aufrechte Osterluzei ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Osterluzeigewächse (Aristolochiaceae) gehört und meist kurz Osterluzei genannt wird.

  • UmschlagKrautige TeileÄußerlichVolksmedizin

    HISTORISCH-OBSOLET — Antike und mittelalterliche Wundbehandlung: Plinius der Ältere (Naturalis Historia), Dioskurides (De Materia Medica) und mittelalterliche Kräuterbücher empfehlen Umschläge aus zerstossenen Aristolochia-Blättern bei eitrigen Wunden, Geschwüren und Schlangenbissen — daher der Gattungsname aus griechisch áristos (bester) + locheía (Geburt/Reinigung). Auch perkutane Aufnahme der Aristolochiasäure kann zur Niereschädigung beitragen; äusserliche Anwendung wird heute ebenso abgelehnt. Reine ethnobotanische Notiz, KEINE Anwendungsempfehlung.

    [#src_wp_en_aristolochia_clematitis] [#src_pfaf_aristolochia_clematitis] [#src_ema_statement_aristolochia_clematitis]

  • RohBlüteÄußerlichVolksmedizin

    Biologisches Phänomen — Die Blüte der Osterluzei ist eine 'Aristolochia-Falle' (Kesselfallenblüte): die gebogene Perigonröhre ist innen mit nach unten gerichteten Reusenhaaren ausgekleidet und lockt durch aasartigen Duft kleine Zweiflügler (vor allem Pilzmücken). Die Insekten gelangen in die Kesselkammer und werden dort bis zur Bestäubung festgehalten; nach Pollenabgabe erschlaffen die Reusenhaare und geben den Ausgang frei. Klassisches Beispiel für temporäre Kesselfallenblüten in der Botanik-Lehre; KEIN medizinischer Bezug, sondern Bestäubungsökologie.

    [#src_wp_de_aristolochia_clematitis] [#src_wp_en_aristolochia_clematitis] [#src_pfaf_aristolochia_clematitis]

  • RohGanze PflanzeÄußerlichVolksmedizin

    OBSOLET / SELTEN — Historisch wurde Aristolochia clematitis als Klostergartenpflanze und apothekarische 'Hortus-medicus'-Art angebaut (Hildegard-Tradition, Kloster St. Gallen, Klosterapotheken). In modernen Gärten extrem selten anzutreffen, weil giftig und in der EU als Arzneipflanze verboten; gelegentlich noch in botanischen Sammlungen und ethnobotanischen Schaugärten zu sehen. Verwilderte Bestände in Weinbergen und Ruderalstandorten Mittel- und Südeuropas. Anbau im Hausgarten wird wegen Verwechslungsgefahr (siehe Vergiftungswarnung) abgeraten.

    [#src_wp_de_aristolochia_clematitis] [#src_floraweb_aristolochia_clematitis] [#src_pfaf_aristolochia_clematitis]

Nur historische Dokumentation — NICHT anwenden

Diese inneren Anwendungen sind historisch überliefert. Diese Pflanze ist hochgiftig — eine Selbstanwendung kann schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Nur zur Dokumentation, ausdrücklich KEINE Handlungsempfehlung.

  • TeeWurzelInnerlichVolksmedizin

    HISTORISCH-OBSOLET UND GEFÄHRLICH — Mittelalterliche und frühneuzeitliche Volksmedizin: Aufgüsse oder Abkochungen der Wurzel galten als 'Geburtshelfer' und Wehenmittel; der deutsche Name 'Osterluzei' und das englische 'Birthwort' verweisen direkt auf diese vermeintliche Geburtshilfe. Hildegard von Bingen erwähnt die Pflanze (Physica) als kreislaufanregendes Mittel. Die Anwendung folgte der Signaturenlehre (Doctrine of Signatures), da die gebogene Kelch-Röhre an einen Geburtskanal erinnert. Heute KEINE Anwendung mehr zulässig: Aristolochiasäure ist nephrotoxisch und nachweislich krebserregend (IARC Group 1); in der EU seit 2001 in Arzneimitteln vollständig verboten. Dokumentation rein ethnobotanisch.

    [#src_wp_de_aristolochia_clematitis] [#src_wp_en_aristolochia_clematitis] [#src_iarc_aristolochia_clematitis]

  • TeeKrautige TeileInnerlichVolksmedizin

    HISTORISCH-OBSOLET UND HOCH GEFÄHRLICH — In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wurden Aristolochia-Arten (Mu Tong, Guang Fang Ji) bis in die 1990er Jahre als 'entwässernde' und 'hitzeklärende' Drogen verschrieben. 1992-1994 führte die irrtümliche Substitution von Stephania tetrandra durch Aristolochia fangchi in einer Brüsseler Schlankheitsklinik zur 'Chinese Herbs Nephropathy' (CHN, heute Aristolochia-Nephropathie/AAN): über 105 vorwiegend junge Frauen entwickelten eine schwere interstitielle Nierenfibrose; viele wurden dialysepflichtig oder mussten transplantiert werden, und es traten Urothelialkarzinome (Harnleiter/Blase) auf. Diese Katastrophe führte zum EU-weiten Verbot. Dokumentation rein als Mahnung — KEINE Anwendung.

    [#src_iarc_aristolochia_clematitis] [#src_ema_statement_aristolochia_clematitis] [#src_wp_aan_aristolochia_clematitis]

  • TeeWurzelstockInnerlichVolksmedizin

    HISTORISCH-OBSOLET — Antike Medizin (Hippokrates, Galen, Dioskurides) nutzte Wurzel- und Rhizom-Abkochungen der Osterluzei gegen Wechselfieber, als 'reinigendes' Mittel nach der Geburt (Lochialfluss-Förderer) und gegen Schlangenbisse. Mittelalterliche Arzneibücher (Macer Floridus, Salernitaner Antidotarium) führen sie als 'Aristolochia rotunda/longa' für innere Anwendungen. Heute wissen wir: Diese Aufgüsse enthalten freie Aristolochiasäure I und II, die DNA-Addukte (Aristolactam-dA) an Adenin-Resten bilden und A:T → T:A Transversionen in TP53 auslösen — molekulare Signatur der AA-induzierten Karzinogenese. KEINE Anwendung.

    [#src_iarc_aristolochia_clematitis] [#src_wp_en_aristolochia_clematitis] [#src_grollman_pmc_aristolochia_clematitis]

DEENFRESBG